Biogasanlagen sind schon lange keine Neuheit mehr. Im Gegenteil, die Gewinnung von Gas aus Tierexkrementen ist schon längst Teil der Realität im Energiesektor. Allerdings haben die Anlagen momentan noch ein Problem: Wenn der Anteil an Exkrementen zu hoch ist, verweigern die Bakterien, die das Gas erzeugen, die Arbeit. Um das zu verhindern, wird das tierische Substrat (zu deutsch: der Mist) mit pflanzlichen Substraten von Energiepflanzen wie Mais oder Gras ergänzt. Oft werden auch nur pflanzliche Substrate eingesetzt. Ein finnisches Unternehmen namens Ductor stellte nun eine Methode vor, mit der große Mengen an Exkrementen in Biogas umgewandelt werden können, ohne dass der Rückgriff auf pflanzliche Substrate nötig ist.


Bild:  Corn, globallives, Flickr, CC BY-SA 2.0
Bild: Corn, globallives, Flickr, CC BY-SA 2.0

Vorgeschaltete Anlage macht Biogasanlagen effizienter

Ductor hat eine Anlage entwickelt, die der Biogasanlage vorgeschaltet wird und die die in der Biomasse gebundenen Stickstoffverbindungen mittels Bakterien herauslöst und in Ammonium umwandelt. “Das ist der gleiche Prozess, der auch in der Biogasanlage stattfindet”, so Joachim Krassowski, Leiter der Arbeitsgruppe Biogas am Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) in Oberhausen. Ein als “Strippen” bezeichneter Prozess entfernt das Ammonium aus der Suspension. Das Ergebnis ist wertvoller Dünger.

Die so behandelte Biomasse wird dann in die Biogasanlage gepumpt. “Unsere Pilotanlage in Finnland wurde problemlos mit reinem Hühnermist betrieben. Allein in Europa könnte die Biogasindustrie mit unserer Technik einen zusätzlichen Gewinn von einer Milliarde Euro pro Jahr erzielen und gleichzeitig den CO2-Ausstoß um 1,5 Milliarden Tonnen senken. Darüber hinaus würden mehr als 800.000 Hektar Nutzfläche, die derzeit für den Anbau von Energiepflanzen verwendet werden, für die Nahrungsmittelproduktion frei”, begeistert sich Ari Ketola, der Geschäftsführer von Ductor, für die Technologie.


Grafik: Ductor
Grafik: Ductor

Verzicht auf Energiepflanzen

In Deutschland sind aktuell zwei Anlagen von Ductor im Bau, eine dritte wurde kürzlich bestellt. Der Hersteller wirbt damit, dass die Anlagen mit vorgeschalteter Technik von Ductor erheblich mehr Biogas produzieren können. Bisher liegen noch keine Daten darüber vor, wie sehr sich der Ertrag tatsächlich verbessert. Dennoch könnte die Anlage langfristig bedeuten, dass sich die Betreiber von Biogasanlagen von der oft kritisierten Verwendung sogenannter Energiepflanzen, die alternativ auch zu Ernährungszwecken verwendet werden können, abwenden können. Dazu müsste sich die Ductor-Anlage jedoch durchsetzen.

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