Apple Music vs. Spotify: Hat Apple ein Chance auf die Krone im Streaming-Geschäft?

Spotify ist unangefochten die Nummer eins, wenn es um Musikstreaming geht. 20 Millionen Abonnenten vermeldete der Dienst kürzlich. Dazu kommen noch einmal knapp 55 Millionen Menschen, die den kostenlosen Service von Spotify nutzen. Das schwedische Unternehmen ist damit der Konkurrenz überlegen, die zumeist nur auf ein paar Millionen zahlende Nutzer kommt. Nun hat ein weiterer Spieler das Parkett betreten: Mit Apple Music wird Apple bald einen eigenen Dienst für Musik-Streaming auf den Markt bringen. Und auch in Schweden wird man sich nun fragen, ob Apple gefährlich für den Streaming-König Spotify sein kann.

Apple Music auf Android

Ein neuer Spieler ist im Spiel

Apple Music entstand aus der Fusion von iTunes mit Beats Music, dem Streamingdienst von Dr. Dre und Jimmy Iovine. Der neu entstehende Dienst scheint der gefährlichste Konkurrent sein, der Spotify auf dem Streaming-Markt gegenübersteht. Mit einer 24-Stunden Radio-Übertragung, die vom ehemaligen BBC-Moderator Zane Lowe angeführt wird, persönlich erstellte Playlists und Zugriff auf den kompletten iTunes-Musikkatalog steht mit Apple Music auf jeden Fall ein starker Kämpfer im Ring.

Vor dem Start von Apple Music wollen wir bei Trends der Zukunft einen kleinen Blick auf die beiden Konkurrenten werfen, um herauszufinden, wie gefährlich Apple Spotify wirklich werden kann.

Musikbibliothek

Mehr als 30 Millionen Songs bietet Spotify seinen Kunden. Die gesamte Muskbibliothek des Dienstes in einem Rutsch durchzuhören würde etwa zwei Menschenleben lang dauern. 20.000 Lieder kommen täglich hinzu. Diese beeindruckenden Zahlen sind eine der großen Stärken Spotifys. Wenn nicht sogar die größte. Auch wenn die Bibliothek von Spotify Lücken aufweist – Songs von den Toten Hosen oder den Beatles wird man bei dem schwedischen Dienst nicht finden können – ist das Angebot dennoch sehr umfassend und wird zeitnah mit aktuellen Veröffentlichungen aktualisiert.

Aber was den Umfang angeht, muss Apple sich wahrlich nicht verstecken. 37 Millionen Lieder lassen sich bei dem Konkurrenten Spotifys streamen – mehr als bei jedem anderen Streaming-Dienst. Einen weiteren Vorteil bietet die Integration der iTunes-Bibliothek. Jeder Song, den ein User vernünftig kategorisiert und benannt in der iTunes-Bibliothek hat erscheint auch auf seinem Apple Music Account. Der Dienst bietet also die Möglichkeit, von überall auf die eigene iTunes Bibliothek zuzugreifen – oder neue Songs zu entdecken. In der Umsetzung scheint das besser gelöst als die ähnliche Funktion bei Spotify.

Radio

Das Radioangebot von Spotify ist einer der wenigen Bereiche, bei dem der schwedische Dienst nacharbeiten sollte. Services wie Pandora und ähnliche Dienste bieten sehr viel kreativere und bessere Möglichkeiten, eigene Radiostationen zu erstellen. Apple setzt auf eine 24-Stunden Radiostation namens Beats 1, geleitet von Apples All-Star-DJ Zane Lowe, unterstützt von Größen wie Ebro Darden und Julie Adenuga. Damit hat Apple in den USA zumindest ein gutes Verkaufsargument. Außerhalb Nordamerikas dürfte das aber nur wenig ins Gewicht fallen.

Musik entdecken

Eines der stärksten Argumente für Streaming-Dienste ist die Möglichkeit, neue Musik zu entdecken. Spotify löst das weniger über die Radiostationen als über extra erstellte Playlists, die dem Nutzer neue Musik präsentieren sollen. Das funktioniert gut, auch wenn der Nutzer natürlich an die Playlists gebunden ist. Spotifys Playlists sind in 36 Genres unterteilt, und der Streamingdienst bietet zusätzlich die Möglichkeit, eigenen Playlists zu erstellen und zu veröffentlichen. Die soziale Komponente von Spotify ist eine weitere gute Möglichkeit, neue Songs zu entdecken.

Bei Apple Music wird die Radiostation Beats 1 eine große Rolle spielen, wenn es um Musikentdeckung geht. Außerdem hat Apple Siri in die App integriert, sodass die Frage “Was war der Nummer eins Song im Jahr 2001?” ein entsprechendes Ergebnis produziert. Außerdem bietet Apple natürlich auch exklusive Playlists, die anstelle von Algorithmen von Top-DJs erstellt werden.

Grafische Oberfläche – User Interface

Das User Interface von Spotify ist eines der besten auf dem Markt. Sowohl die mobile App als auch das Desktop-Programm bieten einfache Wege, Musik zu entdecken, Playlists zu speichern und zu teilen, Radiostationen aufzurufen und gespeicherte Songs abzuspielen. Ein Highlight des Interfaces ist sicherlich die Suche, die im Stil der Google-Suche bei der Eingabe Ergebnisse vorschlägt.

Die ersten Eindrücke von Apples User Interface für Apple Music steht dem aber in Nichts nach. Was grafische Oberflächen angeht, kann man bei Apple auf langjährige Erfahrungen zurückblicken. Das Ergebnis ist eine intuitive Oberfläche, auf der sich der Nutzer nie verloren vorkommt. Unterm Strich haben beide Dienste ein herausragendes Interface, und letztlich wird die Entscheidung wohl eine Geschmacksfrage sein.

Soziale Features

Spotify-Nutzer können nicht nur Playlists teilen, sondern sehen auch, was für Musik ihre Freunde hören, wem sie folgen und welche Playlists sie empfehlen. Der Spotify-Verlauf kann auf Wunsch bei Facebook veröffentlicht werden. Spotify hat ein solides Set an sozialen Features, die allerdings ausbaufähig sind. Es wäre schön, wenn aus der Spotify-App heraus mehr mit verbundenen Freunden interagiert werden könnte.

Apple hat bisher nur ein soziales Feature von Apple Music vorgestellt: Connect. Das Feature soll Fans und Künstler dichter zusammenbringen. In der Theorie klingt das gut. Künstler können Backstage-Fotos teilen, Informationen online bringen und Fragen beantworten. Das Feature steht und fällt allerdings mit der Adoption durch die Künstler. Apple betritt diesbezüglich auf jeden Fall neue Wege und scheint auf eine “Freunde”-Funktion weitestgehend zu verzichten.

Fazit: Geschmacksfrage

Mit Apple betritt ein Unternehmen die Bühne des Musik-Streaming, dessen Dienst es allemal mit Spotify aufnehmen kann. Letztlich ist es reine Geschmacksfrage, welchem Dienst man den Vorzug geben möchte. Spotify hat allerdings einen entscheidenden Vorteil: Wer ernsthaft an Musikstreaming interessiert ist, der hat bereits einen Account bei Spotify. Natürlich kommen neue Nutzer hinzu, um die gekämpft werden muss, aber Spotify kann auf eine beeindruckende Nutzerbasis zurückblicken. Außerdem hat Spotify in vielen Ländern Kooperationsverträge mit Mobilfunkanbietern. So bieten viele Telekom-Mobilfunkverträge beispielsweise Spotify Premium als integrierte Option, die kostenlos gewählt werden kann. Außerdem zählt durch Spotify verbrauchtes Datenvolumen nicht in die Volumentarife der Telekom.

Ein Wechselargument könnte allerdings Apple Strategie sein, neuen Nutzern drei Gratismonate bei Apple Music zu spendieren. Sind diese drei Monate aufgebraucht, müsste der Wechsel zurück Spotify wieder aktiv vollzogen werden. Da sich die beiden Dienste preislich so gut wie nichts geben, könnte es sein, dass eine gewisse Zahl von Nutzern nach dem Testen von Apple Music einfach dort verbleibt.

Ob Apple Music letztlich eine echte Gefahr für Spotify darstellt, bleibt abzuwarten. Allerdings ist das Potential vorhanden.