Autismus ist eine hochkomplexe Krankheit, deren genaue Ursache bisher nicht gefunden werden konnte. Die bis in die 1960er Jahre vertretene These, Autismus entstehe durch eine lieblose Behandlung des Kindes durch die Mutter, wurde allerdings inzwischen widerlegt. Ohne aber die genaue Ursache einer Erkrankung zu kennen, ist es schwer eine Therapie zu entwickeln. Momentan gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Ansätzen. Diese weisen im Einzelfall auch Erfolge auf, sind wissenschaftlich aber noch nicht abgesichert. Medikamente zur Behandlung von Autismus gibt es hingegen keine. Dies könnte sich allerdings bald ändern. Eine Studie hat nachgewiesen, dass Sulforaphan, eine chemische Verbindung, die vor allem in Kreuzblütengewächsen vorkommt, zumindest die Autismus-Symptome lindern kann.


Brokkoli
Bild: Brokkoli via Jon Sullivan (http://pdphoto.org)

Die von der “Johns Hopkins University School of Medicine” und dem “Massachusetts General Hospital for Children” gemeinsam durchgeführte Untersuchung, beruhte dabei auf einigen bereits bekannten Beobachtungen. So wurde festgestellt, dass viele Autisten über erhöhte Werte an oxidativem Stress in ihren Zellen verfügen. Vereinfacht gesagt, kommt es in ihren Zellen zu einem Ungleichgewicht von reduzierenden und oxidierenden Stoffen. Eine solche Zellstörung wird mit einer ganzen Reihe von Krankheiten in Verbindung gebracht. Im Falle der Autisten war aber nun auffällig, dass sich bei gut der Hälfte der Erkrankten, die Symptome verringerten, wenn sie unter Fieber litten.

Studie untersuchte 40 männliche Probanden

Dem wollten die Forscher auf den Grund gehen. Sie kamen dabei zu dem Ergebnis, dass nicht das Fieber selbst die Symptome lindert, sondern die Reaktion des Körpers darauf. Um nämlich das Fieber zu bekämpfen, setzt der Körper Sulforaphane ein. Nach Ende des Fiebers, beendet der Körper auch seine Gegenreaktion und die Symptome kehren zurück. Um diesen Effekt genauer zu untersuchen, nahmen 40 männliche Autismus-Patienten an der Studie teil. 26 von ihnen bekamen regelmäßig Sulforaphane verabreicht, 14 dienten als Kontrollgruppe und nahmen Placebos.
Das Ergebnis: Bei immerhin zwölf der behandelten Patienten stellte sich eine deutliche Verbesserung der sozialen Interaktion ein. Teilweise gelang es den Probanden sogar Menschen bewusst in die Augen zu schauen oder Hände zu schütteln. Auch bei zwanghaften Verhaltensweisen und der verbalen Kommunikation stellte sich bei knapp der Hälfte der Teilnehmer eine Verbesserung ein. Schon wenige Wochen nach Ende der Studie allerdings, waren die altbekannten Symptome zurückgekehrt. Es stellte sich also kein nachhaltiger Erfolg ein.


Brokkoli sollte bei jedem auf den Speiseplan

Grundsätzlich war die Studie dennoch ein ziemlicher Erfolg. Es stellen sich allerdings weitere Fragen für die Wissenschaft: Wieso beispielsweise reagieren manche Patienten positiv auf die Gabe von Sulforaphanen, andere wiederum überhaupt nicht. Bisher konnte dabei kein festes Muster beobachtet werden. Zudem verfügt die aktuelle Studie zwar über eine gewisse statistische Signifikanz, muss aber noch einmal mit einer höheren Zahl an Probanden wiederholt werden. Suforaphane allerdings helfen nicht nur Autismus-Patienten, sondern sind auch zur Prävention und Behandlung zahlreicher anderer Krankheiten hilfreich. Ab und zu Brokkoli – oder auch verschiedene Kohlarten – auf den eigenen Speiseplan zu setzen, kann also nicht schaden.

Quelle: iflscience.com

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1 Kommentar

  1. Holger

    7. September 2015 at 19:30

    Zur Aufnahme von Sulforaphan in „wirksamer“ Menge sollte erwähnt werden, dass S. in einer inaktiven Vorstufe vorliegt und erst durch das Enyzm Myrosinase in seine aktive Form umgewandelt wird. Dieses Myrosinase ist wiederum sehr hitze-empfindlich, es wird beim Kochen weitestgehend zerstört. Deswegen sollte man das Gemüse eher dünsten in wenig Wasser, oder man greift gleich auf Brokkoli-Sprossen zurück.
    (Quelle: http://www.sulforaphan.org/sulforaphan-vorkommen/ )

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