Ärzte in Polen operieren mit Unterstützung von virtueller Realität am Herzen

Mit Hilfe von Technologie, die sich virtuelle Realität zu Nutze macht, haben Ärzte in Polens Hauptstadt Warschau bei einem Patienten eine Blockade der Herzkranzgefäße beseitigt. In Zukunft könnten ähnliche Operationsmethoden einen großen Zugewinn für die Herzchirurgie darstellen. Bei der Operation kam Googles Datenbrille Google Glass zum Einsatz.

Bild: Canadian Journal of Cardiology

Bessere Visualisierung durch Google Glass

Bei dem Patienten handelte es sich um einen 49-jährigen Mann, der an einem Komplettverschluss einer Herzarterie litt. Derartige Verschlüsse sind schwer zu behandeln, und traditionelle OP-Methoden führen zu sehr unterschiedlichen Erfolgen. Kardiologen suchen deshalb bereits seit längerem nach neuen Behandlungsmethoden.

Die am meisten eingesetzte Behandlungsmethode wird als perkutane Koronarintervention bezeichnet. Dabei führen die Ärzte mittels eines durch die Oberschenkelarterie geführten Katheters einen sogenannten Stent in die Arterie ein, eine Art Stütze, die das Blutgefäß aufhalten soll. Ein großes Problem ist dabei die Visualisierung der Arterie. Für gewöhnlich bedienen sich die Operateure dabei einer koronaren CT-Angiographie, bei der die Arterie unter Einsatz eines Kontrastmittels per Computertomographie visualisiert wird.

Bei der Operation in Warschau nutzten die Ärzte im Grunde die gleiche Methodik, allerdings bedienten sie sich Google Glass, um eine 3D-Rekonstruktion der betreffenden Arterie aufzubauen. Dabei kam eine sprachaktivierte App zum Einsatz, sodass die Ärzte während der OP die Bilder anzeigen und vergrößern konnten. Auf diese Art und Weise konnten die Operateure die Position des Führungsdrahts für die zwei einzusetzenden Stents in Echtzeit verfolgen. Bei den Stents handelte es sich um spezielle Modelle, die langsam ein Medikament zur Erweiterung des Gefäßes abgeben.

Fortschritte in der Herzchirurgie

Das Team hat einen Bericht über die Operation im Canadian Journal of Cardiology veröffentlicht und hofft, dass dieser andere Ärzte dazu motivieren kann, bei kardiovaskulären Interventionen häufiger auf virtuelle Realität zurückzugreifen.

Sollte die Technik sich durchsetzen, wäre das ein Schritt vorwärts für die Herzchirurgie und könnte letztlich zum Einsatz von VR auch bei komplizierteren Operationen am Herzen führen.