Weltweit werden jährlich rund eine Millionen Plastiktüten aus Polyethylen produziert. In der Regel werden diese dann nur wenige Minuten genutzt und anschließend entsorgt. Gelangen die Tüten allerdings in die Umwelt, beginnt ein extrem langwieriger Prozess: Der biologische Abbauprozess kann mehrere Jahrhunderte dauern. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass die Tüte irgendwann in ihre Einzelteile zerfällt und diese dann in den Mägen von Vögeln oder Fischen landen. Eine spanische Forscherin hat nun allerdings eine interessante Möglichkeit entdeckt, den biologischen Abbauprozess von Plastik zu beschleunigen: Die Raupe der Großen Wachsmotte frisst sich problemlos durch eine Plastiktüte und sorgt so für deren biologische Zersetzung. Die Tüte stellt dann keine Gefahr mehr für Tiere und Umwelt dar.


Die Raupe hat bereits einige Löcher in das Plastik gefressen. Foto: César Hernández/CSIC

Die Raupen nisten sich gerne in Bienenstöcken ein

Entdeckt wurde diese Fähigkeit allerdings per Zufall. Denn Federica Bertocchini betrieb in ihrer Freizeit einen Bienenstock. Dort hatten sich auch die Larven eingenistet – was für die Imkerin ein großes Ärgernis darstellte. Sie entfernte die Larven also und warf diese in eine kleine Plastiktüte. Als die Forscherin die Tüte dann später wegschmeißen wollte, machte sie die entscheidende Entdeckung: Die Raupen hatten bereits Löcher in das Plastik gefressen und sich so den Weg in die Freiheit gebahnt. Bertochini erkannte sofort das Potential dieser Entdeckung und begann das Verhalten der Raupe im Labor genauer unter die Lupe zu nehmen. Die ersten Ergebnisse sind extrem vielversprechend.

Das entscheidende Enzym oder Molekül soll nun isoliert werden

So konnte nachgewiesen werden, dass einhundert Larven zwölf Stunden benötigen, um 92 Milligramm an Plastik zu fressen. Dies ist deutlich schneller als bei allen anderen bisher entdeckten biologischen Abbauprozessen von Plastik – etwa durch Bakterien. Die beteiligten Forscherinnen und Forscher gehen davon aus, dass ein spezielles Enzym oder Molekül für den schnellen Abbau verantwortlich ist. In einem nächsten Schritt soll dieses nun isoliert werden. Anschließend ist es denkbar, den Katalysator in großen Mengen künstlich herzustellen und gezielt zum Einsatz zu bringen und so den Abbauprozess noch einmal deutlich zu beschleunigen.


Via: Current Biology

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3 Kommentare

  1. Steffen

    25. April 2017 at 10:46

    Das sind doch mal gute Nachrichten.
    Wenn man jetzt das Abbauprodukt Ethylenglykol noch in großen Mengen für etwas sinnvolles verwenden kann, dann sind wir hoffentlich bald unsere plastik-abfall-sorgen los.
    Ich bin gespannt.

  2. Christoph

    25. April 2017 at 14:53

    Ach Quatsch, ich mache Fische, die auch diese Eigenschaft haben. Und die sollen dann den Plastikmüll aus den Meeren herausfressen. Klasse, gibt auch für alles eine kurzfristige Lösung.^^

  3. Steffen

    26. April 2017 at 08:31

    Von den Fischen habe ich noch nie gelesen, gibt es dazu Berichte oder eine Webseite?

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