Bundesregierung beschließt 4.000 Euro Kaufprämie für Elektroautos

Die Problematik ist allen Beteiligten seit längerem bewusst: Deutschland hinkt bei der Nutzung von Elektroautos im internationalen Vergleich weit hinterher. Das Ziel, bis zum Jahr 2020 eine Millionen Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bekommen, liegt in beinahe unerreichbarer Ferne. Über eine Lösung für das Problem wurde allerdings bis zuletzt gestritten. Auf einem Autogipfel der Bundesregierung gestern Abend wurde nun allerdings ein Maßnahmenpaket beschlossen: Demnach erhalten die Käufer eines Elektroautos einen Zuschuss von 4.000 Euro. Wer sich für ein Plug-in-Hybridfahrzeug mit Verbrennungsmotor entscheidet, erhält immerhin noch 3.000 Euro. Dies berichtet der Deutschlandfunk. Beginnen soll die Förderung dabei bereits innerhalb der nächsten Wochen – vermutlich in der zweiten Maihälfte.

Elektroautos Smart und Mitsubishi (Wiki Commons)

Luxusautos für mehr als 60.000 Euro werden nicht gefördert

Die Kosten für diese Maßnahme werden auf rund 1,2 Milliarden Euro geschätzt, hängen aber letztlich natürlich davon ab, wie viele Elektroautos tatsächlich verkauft werden. Die Hälfte der Summe wird dabei aus dem Bundeshaushalt zur Verfügung gestellt, das restliche Geld soll die Autoindustrie aufbringen. Grundsätzlich ist es dabei egal, bei welchem Hersteller das Auto gekauft wird – es muss sich also keineswegs um ein deutsches Modell handeln. Eine wichtige Einschränkung gibt es allerdings: Die Prämie wird nur bis zu einem Verkaufspreis von 60.000 Euro gezahlt. Auf dieser Forderung hatte die SPD bestanden, um nicht den Kauf von Luxusfahrzeugen mit Steuergeldern zu subventionieren.

Update:

Nach heftiger Kritik, werden nun auch Elektroautos mit höheren Anschaffungskosten von der Prämie mit berücksichtigt.

Auch Ministerien und Behörden sollen vermehrt Elektrofahrzeuge anschaffen

Konkret bedeutet dies: Der Kauf eines Tesla Model S würde aktuell nicht mit einer Prämie belohnt. Anders ist dies beim kürzlichen vorgestellten Tesla Model 3. Dieses ist für die Mittelklasse konzipiert und liegt daher vom Verkaufspreis her deutlich unter der Grenze von 60.000 Euro. Über die weiteren Details der Kaufprämie wollen die drei beteiligten Bundesminister ab 11 Uhr auf einer Pressekonferenz berichten. Die Bundes- und Landesregierungen wollen jedenfalls mit gutem Beispiel vorangehen: Auch die Fuhrparks der Ministerien und Behörden sollen zukünftig verstärkt aus Elektroautos bestehen. Die Hoffnung ist, dass auf diese Weise auch ein Gebrauchtwagenmarkt etabliert werden kann. Zusätzlich sollen auch 300 Millionen Euro in den Ausbau der Elektrotankstellen investiert werden.

So machen es GB, Frankreich, Norwegen, Italien

Großbritannien belohnt die Käufer eines Elektroautos seit 2011 bereits mit einem Zuschuss von bis zu 6.618 Euro (5.000 Pfund). Um noch mehr Elektroautos auf die Straßen zu bekommen, sollen bis 2020 fast eine Milliarde Pfund Fördergelder bereit gestellt werden. Zuletzt sind Elektroautos in Großbritannien auch noch steuerfrei.

In Frankreich geht man einen anderen Weg. So erhalten Käufer eines E-Autos einen Bonus in Höhe von 10.000 Euro, wenn diese das alte, mehr als zehn Jahre auf der Uhr habende, Dieselfahrzeug eintauschen.

In Italien klappt das mit den Subventionen irgendwie nicht so richtig. Die Zuschüsse lassen die potentiellen Elektroauto-Käufer eher kalt. Vielmehr wird nach einem Ausbau der Ladestationen gerufen. Nur 400 E-Tankstellen sind einfach zu wenig. Auf 1,5 Millionen Neuzulassungen in 2015 kommen gerade einmal 1125 Elektroautos.

Norwegen gilt als Vorreiterland der Elektromobilität. Insgesamt macht Norwegen bezüglich erneuerbarer Energien eine gute Figur. Im letzten Jahr waren 17 Prozent der Neuzulassungen Elektrofahrzeuge und 60 Prozent der Neuwagen werden elektrisch angetrieben. In Norwegen bezahlt man bei der Anschaffung eines E-Flitzers keine Mehrwertsteuer. Auch die Kosten für Kfz-Steuer und Abgasabgaben entfallen. Zudem darf man als stolzer E-Auto-Besitzer Busspuren nutzen und kostenlos auf öffentlichen Parkplätzen parken. Auch das Aufladen der Autos ist kostenlos.

Warum die erfolgreiche Norwegen-Strategie nicht in Deutschland funktionieren wird

Immer wieder fragt man sich hierzulande, warum das Norwegen-Vorbild nicht einfach kopiert werden könne? Das liegt zum einen an der Größe. Norwegen ist verhältnismäßig klein und dafür recht reich. Die steuerlichen Einbußen beim Kauf eines Elektroautos kann die Regierung recht gut verkraften. Ein solches System würde in Deutschland jedoch Milliarden verschlingen. Fraglich ist auch, ob denn die steuerlichen Einsparungen dringend notwendig sind um die Elektromobilität auch hierzulande voranzutreiben? Vor allem der sich unter Umständen einstellende Gewöhnungseffekt bei den Kunden und auch Herstellern, der durch staatliche Subventionen beim Autokauf entsteht, sei nicht zu unterschätzen. Dieser kann schließlich dazu führen, dass die Industrie notwendige Innovationen kümftig aufschiebt.

Die Nachfrage nach Elektroautos ist in Deutschland nicht so sehr das Problem. Eher mangelt es noch an der Infrastruktur von Ladestationen. Auch der Entwicklungsstand der Akkutechnologie müsste noch eine Schippe zulegen. Der Ausbau der Schnelladestationen sowie die Steigerung der Batterieleistung wäre ein wichtiger Hebel. Das hat die Regierung zumindest teilweise auch schon erkannt.