Autonomes Hausboot: Wohnen für Selbstversorger in Deutschland

Autarke Lebensmodelle sind vom im Trend. Die Vorstellung, nicht mehr vom Konsumzwang unserer Gesellschaft abhängig zu sein, hat fast schon etwas Romantisches. Es gibt viele Möglichkeiten, den eigenen Haushalt komplett unabhängig von der Außenwelt zu machen. Eine davon ist die Realisierung eines solchen Projekts in Form eines Hausbootes. Eine Aufgabe, der sich zwei Fraunhofer Institute unter Mitthilfe von Mittelständlern, der Industrie und einiger Universitäten im Rahmen des Programms autartec angenommen haben.

Foto: Fraunhofer IVI

Autark wohnen in der Lausitz

Das Lausitzer Seenland ist ein beliebtes Urlaubsziel. Mit über 23 Seen auf mehr als 13.000 Hektar ist das größte künstliche Seengebiet in Europa nicht nur gut zum Urlaub machen, sondern auch ein perfekter Ort, um sich dauerhaft niederzulassen. In diesem Gebiet entsteht momentan das Projekt autartec, ein autarkes Hausboot, das von den beiden Dresdner Fraunhofer-Instituten für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI und Keramische Technologien und Systeme IKTS in Zusammenarbeit mit mehreren regionalen Partnern, darunter auch die TU Dresden sowie die Brandenburgische Technische Universität BTU entwickelt wird. Auf dem Geierswalder See nordwestlich von Hoyerswerda soll bis 2017 ein schwimmendes Haus entstehen, das sich selbst mit Wasser, Strom und Wärme versorgen kann.

Ausgekügeltes Wärme-Kälte-System

Wenn es fertig ist, soll sich das Haus über zwei Ebenen erstrecken und auf einem Stahlponton mit einer Fläche von 13 x 13 Metern stehen. Klein wird das autartec-Haus somit nicht, insgesamt sollen in dem Haus 109 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung stehen, davon 75 Quadratmeter im Erdgeschoss. Ein Highlight des Hauses wird die 15 Quadratmeter große Terrasse sein, die den See überblickt. In dem Haus werden sich moderne Architektur mit moderner Bautechnik und hoch effizienter Anlagen- und Gebäudeausstattung. So wird das autartec-Projekt beispielsweise über Solarzellen in der Gebäudehülle mit Strom versorgt, die gewinne Energie wird mit Hilfe von Lithium-Polymer-Akkumulatoren gesammelt. Das Batteriesystem ist platzsparend in die Textilbetonwände und Treppenelemente eingebaut.

Für Selbstversorger wird das Haus ein Traum sein. Nicht genug, dass sie ihren eigenen Strom produzieren können, die Entwickler sorgen auch für ein effizientes Wärme-Kälte-System. Im Winter heizt ein moderner Salzhydrat-Kamin das Haus auf behagliche Temperaturen. “Brennt das Feuer, werden die Salzhydrate flüssig und nehmen Wärme auf”, erklärt Dr. Burkhard Faßauer vom IKTS den Kamin. Wenn die Hydrate komplett verflüssigt sind, lässt sich die Wärme so nahezu unbegrenzt speichern. Freigesetzt wird die Wärme dann mit einem funkbasierten Kristallisationsauslöser. Ähnlich funktionieren auch Taschenwärmer, bei denen die Kristallisation von einem geknickten Metallblättchen ausgelöst wird.

Als sei das nicht schon raffiniert genug wird der Kamin von einem Zeolithspeicher im Ponton unterstützt. Im Sommer trocknen die Zeolithmineralien und speichern dabei Wärme, im Winter reiche feuchte Luft aus, um die Mineralien dazu zu bringen, ihre Wärme abzugeben.

Im Sommer sorgt eine adiabate Kühlung über die Verdunstungskälte von Wasser und Luft für angenehme Temperaturen. Das gesamte Wärme-Kälte-System ist ausgeklügelt und kommt mit einem Minimum an elektrischer Energie aus.

Sauberes Wasser dank Keramikmembranen

Auch die Wasserversorgung des Bootes ist komplett autark. Dafür sorgen die Wissenschaftler vom IKTS. “Wir entwickeln und erproben zurzeit ein geschlossenes Kreislaufsystem für Trink- und Brauchwasser”, erklärt Faßauer weiter. Eine Kombination aus keramischen Membranen und verschiedenen elektrochemischen und photokatalytischen Prozessen sorgt stets für frisches Wasser. Biologische Prozesse wie bei Wasseraufbereitung an Land sind wegen der Bauart ausgeschlossen, weswegen das System rein physikalisch und chemisch funktioniert.

Einzig im Nahrungsbereich sind die Bewohner des autartec-Hauses auf Hilfe von außen angewiesen. Außer natürlich, sie entwickeln eigene Lösungen.

 

Quelle: Fraunhofer Institut