350 km/h: China bekommt die schnellsten Höchstgeschwindigkeitszüge der Welt

Wer 1987 vom chinesischen Xi’an nach Chengdu fuhr, der brauchte für die 643 km durch eine wilde, zerklüftete Berglandschaft 18 Stunden. Der Zug brachte es nicht einmal auf 30 km/h. Alte Züge brauchen auch heute noch 16 Stunden für die Strecke. Doch es zeichnet sich Änderungen ab: China bekommt neue Hochgeschwindigkeitszüge. Die neue Fahrtzeit wird dann drei Stunden betragen, während denen Passagiere den Komfort von WLAN und USB-Anschlüssen genießen können.

Die neuen Züge sollen die alten Modelle ersetzen (hier im Bild). Chinas Hochgeschwindigkeitsnetz ist erst knapp 10 Jahre alt.

Foto: G category high speed train, Beijing West Railway Station, China, Fabio Achilli, Flickr, CC BY-SA 2.0

In 4,5 Stunden von Peking nach Shanghai

Chinas Staatschef Xi Jinping ist mächtig stolz auf die neuen Züge. Ihm zu Ehren hören sie auf den Namen Fuxing, und sie kommen auf Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 350 km/h. Zwischen Peking und Shanghai sind die neuen Züge bereits ein paar Tage unterwegs. Für die 1318 Kilometer benötigen sie vier Stunden und 28 Minuten. Die Verbindung wird 14 Mal am Tag befahren. Statt wie bisher 300 km/h können die Züge auf der Strecke ihre neue Höchstgeschwindigkeit ausfahren. Damit sind sie schneller als der deutsche ICE 3, der eine zugelassene Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h hat.

China stieg spät in das Geschäft mit Hochgeschwindigkeits-Bahnverbindungen ein. Die erste Strecke verband die Hauptstadt Peking mit der Nachbarstadt Tianjin und wurde zu den Olympischen Spielen 2008 eröffnet. Die Züge benötigten 30 Minuten für die 120 Kilometer lange Strecke. Heute hat China das größte Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt. Auf mehr als 20.000 Kilometern Strecke sind die Züge unterwegs, bis 2030 sollen noch einmal 10.000 Kilometer hinzukommen. Reisende ziehen den Zug häufig dem Flugzeug vor – in China sind die Züge pünktlicher als der Flugverkehr.

Neue Züge sollen die chinesische Eisenbahn rentabel machen

Chinas Hochgeschwindkeitsnetz sorgte aber nicht immer für positive PR für das Land. 2011 entgleiste bei Whenzhou einer der Züge und fiel dabei von einer Brücke. Damals wurde die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 300 km/h eingeführt. Aufgrund des Unfalls wurde die große Korruption im chinesischen Eisenbahnsektor aufgedeckt – in Folge musste 2013 das Eisenbahnministerium aufgelöst werden. Das Ministerium ließ einen Schuldenberg von etwa 426 Milliarden US-Dollar zurück. Bis heute fahren die meisten Hochgeschwindigkeitsstrecken in China Verluste ein.

Das hindert die chinesischen Staatsmedien aber nicht daran, stolz zu berichten, dass die neuen Züge komplett in China hergestellt werden. Dass bei der Herstellung weiterhin Technik von Siemens verbaut wird, wird dabei gerne mal verschwiegen. Ob die neuen Züge das Hochgeschwindigkeitsnetz der chinesischen Eisenbahn in die schwarzen Zahlen bringen können, bleibt abzuwarten.