Biometrie: Neues Fingerimitat führt die meisten Fingerabdrucksensoren hinters Licht

Fingerabdrucksensoren sind schon lange nicht mehr nur der Sicherheitstechnik in Gebäuden vorbehalten. Sie finden sich an Smartphones, Tablets und auch Laptops wieder, um den Nutzern eine Alternative zum Eingeben des Kennworts oder einer PIN zu geben. Aber wirklich sicher sind auch sie nicht zwingend. Einige Modelle lassen sich bereits mit einfachen Imitaten austricksen. Fortschrittlichere Sensoren messen zusätzlich zum Fingerabdruck auch die Leitfähigkeit der Haut. US-Forscher jedoch haben ein Fingerimitat entwickelt, das auch fortschrittliche Sensoren täuschen kann.

Bild: Michigan State University

Silikonfinger täuscht die Scanner

Sicherheitstechnik an mobilen Geräten ist ein recht aktuelles Thema. Neben Fingerabdrucksensoren gibt es Varianten mit Iris-Scanner (wie beispielsweise am Samsung S8) oder Gesichtserkennung. Während sich die Gesichtserkennung häufig mit einem Foto austricksen lässt (Apples FaceID soll dem jedoch einen Riegel vorschieben), reichen bei vielen Fingerabdrucksensoren vergleichsweise simple Imitate, um den Sensor zu überlisten.

Moderne Fingerabdrucksensoren sind deshalb dazu übergegangen, die Leitfähigkeit der Haut als zusätzlichen Wert zu messen. Solche Sensoren können nicht mehr einfach mit Kunststoff-Imitationen des registrierten Fingers überlistet werden. Dass auch diese Sensoren nicht das Ende der Fahnenstange sind, zeigen Anil Jain und Joshua Engelsma von der Michigan State University. Sie haben ein Fingerabdruck-Imitat entwickelt, das nicht nur optisch den Fingerabdruck simuliert, sondern auch die gleiche Leitfähigkeit wie die Haut aufweist. Das Imitat besteht aus einem Spezialsilikon, das in Sachen elektrischer Leitfähigkeit der Haut des Menschen gleicht.

Mit Hilfe einer nach einem echten Fingerabdruck modelierten Form wird der Fake-Finger aus dem Silikon und hautfarbenen Pigmenten gegossen. Heraus kommt eine Art Fingerling mit einem nachgemachten Fingerabdruck, der die meisten Sensoren überlisten kann.

Forscher wollen Sensortechnik verbessern

Die Forscher wollen mit ihrem Fake-Finger dabei helfen, Fingerabdruckscanner sicherer zu gestalten. „Unsere Finger sind hilfreich für die Sicherheitstechnik, denn mit ihnen können Hersteller und Entwickler demonstrieren, dass ihre Technologie akkurat und robust gegenüber Spoofing-Attacken ist“, erklärt Jain.

„Was unser Imitat einzigartig macht ist, dass es die grundlegenden Merkmale der menschlichen Haut nachahmt. Es besitzt die gleichen mechanischen, optischen und elektrischen Eigenschaften wie der menschliche Finger. Im Vergleich zu gängigen Abdruck-Fälschungen, die meist nur maximal zwei Merkmale nachahmen können, ist dieses Imitat daher schwerer zu erkennen“, so der Forscher weiter.

Der nächste Schritt für das Team ist die Entwicklung eines Fingerabdruckscanners, der auch das fortgeschrittene Finger-Imitat also solches erkennt und entlarvt. Im gleichen Schritt wollen die Forscher Algorithmen entwickeln, die Fingerabdruckscanner generell sicherer gestalten sollen.

via Michigan State University