In einem Interview äußerte sich Arno Deister als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie über die engen Zusammenhänge von Körper und Seele. Auf dem Weltkongress der Psychiatrie soll genau dieses Wechselspiel im Fokus des Interesses stehen, auch Erkrankte und Angehörige kommen zu Wort.


Depression und Herzerkrankungen stehen im engen Zusammenhang

Getrennte Behandlung von Körper und Seele auf absteigendem Ast

Im Grunde weiß es jeder normal denkende Mensch, doch in die moderne Schulmedizin sickerte der Gedanke bislang nur ganz langsam ein: Der Körper beeinflusst die Seele und die Seele den Körper. Jetzt scheint aber endlich ein Dammbruch stattzufinden, den Arno Deister im Gespräch mit Deutschlandfunk-Moderatorin Katrin Heise beschreibt. Die getrennte Behandlung körperlicher und seelischer Symptome befindet sich tatsächlich auf dem absteigenden Ast, denn der Schulmedizin liegen inzwischen erdrückend viele Beweise aus einschlägigen Studien vor, die keine Ausweichmöglichkeit mehr offenlassen.

Es geht vor allem um das wichtige Thema Prävention

Depressionen und Herzprobleme treten beispielsweise gehäuft zusammen auf, dabei kann die seelische Erkrankung zu den körperlichen Symptomen führen, aber auch andersherum. Die erste Variante: Die Despression »drückt« die Körperfunktionen, was sich auf die Hormonproduktion und die Botenstoffe im Gehirn auswirkt. Hierdurch entsteht Dauerstress, die Blutgefäße werden überlastet und verändern sich, eine Herzerkrankung droht. Oder die zweite Variante: Die chronische körperliche Erkrankung verschlechtert die Stimmung, aus Traurigkeit und Betroffenheit entwickelt sich eine Depression. Darum sollte ein Hausarzt einen Herzkranken immer auch nach seiner Stimmung fragen – und der Psychiater seinen depressiven Patienten nach Symptomen für Herzprobleme. Hierbei geht es vor allem um das wichtige Thema Prävention, denn je eher eine Folgeerkrankung erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln.


Weiteres Beispiel: Depressionen können auch Diabetes auslösen

Auch Diabetes kann in Zusammenhang mit Depressionen stehen. Der menschliche Körper nutzt einen erhöhten Blutzuckerspiegel, um eine höhere körperliche Leistungsstufe zu erreichen: In früheren Zeiten musste der Stoffwechsel beispielsweise zügig hochgefahren werden, um erfolgreich vor Gefahren flüchten zu können. Und da Depression, wie bereits gesagt, Dauerstress bedeutet, lassen sich die Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel an dieser Stelle ganz einfach herbeileiten.

Arno Deister führt außerdem an, dass seelische Erkrankungen schwerer erkennbar sind und oft nicht ernst genug genommen werden – obwohl es sich inzwischen um gefährliche Volkskrankheiten handelt. Aus seiner Sicht wird es Zeit, dass möglichst viele Menschen freiwillig erlernen, wie sie mit depressiven Personen umgehen, statt erkrankte Freunde und Bekannte ängstlich zu meiden. Denn nicht nur die Medizin besitzt im besten Fall heilsame Wirkung, sondern auch Menschen, die in der Not zu einem stehen. Dann droht das Herz erst gar nicht, zu brechen.

Quelle: deutschlandfunkkultur.de

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