Überall auf der Welt wird daran gearbeitet, die rechtlichen Voraussetzungen für selbstfahrende Autos zu schaffen. In Deutschland beispielsweise wurden mehrere Autobahnabschnitte und Innenstädte zu offiziellen Teststrecken erklärt. Später soll für die Technologie dann flächendeckend eine rechtliche Basis geschaffen werden. Aus Indien sind nun allerdings extrem kritische Töne zu hören. So sagte Verkehrsminister Nitin Gadkari eindeutig: „Wir werden in Indien keine selbstfahrenden Autos genehmigen“. Dieser Satz scheint zunächst zu überraschen. Immerhin gilt die Regierung von Ministerpräsident Narendra Modi als wirtschaftsfreundlich und offen für neue Technologien. Doch der Minister verweist auf ein gewichtiges Argument: Durch selbstfahrende Autos könnten Millionen von Arbeitsplätzen verloren gehen.


Stau im indischen Kalkutta. Foto: By Arne Hückelheim (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0), via Wikimedia Commons

Aktuell herrscht ein Mangel an gut ausgebildeten Fahrern

„Wir werden keine Technologie erlauben, die Arbeitsplätze vernichtet. In einem Land, in dem Arbeitslosigkeit herrscht, kannst du keine Technologie etablieren, die am Ende den Leuten die Arbeit wegnimmt“, so der Politiker. Dabei geht es nicht nur um Taxi- und Lastwagenfahrer. Vielmehr sind in Indien auch Chauffeure viel weiter verbreitet als hierzulande. Selbst Familien aus der Mittelschicht beschäftigen oft einen eigenen Fahrer. Der Minister musste daher auch einräumen, dass es aktuell sogar einen Mangel an geeigneten Fahrern gibt. Er sieht die Lösung aber nicht in selbstfahrenden Autos, sondern will im ganzen Land rund 100 neue Ausbildungsstationen für Chauffeure errichten. In den nächsten fünf Jahren sollen dort 500.000 neue professionelle Fahrer ausgebildet werden.

Fahrassistenzsysteme sollen allerdings erlaubt sein

Unklar ist allerdings ohnehin, inwieweit die Technologie überhaupt für die indischen Straßenverhältnisse geeignet ist. Denn viele Straßen dort sind nicht nur mit Schlaglöchern und anderen Hindernissen übersät, sondern auch chronisch verstopft und chaotisch organisiert. Für die Software dürfte es schwierig sein, im Getümmel den Überblick zu behalten. Ganz verschließen will sich allerdings auch die indische Regierung dem Thema selbstfahrende Autos nicht. Ein Gesetzesentwurf namens „Motor Vehicles (Amendment) Bill“ ermöglicht durchaus Testfahrten mit ausgereiften Fahrassistenzsystemen. Die Firma Tata Elxsi hat zudem eine eigene Teststrecke für selbstfahrende Autos errichtet. Es ist aber davon auszugehen, dass zumindest unter der aktuellen Regierung keine Genehmigungen für kommerzielle Fahrten komplett ohne Fahrer erteilt werden.


Via: Hindustan Times

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