Der chinesische Hersteller Ehang ist hierzulande noch nicht so sehr bekannt. Spätestens mit der Taxi-Drohne Ehang 184 haben einige Leser schon einmal was von dem Unternehmen gehört. Ehang hat mit der Ghostdrone auch eine Consumer-Drohne auf dem Markt lanciert und nun steht der Marktstart der zweiten Version vor der Tür. Wir konnten das Spitzenmodell, die Ghostdrone 2.0 VR, bereits ausführlich testen und wollen euch nun unsere Erfahrungen schildern.


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Design, Material und Akku

Die Ehang Ghostdrone 2.0 VR wird in einem ansprechenden Karton geliefert, der bereits erste Eindrücke vermittelt und auch die VR-Brille in Szene setzt. Der VR-Zusatz bedeutet in diesem Fall, dass die Drohnenbilder auf die beigefügte Brille, die wiederum mit zwei Antennen bestückt ist, übertragen werden. Der Nutzer bekommt damit den Eindruck, als würde dieser selbst fliegen und schaut direkt herab. Die Brille ist auch mit Beschleunigungssensoren ausgestattet, sodass man per Kopfbewegung mit der Kamera an Bord der Drohne interagieren kann. Integriert ist eine abnehmbare 4K Kamera samt Gimbal-System. Das Kamera-Sichtfeld beträgt 93°. Nach dem Unboxing offenbaren sich zunächst die Drohne, sowie Akku als auch die einzelnen Propeller. Es folgt ein recht einfacher Zusammenbau. Der Akku wird eingesteckt und die Propeller in die jeweils dafür vorgesehenen Slots integriert. Geliefert werden vier blaue und vier weiße Propeller (Ersatzpropeller). Die einzelnen Propeller sind entweder mit schwarzem oder mit silbernem Steckende versehen. Dazu passend sind auch die Steck-Slots farblich abgeglichen, sodass ein Fehlstecken von vornherein ausgeschlossen ist. Ein Propeller mit schwarzem Verbindungsstück passt beispielswiese auch nicht in einen silbernen Slot.


Ehang Ghostdrone 2.0 Unboxing, Einzelteile und Zubehör (Bild: Sven Heidorn)
Ehang Ghostdrone 2.0 Unboxing, Einzelteile und Zubehör (Bild: Sven Heidorn)

Von der Verarbeitung her macht die Ghostdrone 2.0 VR einen recht guten Eindruck, das Design ist stimmig und erinnert ein wenig an die DJI-Erzeugnisse. Die Propeller und Motoren sind jeweils unterhalb der Drohne befestigt. Das soll laut Ehang zur Verbesserung der Flugstabilität beitragen und stellt ein Alleinstellungsmerkmal dar. Zusammen mit der Kamera, dem Gimbal und dem Akku wiegt die Drohne insgesamt 1.150 Gramm. Der integrierte LiPo-Akku, der auch nachbestellt werden kann, verfügt über eine Kapazität von 4.500 mAh. Gehörig Power, die der Quadrocopter allerdings auch benötigt. Mittels eines kleinen LCD-Displays, das direkt im Akku integriert ist, kann der aktuelle Ladestand abgerufen werden. Zudem setzt auch Ehang auf einen komfortablen Schnellwechsel-Slot, so dass der Akkuaustausch ohne Komplikationen vollzogen werden kann. Insgesamt wird die neue Ghostdrone 2.0 von Ehang in vier Varianten verkauft. Diese unterscheiden sich farblich und auch im Preis. Gestartet wird mit der Ghostdrone 2.0 ohne Kamera und Gimbal bei 599 US-Dollar. Die Aerial-Version verfügt dann über das Gimbal und kann mit einer eigenen Kamera (bspw. GoPro) ausgestattet werden. Der Preis liegt bei 719 Euro. Es folgt die Aerial+ mit Kamera und Gimbal (999,00 Euro bei Amazon) und letztlich das Spitzenmodell mit VR-Brille, das hierzulande mit 1269 Euro (1199,00 Euro bei Amazon) ausgeschrieben ist.

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Die Verarbeitung der VR-Brille ist ebenfalls solide. Diese wird einfach per Gummiband um den Kopf gestülpt und sitzt dann auch recht fest. Zu Beginn ist es echt unterhaltsam, wenn man den Piloten, samt Brille, während des Flugs beobachtet. Das hat ganz klar etwas vom klassischen VR-Brillen-Nutzer, der teilweise nicht nachvollziehbar in die Leere blickt. Zusätzlich zur Brillen-Steuerung, kann auch das Smartphone als Fernbedienung verwendet werden. Auch hier sind die Modi, dank App-Support, ziemlich einfach. So dass auch Laien direkt erfolgreich starten können, ohne Abstürze befürchten zu müssen. Zum Flugverhalten, der Steuerung und den verschiedenen Modi später noch mehr.

Video

Unboxing und Aufbau in Bild

Datenblatt/ Herstellerangaben

  • Gewicht: 1150 g
  • Maximale Geschwindigkeit: 30 km/h (GPS Modus)/ 40 km/h (Manueller Modus)
  • Maximale Flugzeit: 25 Minuten
  • Frequenzbereich: 5.726 GHz – 5.850 GHz
  • Maximale Flugweite: 1000 Meter (Abweichungen beim Test)
  • Sichere Flugweite: 500 Meter (Abweichungen beim Test)
  • Gute Übertragung des Kamerabildes bei bestem Wetter: Ungefähr bis 350 Meter
  • Kompatibilität: Bluetooth (Android) + Wi-Fi (iOS) + 2.4 GHz Data Transmission
  • Akku: 1500 mAh, Typ LiPo 4S (400 Gramm)
  • Akkuladezeit: 60 min – 70 min
  • Kamera: 4K Kamera mit 14 Megapixeln Auflösung
  • Sichtfeld: 93° für weitestgehend verzerrungsfreie Bilder und mit natürlicher Horizont Darstellung
  • Bilder und Videoübertragung im 5.8-GHz-Funknetz
  • VR-Brille „Goggle“ bereits im Bundle enthalten
  • Gratis Ehang-Play-App mit aktuellem Bugfix-Update: AppStore / Google Playstore

Die Ghostdrone 2.0 VR von Ehang im Test

Einrichtung, Flugmodi und Steuerung

Und nun zum interessantesten Teil. Wir haben die Ghostdrone 2.0 VR ausführlich und über mehrere Wochen getestet. Im Rahmen der Testrunde konnten auch einige Fehler ausfindig und mit dem Hersteller zusammen ausgemerzt werden. Der Support ist, trotz China-Sitz, sehr unkompliziert und schnell gewesen. Vor dem ersten Flug haben wir unser iPhone startklar gemacht, die neuste iOS-Version geupdated, Ehangs Play App installiert und dann die Drohne angeschalten und in Position gebracht. Wird die Steuerung per VR-Brille im sogenannten Avatar-Modus angestrebt, wird zuvor per Sprachausgabe in die Materie eingeführt. Informiert wird über die richtige Kalibrierung auf dem Boden, sowie über die einzelnen Modi und die Flugeigenschaften. Für Einsteiger ist das alles ziemlich gut gemacht, man kann einfach nichts verkehrt machen. Dank entsprechender Auto-Modi („take of Schalter“ und Slider betätigen), startet die Drohne von allein, hält eine entsprechende Anfangshöhe und erwartet von da an die entsprechenden Befehle. Per App kann auf dem Smartphone die Google-Karte aufgerufen werden. Mittels Tipp auf einen Punkt auf der Karte, wird dieser eingeloggt und die Ghostdrone 2.0 VR steuert diesen Punkt dann an (touch to go Modus). Per Smartphone-Display kann dann die Höhe und Fluggeschwindigkeit eingestellt werden. Ebenso besteht hier auch die Möglichkeit per Smartphone zu steuern und den automatischen Modus zu verlassen. Gesteuert wird per Kipp-Bewegung des Smartphones. In diesem Modus fliegt die Drohne dann auch bis zu 40 km/h schnell. Der GPS-Auto-Modus ist aus Sicherheitsgründen auf maximal 30 km/h beschränkt. Im Gegensatz zu den Premium-Drohnen der DJI-Konkurrenz, kann die Ghostdrone 2.0 VR noch nicht Hindernissen automatisch ausweichen. Ebenfalls vorhanden ist aber ein „follow me“-Modus, sodass die Drohne einem folgt, beispielsweise beim Biken oder Skaten. Das funktioniert auch ziemlich gut, man sollte dann allerdings auch stets den Akku-Stand im Auge behalten. Ziemlich gelungen ist die Steuerung der Kamera per Head-Tracking.

Bilder von der App und Steuerung

Bild- und Videoqualität und VR-Brille

Hat man die Brille auf und neigt den Kopf nach oben oder unten, geht die Kamera mit und das Bild verändert sich. Die Live-Bild-Übertragung reicht je nach Entfernung von ziemlich scharf bis hin zu kriselndem Bilderrauschen. Insgesamt ist die Qualität der Bild- und Videoübertragung schon ziemlich abhängig vom Wetter und weiteren Störfaktoren, wie etwa Hochspannungsleitungen und Co. Bei Entfernungen von bis zu 350 Meter ist das Bild aber eigentlich durchweg gut, sollte es zum Rauschen kommen, kann auch noch ein Kanalwechsel Abhilfe schaffen.

 

Unabhängig von der Bild-Übertragung auf die Brille oder das Smartphone, knippst die Onboard-Kamera wirklich gute Bilder in einer hohen Auflösung. Unsere Test-Bilder können sich durchaus sehen lassen und das auch bei mäßigem Wetter. Das Anfertigen der Bilder erfolgt recht einfach, durch die Betätigung der Lauter-Taste beim iPhone. Videos werden mit der Leiser-Taste aufgenommen. Zusätzlich besteht aber auch die Möglichkeit sämtliche Einstellungen per App oder direkt an der VR-Brille vornehmen zu können.

Flugvideo

(Aus technischen Gründen kann das Video nicht in vollen 4K wiedergegeben werden)

Reelle Flugzeit, Akku und kleinere Fehler

Im weiteren Verlauf des Tests haben wir den Propellerschutz übrigens entfernt. Mit etwas Umsichtigkeit kann auf diesen auch verzichtet werden. Der Schutz lässt sich einfach per Torx-Schrauben entfernen. Die Akkuhaltbarkeit ist gefühlt weniger, als die Drohne tatsächlich fliegt und der Hersteller auch angibt. Das ist zu Beginn einfach auch ein wenig der subjektiven Einschätzung geschuldet. Das Fliegen bereitet Spaß und da sind auch knapp 20 Minuten ziemlich wenig. Wir haben die Testdrohne mit zwei Akkus ausgeliefert bekommen, so dass die Flugzeit schon einmal verdoppelt werden kann. Zum Akkutausch muss die Drohne aber dennoch erstmal wieder zurückkehren. Mit neuem Akku kann dann die andere Richtung beispielsweise angeflogen werden. Im „touch to go“- Modus sind wir 12 Minuten geflogen, danach zeigte der Akku bereits 30 Prozent an und die Drohne begann den automatisch initiierten Rückflug. Zur Sicherheit wird dieser immer recht zeitnah eingeleitet, um auch wieder problemlos bis zurück zu kommen und auf dem richtigen Grundstück landen zu können. Im Avatarmodus zeigte der Akku nach 5 Minuten Flugzeit noch 73 Prozent an. Die Steuerung in diesem Modus ist recht simpel. Per Brille gibt es das Livebild auf die Augen und mittels Smartphone wird gesteuert.

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Avatarmodus

So fliegt die Drohne nach vorn, wenn das Smartphone nach vorn gekippt wird und umgekehrt. Das funktioniert ziemlich gut und auch nicht hektisch. Ein Nachteil dabei ist allerdings, dass man die Drohne nicht direkt im Sichtfeld hat. Im Avatar-Modus gibt es auch eine safe hover Funktion. Wird diese aktiviert, schwebt die Drohne allein in der Luft und kehrt zu dem Punkt zurück, der zuvor per GPS festgelegt wurde. In diesem Modus kann man selbst nicht mehr die Steuerung übernehmen, das ist erst dann wieder möglich, wenn der Modus deaktiviert wurde. Der Avatar-Modus ist auch mit einer zusätzlichen Einweisung verknüpft. Hier wird man Schritt für Schritt herangeführt. Auch ist ein Ausbalancieren in alle Richtungen vor dem Start von Nöten. Das wird allerdings alles erklärt, bisher lediglich in Englisch. Was uns hier noch aufgefallen ist, dass das iPhone in diesem Modus schon ziemlich warm und entsprechend ordentlich Leistung abgerufen wird. Ein Nachteil bei der Benutzung der VR-Brille ist noch, dass die Drohne selbst nur noch recht schwierig gesteuert werden kann. Bestens geeignet ist die Brille allerdings im follow me Modus oder wenn per tap 2 fly zuvor eine feste Route eingegeben wurde.  Entspannt ist auch der Landevorgang, den die Drohne ebenfalls automatisch übernimmt.

Reichweite und Bildübertragung

Bei den angegebenen Werten bezüglich der Reichweite müssen wir in unserem Test etwas zurück rudern. Nach mehreren Flügen zu verschiedensten Witterungen und auch bei bestem Wetter begann das Livebild bei 350 Metern an zu Rauschen. Nach knapp 550 Meter sah man durch die Brille nichts mehr. Und wenige Meter später setzte dann auch schon der Return-Modus ein. In diesem Modus fliegt die Ghostdrone 2.0 VR dann wieder zum Ausgangspunkt zurück und schwebt einige Meter über dem Startpunkt. Von dort aus kann dann, je nach Akku noch weitergeflogen oder auch gelandet werden. In beiden Modi erhält man stets eine gute Übersicht über die Flughöhe und die Distanz zur Drohne. Das ist durchaus praktisch, da ab einer gewissen Entfernung nicht mehr sicher erkannt werden kann, in welche Richtung geflogen wird, zumindest wenn man ohne Brille fliegt. Bei weitaus günstigeren Drohnen, kann das sogar zu Abstürzen und Verlusten führen. Was das anbelangt, ist die Ehang-Drohne auch einigermaßen sicher, da diese über das GPS Signal geortet und wiedergefunden werden kann.

Kleine Fehler

Im Rahmen der Testphase konnten wir Ungereimtheiten bei der App feststellen, die allerdings mit einem zeitnahen Update behoben werden konnten. Zwischenzeitlich ließen sich auf einmal keine Bilder und Videos mehr aufnehmen. Wir nahmen zunächst an, dass es vielleicht mit dem Lautlosschalter des iPhones zusammenhängen könnte. Mal funktionierte alles wieder reibungslos und Mal gab es Probleme. Hier bestand dringender Verbesserungsbedarf. Schließlich handelt es sich bei der Bild- und Videofunktion ja mit um eine der Hauptfunktionen überhaupt. Was das Abspeichern des Materials auf der integrierten SD-Karte anbelangt, verlief alles reibungslos. Auch die Übertragung der Bilder und Videos erfolgte mühelos und schnell.

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Ehang Ghostdrone 2. VR vs DJI Phantom 4

Fazit

Ehang hat gezeigt, dass auch die Chinesen im Premium-Drohnen-Segment mitschwimmen und gute Qualität abliefern können. Zu Beginn waren wir echt angetan von der Ghrostdrone 2.0 VR. Als sich die ersten Fehler einschlichen, war die Stimmung ein wenig gedrückt. Umso entspannter war es aber dann wiederum, als der technische Support recht fix reagierte und die Fehler behob. Da macht das Testen und aktiv verbessern auch doppelt so viel Spaß. Die Geschichte mit der VR-Brille ist echt Mal was Anderes und hat seinen eigenen Reiz. Mit dem Smartphone gelingt die Steuerung jedoch auch recht gut und intuitiv. Die Qualität der gelieferten Bilder ist super, genauso wie die der Videos. Auch die Steuerung ist recht einfach und Laien-sicher. Bei Bedarf wird jeder Schritt noch einmal erklärt und auch Probleme oder Warnungen vor nur noch wenig Akku funktionieren wunderbar. Im unmittelbaren Vergleich mit der DJI Phantom 4 müssen dann allerdings noch ein paar kleinere Qualitätsabstriche gemacht werden. DJI ist echt schon spitzenmäßig aufgestellt, was die Verarbeitung, Qualität aber auch Software anbelangt. Zwischen den jeweiligen Topmodellen der Drohnenhersteller liegen je nach Angebot, Gutscheinen und Preisvergleich 100 bis 200 Euro Differenz.

Alles in allem macht die Ghostdrone von Ehang jedoch viel Spaß und erfüllt einen guten Job. Natürlich könnte, wie bei der Phantom 4 aber auch, der Akku noch ein wenig länger halten. Die Zeit ist echt immer so schnell vorbei. Das Gerät ist für Einsteiger, aber auch erfahrene Drohnen-Piloten empfehlenswert, genauso wie ein zweiter Akku, der bei Ehang angefordert werden kann.

Preis und Verfügbarkeit

Die Ghostdrone 2.0 VR kann noch nicht direkt auf der Herstellerwebsite erworben werden. Dort ist das VR-Bundle zwar schon für 1.269 Euro gelistet, allerdings wird darauf verwiesen, dass der Online-Verkauf nach Europa noch nicht möglich ist. Die Ghostdrone 2.0 Aearial ist mit 719 Euro gelistet. Fündig wird man allerdings schon bei Amazon und das ab 999 Euro. Offiziell ist die Ehang Ghostdrone 2.0 VR jedenfalls noch nicht in Deutschland erhältlich. Der Marktstart soll hierzulande Mitte Juli erfolgen.

Wie immer stehen wir euch für Fragen zu der Drohne Rede und Antwort. Zudem stehen wir in Verbindung mit dem Hersteller und können auch Kritiken, Verbesserungsvorschläge und ähnliches weiterleiten. Wir hoffen, dass euch der Test gefallen hat.

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