In Westafrika sind die Dächer vieler Häuser aus Stroh und Buschholz. Allerdings werden durch das massive Bevölkerungswachstum und die Abholzung zahlreicher Wälder die Baumaterialien knapp. Als Resultat haben die Menschen begonnen, ihre Häuserdächer mit Wellblechplatten zu decken. Diese müssen allerdings oft aus Europa importiert werden und sind sehr teuer. Zusätzlich müssen sie alle 5 bis 7 Jahre ersetzt werden. Eine gute Alternative könnte eine Bauweise sein, die aus dem alten Ägypten stammt.


Bild: Nubian Vault Association

Lehm statt Wellblech

Das größte Problem an den Wellblechplatten ist der Preis. „To build their houses, they have to dip into their meager food, health, and education budgets to buy these imported and expensive materials, which plunges them into a vicious circle of poverty„, so Cécilia Rinaudo von der Nubian Vault Association (AVN).

Die AVN arbeitet schon seit 2000 an Lösungen für die Behausungsprobleme in der Region Westafrika, die nicht auf moderne Technologien oder Bauweisen zurückgreifen, sondern sich an der Vergangenheit orientieren. Nubische Gewölbebauweisen wurden im alten Ägypten eingesetzt, um Häuser zu bauen. Statt auf einen Holzrahmen für die Struktur kommen bei dieser Bauweise in der Sonne getrocknete Lehmblöcke zum Einsatz, die auf ein Fundament aus Steinen geschichtet werden. Wie auch bei Iglus ist die Struktur so angelegt, dass die Wände gewölbt sind und sich selber stützen. Diese Bauweise geriet in Vergessenheit, wurde aber in den 1940ern von dem ägyptischen Architekten Hassan Fathy wieder entdeckt, der sie als gute Lösung für die Wohnungsprobleme der armen Bevölkerungsschichten ansah. Das Programm der AVN unterstützt die Verwendung dieser Bauweise in der Region, in der sie die Bewohner darin unterrichtet, derartige Gebäude zu errichten. Doch das ist nicht genug. Auch der Immobilienmarkt muss die Bauweise annehmen, damit sie sich als nachhaltige und wirtschaftlich sinnvolle Alternative zu den Wellblechhütten etablieren kann.


Bild: Nubian Vault Association

Bis 2050 sollen Häuser für 20 Millionen Menschen entstehen

Das Programm der AVN begann in Burkina Faso. Das erste Haus nach der nubischen Gewölbebauweise wurde dort 1998 von dem Franzosen Thomas Granier und einem örtlichen Farmer namens Seri Youlou errichtet. Granier gründete schließlich im Jahr 2000 die AVN.

Die so gebauten Gebäude entstehen vollständig aus lokal verfügbaren Ressourcen und sind daher sowohl ökonomisch als auch ökologisch nachhaltig. Der Bau kostet nur etwa 500 US-Dollar, was etwa 30 Prozent günstiger ist als Hütten mit Wellblechdächern. Zudem sind die Gebäude relativ wartungsarm und enthalten keine Bauteile, die komplett ersetzt werden müssen. Zwar ist auch Lehm nicht unbegrenzt verfügbar, aber es ist dennoch ein besser verfügbares Material als Wellblechplatten. In einer Region, in der die Menschen im Schnitt etwa 2 US-Dollar pro Tag verdienen, ist jeder Dollar, der beim Hausbau gespart werden kann, ein Gewinn.

Bis heute konnte AVN 400 Maurern und 400 Lehrlingen beibringen, wie Gebäude nach der nubischen Gewölbebauweise gebaut werden und beim Bau von 2.000 Gebäuden geholfen. So konnten etwa 24.000 Menschen in Burkina Faso, Mali, dem Senegal, Benin und Ghana mit einem Dach über dem Kopf versorgt werden. In Zukunft soll das Programm auch in Togo, der Elfenbeinküste, Guinea, dem Sudan und Ruanda zum Einsatz kommen. Bis 2050 sollen so fünf Prozent der Bevölkerung Westafrikas (etwa 20 Millionen Menschen) in nubischen Gewölben untergebracht werden.

via FastCoExist

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