Forschern ist auf dem Gebiet der Biotechnologie bahnbrechendes gelungen. Schließlich konnten die Wissenschaftler die Grundsubstanz für Opiate aus Hefezellen herstellen. In Zukunft können Opiate und andere Schlafmohnbestandteile industriell von Mikroorganismen aus Zucker gefertigt werden. Experten geben allerdings zu bedenken, dass hiermit auch der illigalen Produktion von Drogen nichts mehr im Wege stünde.


Schlafmohn "Fleur de coquelicot" Foto: Remi Jouan CC BY-SA 3.0
Schlafmohn „Fleur de coquelicot“ Foto: Remi Jouan CC BY-SA 3.0

Opiate aus Zucker gefertigt

Bisher wird Morphin noch aus Schlafmohn gewonnen, das kann sich jedoch bald ändern. US-amerikanische Forscher haben in einer neuen Studie Bierhefe (Saccharomyces cerevisiae) erstmals dazu bringen können aus Glukose die Schlafmohnsubstanz Reticulin zu produzieren. Reticulin gilt als Schlüsselsubstanz vieler Arzneien und auch Opiate. Da prinzipiell jeder der Zugang zu einem Hefestamm hat und über mikrobiologische Grundkenntnisse im Bereich der Fermentierung verfügt, mit der Hilfe eines Heimset zum Bierbrauen in Zukunft Morphin herstellen könnte, warnen Experten vor einem Missbrauch. Es wird daher gefordert, dass die neuen Hefestämme staatlich überwacht und nur lizensierten Forschern zur Verfügung gestellt werden darf. John Dueber von der Universität von Kalifornien in Berkeley ist mit der aktuellen Studie vertraut und schreibt im Fachblatt „Nature Chemical Biology“ unter anderem:“Wenn das Wissen darum, wie man einen opiatproduzierenden Stamm erzeugt, erst einmal da draußen ist, kann das theoretisch jeder mit Grundkenntnissen in Molekularbiologie machen.“

Pamela Peralta-Yahya vom Georgia Institute of Technology in Atlanta bewertet die Studie dennoch im Rahmen eines Kommentars in der Zeitschrift „Nature“ als bahnbrechend: „Diese Arbeit öffnet die Tür dazu, komplexe BIAs direkt aus Glukose herzustellen.“


Im Kern suchten die Wissenschaftler nach einer Lösung Benzylisochinoline (BIAs) von Mikroorganismen herstellen zu lassen. Dabei wurde Hefe mit Enzymen aus der Zuckerrübe (Beta vulgaris) angereichert. In der Folge konnte aus einem Glukose-Abkömmling der Schlafmohnbestandteil Reticulin gewonnen werden. Alles weitere, was beispielsweise die Herstellung von Morphin oder Codein anbelangt ist den Forschern zufolge nur noch reine Formsache.

„Eigentlich will man bei der Fermentation die Hefe mit einer billigen Zuckerquelle füttern und sie alle weiteren chemischen Schritte machen lassen, um die Zielsubstanz zu gewinnen. […]Mit unserer Studie sind nun alle Schritte beschrieben, und es geht nur noch darum, sie zusammenzubringen und die Produktion aufzustocken.“, so der Biotechnologe Dueber.

„Reticulin ist entscheidend, denn von da an sind die molekularen Schritte zur Herstellung von Codein und Morphin durch Hefe schon beschrieben“, ergänzt der Mikrobiologe Vincent Martin von der Concordia-Universität in Montreal.

Gefahr zum Missbrauch ist hoch

Wie sich bereits andeutete dürfte das neuartige Produktionsverfahren keine weiteren Bedenken mehr offen lassen. Allerdings stellt der Durchbruch in der Biotechnologie die Regulierungsbehörden vor eine gigantische Aufgabe. Es gilt vor allem die illegale Produktion von Drogen zu vermeiden. Es besteht die Gefahr, dass durch das neue Verfahren eine Dezentralisierung des Marktes stattfindet. Aktuell konsumieren etwa 16 Millionen Menschen illegal Opiate. Durch einen leichteren Zugang und sinkenden Preisen könnte die Anzahl gravierend steigen.

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