Rund 1,5 Millionen Menschen sind in Deutschland von Alzheimer betroffen. Viele haben Angst an der häufigsten Form von Demenz zu erkranken. Das liegt daran, weil es bisher keine Medikamente gibt, die Alzheimer stoppen können. Sollte die Forschung keine bahnbrechenden Medikamente entwickeln, soll sich die Zahl der Alzheimer-Patienten bis 2030 sogar verdoppeln. Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung ist Berechnungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zufolge nicht gering, denn schon jetzt trifft es jeden Dritten in Deutschland. Demenzforscher von der Universität Leipzig haben jedoch jüngst herausgefunden, dass sich knapp 30 Prozent der Alzheimerfälle vermeiden lassen, sofern eine Hand voll Punkte beachtet werden.


Erinnerung an alte Zeiten

Alzheimer-Medikament in der Pipeline

Dem aktuellen Stand der Forschung zufolge, kann Alzheimer nur bedingt mit Medikamenten behandelt werden. So lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung um ein bis anderthalb Jahre verlangsamen. Wissenschaftler um Matthew Kennedy von den Merck Research Laboratories in Kenilworth haben ein neues Präparat entwickelt, welches sich als effektives Mittel zur Alzheimer-Therapie eignen soll. Im Rahmen einer klinischen Studie reduzierte der neue Stoff die Produktion der bekannten Proteine, die bei Alzheimer-Patienten für die Bildung des schädlichen Plaques in den Gehirnzellen verantwortlich sind. Zur großen Überraschung der Forscher zeigte das Medikament auch keine schweren Nebenwirkungen, wie etwa bei herkömmlichen Präparaten. In Folgestudien soll nun untersucht werden, ob das Mittel tatsächlich den geistigen Abbau bremsen kann. Sollten die Forscher also an einem Medikament zur Heilung von Alzheimer dran sein, dürfte das einen Durchbruch bedeuten. Bis dahin könnten jedoch noch Jahre vergehen. Jahre in denen allerdings parallel schon frühzeitig Vorkehrungen im Rahmen von Präventionsmaßnahmen getroffen werden können. Und genau hier setzt der folgende Fünf-Punkte-Plan der Forscher aus Leipzig an.


5-Punkte-Plan zur Alzheimerprävention

1. Geistige Fitness

Das menschliche Gehirn ist noch bis in das hohe Alter lernfähig. Die Annahme, dass man im Alter ohnehin geistig abbaue ist ein Trugschluss. In der Medizin ist daher auch die Rede von einem plastischen Gehirn, das stets neue Synapsen bilden kann. Je mehr das Gehirn gefordert wird, desto mehr Synapsen bilden sich auch neu. Wichtig ist dabei allerdings die aktive Beschäftigung. Passives „sich vom TV berieseln lassen“ zählt nicht darunter. Erhöhter TV-Konsum kann sich im Alter sogar schädlich auf die Gedächtnisleistung auswirken und die Wahrscheinlichkeit von Störungen erhöhen. Für den Hirnsport kann unter anderem aktives Gedächtnistraining betrieben werden. Hierzu gibt es diverse Angebote in „Rätsel-Heften“ aber auch in Form von Spielen. Anregungen liefern auch kostenlose Ratgeber, die als PDF aus dem Internet bezogen werden können. Natürlich hält auch klassisches Lesen das Gehirn fit. Kreuzworträtsel, Canasta, Schach oder Backgammon als auch das Lernen oder Sprechen einer Fremdsprache schließen sich an. Wer voller Kreativität steckt, der sollte diese weiter leben und musizieren, malen, stricken und gestalten was das zeug hält. Dass Alzheimer in einem bestimmten Stadium durchaus ohne Pillen und mit menschengerechter Lebensweise behandelt werden kann, haben jüngst auch Freiburger Ärzte bewiesen.

2. Körperliche Fitness und die Natur

In Kombination mit der geistigen Fitness hat auch die Bewegung einen großen Einfluss auf das Alzheimerrisiko. Aktive Menschen kurbeln ihren Blutfluss an und versorgen die Zellen mit wichtigen Nährstoffen. Das stärkt wiederum das Immunsystem und auch sämtliche Organe des Körpers, einschließlich des Gehirns. Forscher empfehlen daher sich mindestens 20 Minuten am Tag aktiv zu bewegen. Insgesamt sollten 2,5 Stunden Bewegung die Woche unterm Strich rauskommen. Die Bewegung kann sich in Spaziergängen aber auch in Gartenarbeit niederschlagen. Die Wahrnehmung von Hobbys, die etwas Bewegung erfordern, zählt ebenfalls mit rein. Die Anstrengungen beim Radfahren oder auch Treppensteigen sollten jedoch dem Alter gemäß moderat ausfallen. Generell schützt mehr Fitness auch im voranschreitedem Alter vor Kreislauferkrankungen, Übergewicht und letztlich auch Diabetes. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft beziffert die weniger geistige Leistungseinschränkung, die durch regelmäßige Fitnesseinheiten erwirkt werden kann, auf bis zu 50 Prozent. Auch Naturspaziergänge wirken wie Balsam für das Gehirn. Die frische Luft und die Entschleunigung führen zu einer erstaunlichen Verbesserung der Hirnfunktionen.

3.  Soziale Kontakte

Die Deutung von Tonfall, Mimik und Gestik hält unser Hirn ebenfalls in Bewegung. Als perfektes Training eignet sich dabei die Pflege sozialer Kontakte. Das verhindert nicht nur Einsamkeit, sondern fordert auch das Gehirn. Auch das sich Einstellen auf Stimmungen anderer Menschen, wirkt sich nachgewiesen positiv auf die Leistungen des Kurz- und auch Langzeitgedächtnisses aus.

4. Gesunde Ernährung

Und natürlich spielt eine ausgewogene, gesunde Ernährung ebenfalls keine untergeordnete Rolle. Auch bei der Alzheimer-Prävention lautet das Motto: „Du bist, was du isst“.  Ernährungswissenschaftler sind nach wie vor davon überzeugt, dass Menschen, die sich bewusst ernähren, seltener an Alzheimer erkranken. Die Experten empfehlen sich mediterran zu ernähren. Dazu zählt die Aufnahme von Obst, Gemüse, Olivenöl und Nüssen. Der Verzehr von rotem Fleisch sollte recht eingeschränkt stattfinden, dafür wird aber viel Fisch empfohlen. Neuste epidemiologische Studien zeigen, dass vor allem ungesättigte Omega-3-Fettsäuren und Polyphenole, wie diese in Gemüse und Obst vorkommen, zur Vorbeugung von Alzheimer bestens geeignet sind. Auch Koffein trage neusten Erkenntnissen zufolge zur Verringerung des Alzheimer-Risikos bei.

5. Risikoerkrankungen mit berücksichtigen

Zu guter Letzt müssen auch Risikofaktoren, wie Übergewicht, Depressionen und  Diabetes stets bei der Alzheimer-Prävention beachtet und umgehend behandelt werden. Diese Erkrankungen stehen durchaus im engen Zusammenhang mit späteren Demenzerkrankungen. Auch der regelmäßige Check-up der Blutdruck- und  Cholesterinwerte gehört zu den Vorsorgemaßnahmen.

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