Dass Tunnelbau nicht immer einfach ist, bewies die Deutsche Bahn dieses Jahr in der Nähe von Rastatt in Baden-Württemberg. Dort sackte Ende August während einer Tunnelbohrung Erde ab und es entstand eine Bodensenke, wobei auch eine Bahntrasse beschädigt wurde. Leider handelte es sich bei der beschädigten Strecke um die wichtigste Nord-Süd-Verbindung in Deutschland, die nun noch bis zum 02. Oktober gesperrt ist. Die Folge waren verärgerte Passagiere und ein Millionenschaden im Güterverkehr. Die Schweiz möchte nun zeigen, wie man Tunnel baut: Bis 2045 soll sich unter der Schweiz ein 450 Kilometer langes Tunnelsystem für den Güterverkehr erstrecken.


Bild: Cargo Sous Terrain

450 Kilometer langes Tunnelsystem unter der Schweiz

Das Projekt wurde auf den Namen Cargo Sous Terrain getauft und ist mehr als ambitioniert. Für den Projektleiter Peter Sutterlüti ist das kein Grund zur Bescheidenheit: „Wir wollen der Welt zeigen, wie man die Logistik der Zukunft macht“, so der Schweizer. Ab dem Jahr 2045 sollen Millionen Tonnen Güter unterirdisch durch die Schweiz transportiert werden. Das Tunnelsystem soll alle wichtigen Städte des Landes verbinden. Die Vision der Projektträger ist, dass so 40 Prozent des Güterverkehrs in der Schweiz von der Straße unter die Erde verlegt werden können. In den Tunneln in 50 Metern Tiefe sollen elektrisch angetriebene Fahrzeuge auf Induktionsschienen laufen.

Das Projekt soll den Güterverkehr unter die Erde bringen

Auch die Schweizer Regierung unterstützt das Projekt. Sie hat ein Gesetz zugesichert, mit dem das Projekt ein grünes Licht erhalten würde, sobald die Finanzierung der Planung des ersten Teilstücks gesichert ist. Finanziert werden soll das Projekt von privaten Investoren – unter anderem stellt die Schweizer Post sowie die Einzehlandelsketten Migros und Coop Geld bereit.


Bild: Cargo Sous Terrain

Das erste Teilstück soll von der Hauptstadt Zürich bis hin zu der sogenannten „Lagerhalle der Nation“ führen, dem Mittelland zwischen den Alpen und dem Jura-Gebirge. Dabei handelt es sich um einen Knotenpunkt für die Güterverteilung in der Schweiz, der unter anderem das größte Paketzentrum der Post beherbergt. Außerdem steht dort das größte Logistikzentrum der Supermarkt-Kette Migros.

Mit dem Cargo Sous Terrain wird das feste Lager, wie wir es kennen, überflüssig, da das ganze System wie ein Lager in Bewegung ist – 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Und niemand bekommt etwas davon mit, weil es unterirdisch verläuft“, so Sutterlüti.

Cargo Sous Terrain verursacht hohe Kosten

Der Güterverkehr in der Schweiz nahm zwischen 2000 und 2015 um 19 Prozent zu. Zu den Gründen zählt der Onlinehandel, der allein im vergangenen Jahr ein Wachstum von 8 Prozent verzeichnen konnte. Allein der Versandhändler Zalando, der seit 2011 auf den Schweizer Markt drängt, versendete 2016 12 Millionen Pakete in der Schweiz. Das Cargo Sous Terrain Projekt soll einen Teil dieses Paketaufkommens unter die Erde bewegen.

Günstig wird die Sache nicht. Für das erste, 70 km lange Teilstück, wurden Kosten von drei Milliarden Franken veranschlagt. Fertiggestellt werden soll es bis 2030. Grünes Licht von der Regierung bekommt das Projekt, sobald 100 Millionen Franken davon für die Planung gesichert sind. Der Kostenfaktor ist das größte Gegenargument, das Kritiker gegen das Tunnelsystem vorbringen. Ob die Finanzierung des ambitionierten Projekts gesichert werden kann, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

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