Nachdem im Jahr 1957 in der DDR mit der Produktion des Trabant begonnen wurde, starteten ein Jahr später die Arbeiten an einem neuen Motorroller. Dieser wurde von Simson im thüringischen Suhl entwickelt und gebaut und bekam bald den liebevollen Spitznamen „Schwalbe“. Bis zur deutschen Wiedervereinigung wurden insgesamt 1.058.300 Fahrzeuge produziert. Wie beliebt die Schwalbe bis heute ist, zeigt die Tatsache, dass noch immer rund 150.000 der DDR-Roller für den Straßenverkehr in Deutschland zugelassen sind. Die Fahrer nehmen dafür sogar einen großen Nachteil in Kauf: Sie müssen sich ihren Kraftstoff selber zusammenmischen. Denn die Schwalbe fährt mit Zweitakt-Kraftstoff – der aber an den meisten Tankstellen nicht verfügbar ist.


Auch auf der neuen Elektro-Schwalbe finden zwei Personen Platz. Foto: Emmy

Die neue Schwalbe darf lediglich mit 45 Stundenkilometern gefahren werden

Bereits im Frühjahr hat das Münchener Unternehmen Govecs allerdings eine Schwalbe mit Elektromotor auf den Markt gebracht. Diese sieht den Originalen aus der DDR ziemlich ähnlich, ist aber natürlich auf dem heutigen Stand der Technik. Damit gilt allerdings auch die berühmte Ausnahmegenehmigung nicht: Original-Schwalben aus der DDR dürfen bis heute in Deutschland mit einem Rollerführerschein gefahren werden, obwohl sie Geschwindigkeiten von bis zu 60 Stundenkilometern erreichen. Diese Ausnahmeregelung aus dem deutschen Einigungsvertrag gilt allerdings nur für Fahrzeuge, die vor dem 28. Februar 1992 zugelassen wurden. Das Berliner Startup Emmy ist dennoch vom Potential der Elektro-Schwalbe überzeugt und hat daher 450 der emissionsfreien Motorroller bestellt.

Emmy vermietet die Elektro-Schwalbe zukünftig in Berlin

Profitieren können davon vor allem Menschen in Berlin. Denn bei Emmy handelt es sich um einen Anbieter, der Fahrten mit dem Elektroroller per App vermittelt. Ähnlich wie beim Carsharing können die Fahrzeuge bei Bedarf schnell angemietet und am Zielort einfach abgestellt werden. Bisher hat Emmy für dieses Angebot in Berlin rund 20.000 registrierte Kunden. Ausgeliefert werden sollen die ersten Elektro-Schwalben im Juli. Emmy ist damit aktuell der mit Abstand größte Abnehmer der Neuauflage des DDR-Kultrollers. Insgesamt wurden bisher 600 neue Schwalben bestellt. Dies liegt auch daran, dass der Kauf für Privatpersonen nicht wirklich günstig ist: Die Basisversion kostet 5.400 Euro. Durch die Kooperation mit Emmy sollen sich potentielle Käufer in Berlin selbst von den Vorzügen der Elektro-Schwalbe überzeugen können.


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