Crowdfunding
Foto: Bizking2u CC BY-SA 4.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)



Die Erforschung neuer Medikamente und Therapien ist ein mühsames Geschäft. Die Entwicklung dauert zumeist mehrere Jahre und kostet eine Menge Geld. Eine Erfolgsgarantie gibt es aber nicht. Viele Forschungsansätze erweisen sich im Endeffekt als nicht umsetzbar. Die Finanzierung der Forschungs- und Entwicklungsarbeit lohnt sich für viele Pharmafirmen daher nur, wenn es um Medikamente für weitverbreitete Krankheiten geht. Bei Projekten für unbekanntere und seltenere Krankheiten, erweist sich nun ein neues Finanzierungsmodell als erfolgsversprechend: Crowdfunding.

Crowdfunding eröffnet auch kleineren Pharmafirmen neue Möglichkeiten

Wie das Journal The Lancet berichtet, nimmt die Zahl der, online auf einer Crowdfunding-Plattform finanzierten, Forschungs- und Versuchsreihen im Pharmabereich stetig zu. Die private Finanzierung von Pharmaforschung ist grundsätzlich kein neues Modell: So unterstützt die Stiftung des Microsoft-Gründers Bill Gates, regelmäßig die Erforschung von Tropenkrankheiten. Auch der deutsche Milliardär Dietmar Hopp finanziert mit seinem Vermögen nicht nur die TSG Hoffenheim, sondern hat auch in zahlreiche Biotech-Firmen investiert. Neu ist, dass du beim Crowdfunding nun nicht mehr Milliardär sein musst, um konkrete Projekte unterstützen zu können. So könnte eine Lücke geschlossen werden, die entstanden ist, weil viele Regierungen – im Zuge der Finanzkrise – die Ausgaben für Forschung zurückgefahren haben.


Allerdings stellen sich bei dieser neuartigen Finanzierung auch einige grundsätzliche Fragen. Wer beispielsweise kontrolliert die Verwendung des Geldes? Bei einem klassischen Crowdfunding-Projekt ist die Nutzung des Geldes in der Regel am Ende für jeden sichtbar. Weil beispielsweise ein Buch publiziert oder ein Computerspiel veröffentlicht wird. In der Pharmaforschung kann allerdings eine Versuchsreihe auch mal in der Sackgasse enden. Das ist dann für die Forscher zwar dennoch eine wichtige Erkenntnis, für die Masse allerdings könnte dies auf Dauer ein eher unbefriedigendes Ergebnis sein. Hinzu kommt die Gefahr, dass im Vorfeld übertriebene Erwartungen geweckt werden oder nur besonders präsentable Forschung finanziert wird.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr gut fünf Milliarden Dollar über Crowdfunding-Projekte eingesammelt. Zwar floss nur ein geringer Teil dieser Summe in die Pharmaforschung, aber die Tendenz ist steigend. Zumal auch der Crowdfunding-Markt an sich noch weiter wachsen dürfte. Was denkt ihr? Kann dies auf Dauer ein sinnvolles Modell zur Forschungsfinanzierung sein? Oder sollte diese Aufgabe lieber den Pharmaunternehmen und dem Staat überlassen sein?

Quelle: Digitaljournal

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1 Kommentar

  1. Andreas

    21. September 2014 at 15:17

    Crowdfunding eignet sich gut, um Startups oder Kunstprojekte zu unterstützen. Forschungsprojekte werden hier höchstwahrscheinlich auf die oben beschriebenen Probleme stoßen, denn Startups starten ihre Kampagnen meist mit einem Prototypen (und auch Künstler haben hier ein konkretes Projekt vor Augen).
    Diese Sachen kann man auch schön visualisieren, man hat also sowas wie ein Produkt, noch bevor man das Geld einsammelt. In der Forschung ist es jedoch so, dass in erster Linie Tests und Versuchsreihen durchgeführt werden, bevor es ein konkretes Produkt gibt. Und genau hier muss was getan werden, man müsste die Sachen zugänglicher und konkreter machen, um es mittels Crowdfunding zu finanzieren.
    P.S. Vielleicht wären Crowdfunding-Festivals für solche Projekte besser geeignet? Wie hier:

    http://green.wiwo.de/crowdfunding-festival-in-berlin-das-waren-die-drei-spannendsten-gruenen-startups/

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