Plastikmüll ist ein Problem. Er landet tonnenweise auf Müllkippen, wo er nicht wirklich verrottet, und – schlimmer noch – schwimmt ebenso tonnenweise im Meer. Um dies zu verhindern, ist mehr nötig als Projekte, bei denen es darum geht, das Plastik wieder aus dem Wasser zu entfernen. Vielmehr muss das Problem bei der Wurzel gepackt werden. Mit anderen Worten: Der entstehende Plastikmüll muss verringert werden. Die EU-Komission hat nun eine Strategie vorgestellt, die genau das bezwecken will.


Bild: Caroline Power

Problemfall Plastik

„Wir müssen verhindern, dass Plastik in unser Wasser, unser Essen und sogar unsere Körper kommt“, Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans anlässlich der Vorstellung der Strategie in Straßburg. Ziel der EU ist es, Plastikabfälle zu verringern, Recycling zu fördern und die Umwelt besser zu schützen. Nach Angaben der EU-Kommission entstehen allein in den EU-Ländern jährlich etwa 26 Millionen Tonnen Plastikmüll, wovon lediglich etwa 30 Prozent recycelt werden. 70 Prozent werden in Müllkippen oder Verbrennungsanlagen entsorgt – oder, was am schlimmsten ist, landen in der Umwelt, vor allem im Meer. „24 Stunden am Tag enden in jeder Sekunde rund 700 Kilogramm Plastik in der Meeresumwelt. Es dauert fünf Sekunden, das zu produzieren, fünf Minuten, es zu nutzen und etwa 500 Jahre, es wieder abzubauen“, so Timmermans weiter. Bis zu 124 Millionen Tonnen Plastik sollen es bereits in die Meere geschafft haben. Besonders problematisch sind dabei kleine Plastikpartikel. Sie stellen sowohl für die Meeresbewohner als auch fpr Menschen ein Problem da.

Was will die EU-Kommission tun?

Teil der Strategie der EU-Kommission ist es, sämtliche Plastikverpackungen in Europa bis 2030 komplett recycelbar zu machen. Entsprechende Forschung wurde von der Kommission bereits mit 250 Millionen Euro unterstützt. Bis 2020 sollen weitere 100 Millionen hinzukommen. Außerdem sollen Abfallannahmestellen an Häfen eingerichtet werden, an denen Schiffe kostenfrei ihren Plastikmüll abladen können. Des Weiteren möchte die EU sortenreinere Sammlung von Kunststoffen forcieren. Schätzungsweise ließen sich durch diese Maßnahme etwa 100 Euro Recyclingkosten pro Tonne Plastikmüll sparen.


Eine weitere wichtige Maßnahme wird es sein, die Verwendung von Mikroplastik-Partikeln in Kosmetika und Waschmitteln zu verbieten.

Wie hoch sind die Erfolgsaussichten der neuen Strategie?

Für Patrick Hasenkamp vom Verband Kommunaler Unternehmen ist die Sache klar: „Es muss funktionieren. Die Kunststoffmengen sind einfach viel zu groß, als dass wir das tatenlos weiterlaufen lassen könnten.“ Bisher geschah europaweit zu wenig, um die Menge an Plastikmüll zu reduzieren. Die Mitgliedsstaaten einigten sich zwar auf eine neue Abfallrichtlinie, deren Ziel es ist, die Recyclingraten für Verpackungen bis 2025 auf 65 und bis 2030 auf 70 Prozent zu erhöhen. Die neue Plastikstrategie ist aber nicht nur umfassender, sondern verfolgt auch einen breiteren Ansatz. Vor allem die Verbindlichkeiten für die Industrie sind zu loben. Ob die Maßnahmen Erfolg haben werden, wird sich aber erst mit der Zeit herausstellen.

Was bedeutet das für die Verbraucher?

Für uns Verbraucher werden die Müllentsorgungskosten wahrscheinlich steigen. Wie sehr, ist aber noch nicht abzusehen. Für das komplette Recycling der heute verwendeten Plastikmengen müssten neue Recyclinganlagen gebaut werden – was Geld kostet. Die EU spekuliert aber darauf, dass die Verbraucher bezüglich der Entsorgung und des Gebrauchs von Plastik umdenken werden.

Wird es eine Plastiksteuer geben?

EU-Haushaltskommissar zieht die Erhebung einer Plastiksteuer durchaus in Erwägung und möchte dies prüfen lassen. Dadurch soll sowohl die Menge an Müll zurückgehen als auch der EU-Haushalt aufgestockt werden. Timmermans verglich dies jedoch mit der Abgabe für Plastiktüten. Deren Ziel sei es ebenfalls, die Verwendung von Kunststoffen zu senken. Wenn die Steuer also arbeiten würde wie geplant, würden auch die Einnahmen schnell sinken. Die Tatsache, dass Plastiktüten nicht mehr kostenlos abgegeben werden, haben den Verbrauch der Tüten in Deutschland drastisch gesenkt.

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