Deutschland kommt mit der Unterbringung von Geflüchteten nicht mehr nach. Egal, wie man zu dem Thema steht, niemand wird es ernsthaft als gute Lösung sehen können, Tausende Flüchtlinge im Winter in Zelten unterzubringen. Die traurige Realität ist aber, dass das vielerorts passiert. Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young fehlen den deutschen Kommunen aktuell 370.000 Unterkünfte für Refugees. Der Markt für Containerunterkünfte ist so angespannt, dass oft exorbitante Preise verlangt werden. Die Idee eines Ingenieurs aus Bonn könnte eine Lösung sein. Sogenannte “Beton-Shelter” sollen eine Alternative zu Containern und Zeltunterkünften darstellen.


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Beton-Shelter bietet sichere Unterkunft

Der Entwickler der Shelter heißt Peter Görgen und ist Ingenieur im Ruhestand und ehrenamtlicher Helfer beim Technischen Hilfswerk (THW). Vor ein paar Wochen kamen er und seine Mitstreiter in die Situation, dass sie selbst zu teuren Preisen keine Container für Unterkünfte auftreiben konnten. Also wurde Görgen selber aktiv und entwarf einen Shelter aus Beton. Die Ansprüche waren gering: Schnell zu produzieren und aufzubauen sollte die Lösung sein. Das Ergebnis war ein Beton-Shelter, der aus einer Bodenplatte, vier Wänden und einem Dach besteht und 13,5 qm Raum bietet. Wahrlich kein Luxus, aber genau das, was zum kurzfristigen Aufbau von Unterkünften gebraucht wird, die zur Erstaufnahme der Geflüchteten dienen sollen.


Die Beton-Shelter fassen vier bis fünf Personen, wenn Not am Mann ist, können auch acht Personen Zuflucht in dem Betoncontainer finden. Mit 10.000 bis 15.000 Euro Kosten sind die Shelter etwa genauso teuer wie herkömmliche Wohncontainer. Letztere sind aber vielerorts komplett ausverkauft oder im Preis zu sehr angestiegen. Die Shelter sind zudem sehr vielseitig. Sie können als Wohncontainer genutzt werden, aber auch Raum für Toiletten oder für Duschen bieten.

Die Shelter sind zusammengebaut 22 Tonnen schwer, passen aber auf einen Tieflader und sind damit durchaus auch transportabel. Und sie sind in jedem Fall winterfester als Zeltunterkünfte. Mit herkömmlichen Dämmmethoden bleibt die Kälte effizient vor der Tür. Geheizt werden können sie über einen einfachen Elektrodecken-Heizkörper.

Erstes Pilotprojekt startet bald

Die ersten Beton-Shelter werden bereits in wenigen Wochen bezogen werden. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat ein Pilotprojekt gestartet, um die Unterkünfte zu testen. Die geplante Aufnahmestelle soll 60 Shelter umfassen, von denen 6 für sanitäre Anlagen vorgesehen sind. Insgesamt sollen 300 Flüchtlinge so unterkommen, die bisher in einer Turnhalle Zuflucht gefunden haben.

Für die Länder und Kommunen ist der Kauf solcher Shelter deutlich günstiger als das Anmieten von Wohncontainern. Neben der Landesregierung Rheinland-Pfalz zeigten Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Hamburg Interesse an Görgens Betonunterkünften. Görgen selber betont, dass er nur Aufträge von Krisenstäben und Behörden annehme, da viele private Profiteure sich als solche ausgeben und versuchen, so mit den Geflüchteten Geld zu machen. Der Ingenieur im Ruhestand verzichtet bewusst auf ein Patent für seine Entwicklung. Schließlich möchte er mit den Sheltern kein Geld verdienen, sondern helfen.

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