Formal gibt es zwischen Russland und Japan nicht einmal einen Friedensvertrag. Denn seit dem Zweiten Weltkrieg erheben beide Länder Anspruch auf die Südkurilen-Inseln. Dennoch herrschen inzwischen gute nachbarschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Staaten. So reiste Japans Premierminister Shinzo Abe selbstverständlich zum sogenannten Östlichen Wirtschaftsforum nach Wladiwostok – und traf dort zum insgesamt 19. Mal den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dieser wartete diesmal allerdings mit einer Überraschung auf: Er schlug den Bau einer Brücke zwischen der russischen Pazifikinsel Sachalin und der japanischen Insel Hokkaido vor. Sollte das Projekt tatsächlich realisiert werden, könnte man zukünftig theoretisch mit der Eisenbahn von London bis nach Tokio fahren. Schätzungen gehen zudem davon aus, dass jährlich rund vierzig Millionen Tonnen Waren über die Brücke transportiert würden.


Das Projekt könnte dazu beitragen, den Warenaustausch zwischen Russland und Japan zu erleichtern.

Die Kosten liegen bei mehr als fünfzig Milliarden Dollar

Allerdings hat die Idee einen Haken: Die Kosten sind immens. So kostet alleine der Bau einer rund acht Kilometer langen Brücke auf die Insel Sachalin rund 7,3 Milliarden Euro. In den 1950er Jahren war in der Sowjetunion bereits mit einem ähnlichen Projekt begonnen worden. Dieses wurde aber nie erfolgreich abgeschlossen. Von Sachalin aus sind es dann noch rund 43 Kilometer bis nach Japan. Der Bau einer Brücke dort würde aktuell mindestens 50 Milliarden Dollar kosten. Der japanische Premier reagierte auf den Vorschlag daher auch zurückhaltend: Zunächst will er den ökonomischen Nutzen des Projekts genau untersuchen lassen. Außerdem nutzte er die Gelegenheit, um noch einmal auf den fehlenden Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern hinzuweisen.

Bisher ist die Finanzierung noch nicht geklärt

Auch in Russland macht man sich keine Illusionen über die Dimensionen der geplanten Brücke. So sprach Präsident Putin von einem Projekt mit „planetarem Charakter“. Durch die neue Verbindung nach Japan soll aber offensichtlich die wirtschaftliche Entwicklung im Osten des riesigen Landes vorangetrieben werden. Bisher ist die Finanzierung des gigantischen Bauvorhabens allerdings noch nicht geklärt. Sicher dürfte aber sein: Wirtschaftlich betreiben lässt sich eine solche Brücke nicht. Sie müsste daher als Prestigeprojekt der zwei beteiligten Staaten erbaut und betrieben werden. Direkte Gespräche zwischen den beiden potentiellen Partnern sollen nun klären, wie realistisch eine Umsetzung ist.


Via: Inhabitat

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