Seit Mitte der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts der HI-Virus isoliert wurde, kämpft die Wissenschaft einen erbitterten Kampf. Ein Kampf gegen das Virus und die durch es ausgelöste Erkrankung AIDS. 35 Millionen Menschen sind weltweit mit HIV infiziert, und trotz aller Fortschritte ist es bis heute nicht gelungen, ein wirklich wirksames Mittel gegen das Virus zu finden. Ein neu entdeckter Wirkstoff gibt nun neue Hoffnung.


HIV-infizierte T-Zelle
Foto: HIV-ingected H9 T cell, NIAID, Flickr, CC BY-SA 2.0

HIV versteckt sich vor dem Immunsystem

Bei dem HI-Virus handelt es sich um ein besonders ausgekochtes Virus. Es befällt nämlich ausgerechnet die Immunzellen, deren Aufgabe es im Normalfall ist, derartige Erreger aufzuhalten. Wenn der Organismus einmal befallen ist, kann das Virus zwar mit Medikamenten ausgebremst und in der Vermehrung sogar gestoppt werden, aber eine völlige Ausrottung im Körper ist bisher nicht möglich. Bisher existiert weder ein Medikament, dass den Virus nach der Infektion zuverlässig tötet, noch eine Impfung.

Ist eine Zelle einmal infiziert, trägt sie das Erbgut des Virus und kann daher fortlaufen neue Viren bilden. Infizierte Zellen werden deshalb auch als HIV-Reservoire bezeichnet.


Das Virus sorgt bei infizierten Zellen außerdem für Rückbildung des CD4-Rezeptors auf der Zellmembran. Dieses Protein dient als Andockstelle für Antikörper und Immunzellen. Mit dem HI-Virus infizierte Zellen sind daher für das Immunsystem praktisch unsichtbar.

“Dosenöffner” für HIV-infizierte Zellen

Ein Forscherteam rund um Andrés Finzi von der University of Montreal arbeitet momentan allerdings an einer Lösung dieser Problematik. Wir geben ein kleines Molekül hinzu, das wie ein Dosenöffner wirkt und die virale Schutzhülle aufbricht. Es legt Regionen frei, welche die Antikörper erkennen. So bildet sich eine Brücke zu einigen Zellen des Immunsystems und der Angriff beginnt„, erklärt Finzi.

Die Wissenschaftler haben das Molekül auf den Namen JP-III–48 getauft. Es ähnelt dem CD4-Rezeptor und bindet sich an die Oberfläche von infizierten Zellen, um so den zurückgebildeten Rezeptor zu ersetzen. Damit wird der Schutzmechanismus des HI-Virus umgangen.“Dieses kleine Molekül bringt die Schutzhülle des Virus dazu, sich wie eine Blume zu öffnen”, erläutert Erstautor Jonathan Richard von der University of Montreal.

Neue Chance gegen HIV?

Der neue Wirkstoff hat sich in der Petrischale bereits bewährt. An mit HIV infizierten Zellen, die aus den Körpern von HIV-Patienten isoliert wurden, gelang die Umgehung des Schutzmechanismus bereits. Nach der Zugabe von JP-III–48 gelang es im Menschen natürlich vorkommenden Antikörpern, die HIV-Reservoirzellen zu markieren, woraufhin diese von Immunzellen getötet werden konnten.

Nun bedeutet ein Erfolg im Labor nicht, dass das Mittel sich auch als echtes Medikament bewährt. Vor dem Einsatz in Studien mit menschlichen Probanden stehen vorerst Tierversuche an. Für diese wollen Fini und sein Team Affen verwenden. Als Ziel nennt die Forschergruppe die Entwicklung einer völlig neuen Wirkstoffklasse, mit der HIV endlich ganz besiegt werden soll. “Wir müssen die HIV-Reservoirs reaktivieren und das Virus aus seinem Versteck zwingen. Und dann die infizierten Zellen mit diesem Molekül und den schon vorhandenen Antikörpern töten”, so Finzi. “Indem wir mit solchen CD4-Mimetika sowohl an den Viren als auch an den infizierten Zellen ansetzen, könnten sie einen alternativen oder zusätzlichen Ansatz zu bisher erhältlichen Wirkstoffen bieten.”

Die resultierenden Mittel könnten sowohl bereits infizierte Menschen von dem Virus befreien als auch dessen Übertragung verhindern.

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