Die „Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN)“ hat eine schwierige Aufgabe übernommen: Dort wird darüber entschieden, wer welche Domains nutzen darf. Dies betrifft auch die sogenannten Top-Level-Domains, also die Buchstaben am Ende der Webadresse. Deutschland beispielsweise besitzt die Top-Level-Domain .de. Der gleichnamige US-Internetriese wollte sich für seine Aktivitäten nun die Endung .amazon sichern.


Doch dagegen erhob sich schnell Protest: Brasilien, Argentinien und Peru – als Anrainerstaaten des Amazonas – widersprachen der Vergabe und blockierten das Verfahren so. Das „Governmental Advisory Committe“ von ICANN unterstützte die Rechtsauffassung der Staaten, sodass die Vergabe der Top-Level-Domain an Amazon nicht erfolgte.

Die Anrainer-Staaten des mächtigen Flusses sind von Amazons Plänen alles andere als begeistert. Foto: very high voltage, Boll Ohl, Flickr, CC BY-SA 2.0

Ein Kompromissvorschlag von Amazon war nicht ausreichend

Doch der US-Konzern wollte sich damit nicht abfinden und rief eine Schlichtungsstelle an. Diese kam nun zu einem entgegengesetzten Ergebnis: Demnach wären die drei Länder durch eine Vergabe an Amazon nicht negativ betroffen – womit dem Antrag stattgegeben werden müsste. Der Schlichterspruch ist für ICANN zwar nicht bindend, hat die Debatte aber neu befeuert. Amazon hat angeboten, Bewerbungen der Anrainerstaaten um die Endungen .amazonas, .amazonia und .amazonica finanziell und inhaltlich zu unterstützen. Doch dies wurde von den betroffenen Staaten als nicht ausreichend zurückgewiesen. Sie warfen dem Konzern vor, eigenmächtig zu handeln und die betroffenen Regierungen und Bevölkerungen nicht zu respektieren.

Die rechtlichen Möglichkeiten sind aktuell noch unklar

Bisher hat sich Amazon nicht zu einem möglichen weiteren Vorgehen geäußert. Theoretisch wäre es möglich, mit dem Urteil der drei Schlichter vor Gericht zu ziehen und dort eine Domainvergabe durchzusetzen. Allerdings ist aktuell völlig unklar, wo eine solche Klage zu erfolgen hätte. Denn lange Jahre unterstand ICANN US-Aufsicht und damit auch der Rechtssprechung der Vereinigten Staaten. Doch dies wurde von anderen Staaten immer wieder kritisiert, sodass der damalige US-Präsident Barack Obama die Verantwortung an ein Multistakeholdergremium abgab. Seitdem ist aber umstritten, welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt, gegen eine Entscheidung von ICANN vorzugehen. Gut möglich, dass Amazon seine enormen Ressourcen nutzen wird, um dies herauszufinden.


Via: IP Watch

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping
Tags

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.