Wenn aus Getreide Mehl wird, bleiben einige Reststoffe zurück. Dazu gehören beispielsweise die Schalen und die Keimlinge. Allgemein bezeichnet man die Rückstände auch als Kleie. Diese wird teilweise zur Tierfütterung genutzt und ist beispielsweise auch in Müslis enthalten. Allerdings ist das Angebot an Kleie deutlich größer als die Nachfrage. So entstehen alleine in Bayern jährlich rund eine halbe Millionen Tonnen an Kleie – wovon ein Großteil einfach verbrannt wird. Forscher der TU München und der Universität Bayreuth arbeiten nun aber an einer sinnvollen Verwendung: Sie wollen aus der Kleie einen Bio-Kunststoff herstellen, der innerhalb weniger Wochen biologisch abbaubar ist und ohne Erdöl auskommt.

Bild: Andreas Battenberg / TUM

Ein Staubsaugerdeckel aus Bio-Kunststoff wird bereits produziert

Ein erstes Produkt hat es auch tatsächlich bereits auf den Markt geschafft. Zunächst gewannen die Forscher dabei Polyhydroxybuttersäure (PHB) und vermischten diese mit Polypropylen-Carbonat. Heraus kam ein Bio-Kunststoff, der dann zu einem Staubsaugerdeckel verarbeitet wurde. Die Forscher gehen aber davon aus, dass sich der Rohstoff auch für viele andere Produkte verwenden lassen würde. In der Natur soll sich der Plastikdeckel innerhalb von zwei bis drei Wochen selbst zersetzen und so gar nicht erst Gefahr laufen im Meer zu landen. Die Herausforderung bei Bio-Kunststoffen besteht darin, Produkte zu erschaffen, die einerseits stabil und langlebig sind, sich andererseits aber auch unkompliziert kompostieren lassen. Die Forscher sind überzeugt davon, dass dies durch die Nutzung von Kleie möglich ist.

Kleie ist ein Reststoff und belegt keine Ackerflächen

Der Rohstoff hat zudem noch einen weiteren Vorteil: Es handelt sich um einen klassischen Reststoff. Für die Produktion von Kleie werden also keine Ackerflächen belegt, die ansonsten für die Produktion von Nahrungsmitteln genutzt werden könnten. Die „Tank-oder-Teller“-Diskussion, die beispielsweise auch bei Biokraftstoffen oftmals geführt wird, spielt bei diesem neuen Bio-Kunststoff aus Kleie keine Rolle. Anders ist dies beispielsweise bei Plastiktüten aus Mais, die etwa in Italien oftmals genutzt werden. Ob Bio-Kunststoffe aus ökologischer Sicht allerdings tatsächlich einen Vorteil mit sich bringen, ist unter Experten umstritten.

Via: TU München

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

1 Kommentar

  1. Christian

    4. April 2017 at 10:25

    Wäre dies nicht perfekt für den vielen Verpackungsmüll, den wir tagtäglich erstellen und einfach wieder wegschmeißen? Wenn das Produkt sowieso weniger als 3 Wochen haltbar ist dann kann sich die Verpackung doch ruhig nach 3 Wochen zersetzen. Jetzt ist nur die Frage, ob der aus Kleie erstellte Bio-Kunststoff a) sauber genug ist, um für Verpackungen genutzt zu werden und b) auch durchsichtig produziert werden kann…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.