Kaffee ist neben Tee wohl eines der am meisten getrunkenen Heißgetränke auf der Welt. Den schwarzen Wachmacher gibt es in unzähligen Variationen. Und nahezu überall bekommt man seinen Kaffee auch “to go” in einem praktischen Plastikbecher. Laut Experten von Coffee Fellows & Co. wandern jedes Jahr gut 23 Milliarden solcher Becher über den Ladentisch. Würde man sie ineinanderschieben, könnte man mit der dadurch entstehenden Kette 57 Mal die Erde umrunden. Aber es entsteht noch mehr Müll: Jeder zubereitete Kaffee hinterlässt in der Maschine einen Kaffeesatz, der zumeist in den Abfalleimer wandert. Nicht jedoch, wenn es nach dem Briten Arthur Klay geht. Dieser verwertet in London alten Kaffeesatz wieder und erzeugt einen Biokraftstoff.


Kaffee Kraftstoff
Foto: dumping into portafilter, David Joyce, Flickr, CC BY-SA 2.0

Kaffee im Tank

Da steckt unglaublich viel Energie drin. Gleichzeitig spart es eine Menge Treibhausgase, erklärt der 23-jährige gegenüber Bloomberg. In London fallen jährlich etwa 200.000 Tonnen Kaffeesatz an. In Energie umgewandelt, ließen sich mit Hilfe dieser Abfälle mehr als 729.000 Tonnen CO2 sparen. Mit der im Londoner Kaffeesatz enthaltenen Energie könnte ein Bus 7.600 Mal um die Erde fahren.

Kay hat deswegen ein Verfahren entwickelt, bei dem das im Kaffeesatz vorhandene Öl von den anderen Bestandteilen getrennt und anschließend in Diesel verwandelt wird. Dabei macht er sich den chemischen Prozess der “Umesterung” zunutze, bei der ein Ester durch die Ersetzung des Alkoholrests in einen anderen Ester überführt wird.


Mit seiner Idee hat Kay inzwischen ein Unternehmen namens Bio-Bean gegründet, mit dem er rund zwei Prozent des in Londoner Cafés anfallenden Kaffeesatzes in Diesel umwandelt. In Zukunft möchte er diesen Wert bis auf 40 Prozent ausbauen. “Die Leute denken immer, wir würden mit unseren Fahrrädern oder kleinen Autos durch die Gegend fahren, um hier und da zehn Kilo Kaffeesatz abzuholen. Dabei haben wir Großes vor”, so Kay.

Expansion geplant

In den nächsten Jahren möchte Kay sein Unternehmen auch in Deutschland, in Brasilien und in den USA tätig werden lassen. Langfristig möchte er sogar weltweit agieren. Der junge Brite verfolgt also ehrgeizige Pläne. Aber er kann es sich erlauben: Im letzten Jahr überzeugte er Investoren, insgesamt 3,25 Millionen Euro in sein Unternehmen zu stecken. Auch Londons Bürgermeister Boris Johnson ist begeistert: „Es ist toll, ein so hohes Maß an grüner Innovation zu sehen. Wir stehen 100 Prozent hinter der Idee.

Auch bei den Betreibern des Londoner Schienennetzes stößt Kay auf positive Resonanz. Sein Unternehmen sammelte in ersten Testläufen Kaffeesatz der Bahnhof-Cafés an den Stationen Waterloo und Victoria. Das Programm soll nun auf vier weitere Stationen erweitert werden. Mit dem dort gesammelten Kaffeeresten allein ließe sich Energie für 1000 Häuser gewinnen. Außerdem sparen auch die Betreiber der Cafés: Anders als in Deutschland landet Kaffeesatz im Vereinigten Königreich nicht im Biomüll, sondern auf der Deponie. Das verursacht Kosten von etwa 200 Euro pro Tonne.

Kaffeesatz aus Cafés reicht nicht aus

Nach Kays Berechnungen erzeugt ein Starbucks-Café etwa 30 kg Kaffeesatz am Tag. Allein von Cafés wird er seinen Bedarf also nicht decken können. Daher ist er auf für die geplanten Expansionen auf Zusammenarbeit mit Großfabriken im Londoner Umland angewiesen. Der gewonnene Diesel soll in Zukunft in Londoner Bussen zum Einsatz kommen. Aber auch Autos, Heizungen und Öfen können mit dem Kaffee-Kraftstoff betrieben werden.

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1 Kommentar

  1. Nerche

    7. August 2015 at 18:11

    Ich finde diesen Ansatz sehr interessant. Allerdings stelle ich mir die Frage wie hoch ist der Energieeinsatz um die Trennung und die Herstellung von Diesel zu realisieren? Die Umesterung wird bereits bei der Herstellung von Biokraftstoffen erfolgreich umgesetzt, ist also nicht mehr neu.

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