Bereits 2012 hat Deutschland an 15 Tagen negative Strompreise an der europäischen Strombörse Epex Spot registriert. Damals „kostete“ eine Megawattstunde Strom – 56,87 Euro. Die Weihnachtsfeiertage und allgemein auch arbeitsfreie Tage begünstigen die Schnittstelle zwischen dem Energieverbrauch und der Produktion durch erneuerbare Energien. Und so kommt es dazu, dass auch über die aktuellen Feiertage mehr Strom zur Verfügung steht, als benötigt wird. In diesem Moment kostet eine Megawatt Stunde Strom -10,95 Euro.


Windenergie Windräder
Foto Håkan Dahlström, Flickr, CC BY-SA 2.0

Windstrom auf Rekordniveau

Deutschland macht sich in diesem Jahr erneut ein nettes Energiegeschenk. Die günstige Weihnachtszeit und der damit einhergehende Stillstand in den großen Industrien -plus die bisher recht milden Wintertage- sorgen für eine positive Energiebilanz. Einem aktuellen Bloomberg Analyse-Bericht zufolge werden heute am 25.12.2016 in Deutschland stolze 31.3 Gigawatt Strom allein durch die Kraft des Windes generiert. Bis zum 27. Dezember sollen sogar 33,7 Gigawatt erreicht werden. Der Rekord liegt bislang bei 33,8 Gigawatt. Ein Gigawatt Strom kann im Übrigen zwei Millionen Haushalte versorgen.

Strommengen in den Größen, die aktuell produziert werden, müssen allerdings auch sinnvoll gemanagt werden. Das stellt die Betreiber allerdings vor neue Herausforderungen. Zum einen kann ein gewisser Anteil vom Überschuss in Powerstationen zwischengespeichert werden. Zum anderen könnten in Zukunft auch vermehrt Abnehmer dafür „bezahlt“ werden Strom zu gewissen Zeiten abzunehmen. Die Nachrichten über negative Strompreise sind erfreulich, auch wenn wir als „Kleine“ Verbraucher das kaum bei der Monatsabrechnung merken. So sind es gute Indikatoren dafür, dass wir mit der Produktion grünen Stroms auf einem guten Weg sind und vermehrt sauberen Strom produzieren und auch nutzen können. Hieraus können sich dann auch Modelle durchsetzen, die in Leipzig beispielsweise schon im Kleinen erprobt werden. Dank eines intelligenten Grid-Systems und smarter Sensortechnologie, kann Strom teilweise verschenkt werden, ohne das Unternehmen dabei nicht mehr wirtschaften können. Und dann können auch wir davon profitieren.


Hochflexible Gaskraftwerke sind gefragt

Um Schwankungen im Stromnetz durch Überschossstrom kompensieren zu können, werden hochflexible Gaskraftwerke benötigt. Im Gegensatz zu den Kohle- und Atomkraftwerken, können diese recht schnell herauf- und heruntergefahren werden. Allerdings lohnen sich die Gaskraftwerke nach wie vor noch zu wenig. Hier gilt es ein Umdenken bezüglich des Verfalls der CO2-Verschmutzungsrechte in Erwägung zu ziehen.

Warum merken die Verbraucher kaum was vom billigen Strom?

Die Strompreise und die damit einhergehende Zusammensetzung unter der Berücksichtigung des Stromhandels an der Energie-Börse, machen die ganze Geschichte ziemlich komplex. So sind auch Regulierungen von Nöten gewesen, die beispielsweise einen extremen Abfall des Strompreises kompensieren sollen. Zudem sorgt die recht pfeffrige Ökostromzulage dafür, dass wir als Verbraucher nicht viel von dem teilweise sehr günstig gehandelten Strom bemerken. Die sinkenden Einkaufspreise kommen kaum bis zum Ende an. Das liegt unter anderem daran, da sich die auf den Strompreis aufgeschlagene Abgabe aus der Differenz zwischen dem erzielten Marktpreis und der festen Einspeisevergütung ergibt. So kommt es dann auch dazu, dass die Umlage durch die Negativpreise zu einer Mehrbelastung für den Verbraucher sorgen. Sowas verrücktes!

Am Beispiel von 2013 sieht man sehr gut was da läuft. Trotz Negativpreise, kam es zu Weihnachten 2013 zu einer Mehrbelastung der Umlage in Höhe von 28 Millionen Euro. Großverbraucher werden im Gegensatz zum kleinen Privatabnehmer teilweise von der Umlage auf den Tarif für die Förderung befreit und profitieren somit auch direkt von den günstigen Börsenkonditionen. Zuletzt sind die Geschenke zu Weihnachten aber auch für die deutsche Kraftwerkwirtschaft nicht wirklich ein Segen. Diese verbrennt ebenfalls eine Menge Geld über die Feiertage. Bisher profitiert also nur die Umwelt von den positiven Stromentwicklungen und einige große Unternehmen. Der Umweltaspekt ist wichtig und begrüßenswert. Bei den Einsparungen sollte jedoch auch der Privatabnehmer ab und an in den Genuß der positiven Entwicklung kommen. Hier besteht Nachholebedarf!

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