Österreich ist nicht unbedingt das erste Land, an das man im Bereich Innovation im Energiesektor denkt. Dieses Mal aber sorgt das Land für eine echte Weltpremiere: Ab 2016 fließt im österreichischen Stromnetz Strom, der völlig emissionsfrei aus Erdöl gewonnen wurde.


Foto: TAL-Oil
Foto: TAL-Oil

Turbine mit “Ölantrieb”

Der Strom wird dank einer geografischen Besonderheit sowie einer wirtschaftlichen Notwendigkeit erzeugt. Die “geografische Besonderheit”, von der hier die Rede ist, ist weltweit bekannt. Millionen Menschen reisen jedes Jahr in die Schweiz, nach Österreich, Deutschland, Frankreich oder Italien, um sie zu besuchen. Die Rede ist von den Alpen. Bei der wirtschaftlichen Notwendigkeit handelt es sich um die Tatsache, dass auch in Österreich Erdöl benötigt wird. Dafür verbindet eine Pipeline den Hafen von Trieste mit insgesamt acht Raffinerien in Deutschland, Österreich und Tschechien. An der Stelle, an der die Leitung den Alpenhauptkamm überquert, erreicht sie eine Höhe von 1572 Metern über dem Meeresspiegel. Nach dem Durchfluss durch den Scheitelpunkt stürzt das Öl durch die Schwerkraft getrieben wieder talwärts. Die dabei frei werdende Energie soll künftig zur Stromerzeugung genutzt werden.

Der Betreiber der Pipeline, die italienisch-österreichisch-deutsche TAL-Gruppe, errichtet in Österreich auf der Taimeralm ein Kraftwerk, das nach dem Vorbild einer Wasserturbine arbeitet. Nur dass die Flüssigkeit, die die Turbine antreibt, das in der Pipeline fließende Öl ist. So sollen jährlich 10 bis 11,5 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden.


Der erzeugte Strom wird für die Pipeline genutzt

In erster Linie wird der so gewonnene Strom genutzt, um die Pipeline zu betreiben. Er deckt etwa 12 Prozent der Energie, die benötigt wird, um das Öl die Alpen hinauf zu pumpen. 2014 transportierte die Leitung etwa 40 Millionen Tonnen Öl produziert. Nach Angaben von Ulrike Andres, Geschäftsführerin der TAL-Gruppe, soll dieser Wert über die nächsten Jahre konstant bleiben. Es sollte also möglich sein, eine konstante Menge Strom zu erzeugen.

Die Pipeline wurde in den 60er Jahren gebaut. Damals war der Strom extrem niedrig. Der Gedanke, die Energie des fließenden Öls zu nutzen, kam deshalb niemandem. Bei den heutigen Strompreisen sollte sich die Investition von etwa 10 Millionen Euro aber zeitnah wieder amortisieren. Die Pipeline verbraucht im Normalbetrieb 80.000 Kilowattstunden pro Jahr. Das entspricht in etwa 20.000 Vier-Personen-Haushalten.

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