Beta-Interferon ist ein wichtiger Botenstoff, der normalerweise vom Körper selbst produziert wird. Forschungen haben gezeigt, dass er ein wichtiger Teil des Immunsystems ist und beispielsweise gegen Viren und Tumorzellen eingesetzt werden kann. Außerdem kann bei Patienten mit Multipler Sklerose die Krankheit durch Beta-Interferon verlangsamt werden. Das Problem allerdings: Den Botenstoff künstlich herzustellen ist extrem teuer. In Japan etwa kosten wenige Mikrogramm umgerechnet rund 750 Euro. Am Nationalen Institut für Industriewissenschaften und Technologie hat man daher intensiv nach einer Alternative gesucht. Diese scheint nun gefunden zu sein: Hühner, die genetisch so verändert wurden, dass sie Eier mit Beta-Interferon legen. Dadurch sollen die Herstellungskosten um neunzig Prozent sinken.


Bild: Cosmo Bio Co.

Die entsprechenden Gene wurden über das Sperma implementiert

Dazu mussten zunächst die Gene isoliert werden, die Beta-Interferon produzieren. Diese wiederum wurden dann in Zellen eingepflanzt, aus denen später Hühnersperma wird. Mit dem Sperma wurden schließlich Eier befruchtet. Am Ende des Prozesses stand ein Huhn, das die Gene zur Beta-Interferon-Produktion in sich trug. Mit jedem gelegten Ei wird somit auch der gewünschte Wirkstoff produziert. Aktuell wurden auf diese Weise bereits drei Hennen genetisch so verändert, dass sie alle ein bis zwei Tage ein Ei mit Beta-Interferon legen. „Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse zur Entwicklung von günstigen Medikamenten führen“, erklärte der an der Entwicklung beteiligte Professor Hironobu Hojo aus Osaka.

Bis zur Zulassung entsprechender Medikamente dauert es noch

Zunächst ist nun geplant, den auf diese Weise produzierten Wirkstoff an Pharmafirmen zu verkaufen. Dort soll damit dann geforscht werden können. Bis tatsächlich Medikamente auf den Markt kommen, die auf dem Wirkstoff aus den Hühnereiern basieren, könnten hingegen noch einige Jahre vergehen. Dies hat auch mit dem Standort Japan zu tun: Dort dauert es im Normalfall mehrere Jahre bis ein neues Medikament auch tatsächlich zugelassen wird. Bei einem komplett neuen Ansatz wie in diesem Fall, dürfte sich die Prüfung zudem noch einmal deutlich komplexer gestalten. Langfristig ist aber natürlich denkbar, den Ansatz auch zur Produktion von weiteren Wirkstoffen zu nutzen.


Via: Inhabitat

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