Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Deswegen können Wein-Sommeliers auch immer nur eine Empfehlung aussprechen.  Ob der Wein dem Gast dann tatsächlich schmeckt, ist eine andere Frage. Nun hat sich die Wissenschaft des Problems angenommen: Die Universität Aarhus hat einen Nanosensor entwickelt, der bereits im Vorfeld Auskunft über die Geschmacksentwicklung im Mund geben soll. Theoretisch hätte ein solcher Roboter einige Vorteile: Anders als Sommeliers aus Fleisch und Blut besitzt er keine persönlichen Vorlieben und Vorurteile. Sein Urteil ist also objektiv und nachvollziehbar.


Wie aber schafft es der Roboter die zahlreichen Merkmale eines guten Weins zu prüfen und zu einer Bewertung zusammenzufügen? Durch gnadenlose Vereinfachung. Die künstliche Zunge konzentriert sich ausschließlich auf die Adstringenz eines Weines. Darunter versteht man das leicht pelzige, raue Mundgefühl, das beim Trinken von Rotwein entsteht. Dies geschieht, weil die Gerbstoffe des Weines im Mund mit den dort vorhandenen Eiweißmolekülen reagieren. Je nach Rebsorte und Produktionsart verfügen Weine über eine unterschiedlich hohe Adstringenz. Der Nanosensor funktioniert nun wie eine künstliche Zunge: Er bildet die Reaktion zwischen Gerbstoffen und Eiweißmolekülen nach und kommt so zu einer Bewertung der Adstringenz des Weins.

Von der Adstringenz zum Geschmack

Mit Hilfe dieses Werts hoffen die Forscher eine objektive Aussage über den tatsächlichen Geschmack des Weins treffen zu können. Sprich: Weine mit einem bestimmten Adstringenz-Wert schmecken den Wein-Liebhabern immer gleich gut – oder schlecht. Bisher ist diese Objektivität nicht gegeben, weil der Geschmack von Wein auch immer von den äußeren Umständen der Produktion abhängt. So mundet Wein anders, je nachdem ob die Reben auf dem Weinberg viel oder wenig Sonnenstunden abbekommen haben. Deswegen schmecken unterschiedliche Jahrgänge eines Weins auch immer unterschiedlich – obwohl sich die Herstellungsweise und die Rebsorte nicht ändern.


Weinroboter
Bild: Weinroboter via http://scitech.au.dk

Wein-Sommeliers soll es auch weiterhin geben

Tatsächlich wollen die Forscher auch gar keinen Angriff auf die Berufssparte des Wein-Sommeliers unternehmen. Es ist nicht anzunehmen, dass die Gäste in teuren Restaurants zukünftig auf die persönliche Empfehlung eines Spezialisten verzichten wollen. Für die Weinproduzenten allerdings könnte sich die künstliche Zunge als wichtiges Hilfsmittel erweisen. Mit Hilfe des Nanosensors kann nämlich die Adstringenz des Weins auch während der Herstellung regelmäßig geprüft werden. Durch rechtzeitig eingeleitete Maßnahmen kann dann die Adstringenz des Endprodukts je nach Wunsch gesenkt oder erhöht werden. Dies käme auch den Sommeliers zu Gute: Sie hätten eine noch größere Zahl an wohlschmeckenden Weinen zur Auswahl.

Quellen: TechChrunch;scitech.au.dk

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