Diagnose von Mittelohrentzündungen: Neues Infrarot-Gerät lässt Ärzte in das Ohr schauen

Mittelohrentzündungen sind für Kinder extrem unangenehm. Aber auch für Ärzte bringt die Erkrankung einige Probleme mit sich. Denn bisher nutzen sie zur Diagnose ein sogenanntes Otoskop. Damit leuchten sie in das Ohr hinein und versuchen so, den Verdacht auf eine Mittelohrentzündung zu verifizieren. Allerdings können sie auch mit dem Otoskop nicht besonders weit in das menschliche Ohr hereinschauen. Die für eine Entzündung typischen Flüssigkeitseinlagerungen können so nicht immer eindeutig erkannt werden. Dies soll sich mit Hilfe von kurzwelligem Infrarotlicht nun ändern: Insbesondere unerfahrene Ärzte sollen damit ein detailliertes Bild erhalten und so zu einer korrekten Diagnose kommen.

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Falsche Diagnosen führen zu dauerhaften Schäden oder unnötigem Antibiotikaeinsatz

Bisher ist die Fehlerquote bei der Bestimmung einer Mittelohrentzündung erstaunlich hoch: Allgemeinmediziner liegen in 46 Prozent der Fälle richtig, Kinderärzte kommen auf einen Wert von 51 Prozent und spezialisierte Hals-Nasen-Ohren-Ärzte erreichen auch nur 76 Prozent, so eine Studie. Fehldiagnosen können dabei zwei Probleme mit sich bringen: Zum einen wird so oftmals unnötigerweise Antibiotika verordnet – obwohl grundsätzlich versucht wird den Antibiotikaverbrauch zu senken. Zum anderen bleiben aber möglicherweise ernstere Erkrankungen so auch unentdeckt, was zu langfristigen Schädigungen des Ohrs führen kann. Besonders bei kleinen Kindern problematisch: Probleme mit dem Gehör stehen oft auch im Zusammenhang mit einer mangelnden Sprachentwicklung.

Auch eine Otosklerose und ein Perlgeschwulst lassen sich erkennen

Das nun vorgestellte Infrarot-Gerät arbeitet mit einer Wellenlänge von 1000 bis 2000 Nanometern und bietet ein Sichtfeld mit einem Durchmesser von rund einem Zentimeter. Es ähnelt zudem dem klassischen Otoskop, so dass Ärzte die Bedienung der Neuentwicklung nicht erst erlernen müssen. Während mit dem Otoskop allerdings in der Regel nur der Hammer zu sehen ist, wird durch den Einsatz der Infrarotstrahlung die gesamte Gehörknöchelchenkette sichtbar – und teilweise sogar einzelne Nerven und Sehnen. Neben einer Mittelohrentzündung können auf diese Weise beispielsweise auch eine Otosklerose oder ein Perlgeschwulst diagnostiziert werden. Entwickelt wurde das Infrarot-Gerät von einem Team um Moungi Bawendi am „Massachusetts Institute of Technology“. Ein Patentantrag wurde bereits gestellt.

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