Auf den ersten Blick scheint es eine Herkulesaufgabe zu sein: Sämtliche Prognosen gehen davon aus, dass die Weltbevölkerung zukünftig weiter zunehmen wird. Zahlen von neun bis zehn Milliarden Menschen im Jahr 2050 gelten als realistisch. Auf der anderen Seite ist die Fläche für den Ackerbau allerdings begrenzt – auf rund 1,4 Milliarden Hektar. Neue landwirtschaftlich nutzbare Gebiete zu schaffen, ist nur schwer möglich. Denn Regenwälder abzuholzen ist natürlich auch keine sinnvolle Lösung. Faktisch muss daher zukünftig der Ertrag pro Hektar weiter erhöht werden. Zu Beginn der industriellen Revolution gelang dies schon einmal durch den Einsatz von Dünger. Nun könnte die digitale Revolution für einen ähnlichen Effekt sorgen.


Foto: Sleepy Claus, Flickr, CC BY-SA 2.0

Der ganze Lebenszyklus der Pflanzen kann optimiert werden

Zusammenfassen lässt sich der Ansatz unter dem Schlagwort „Big Data“. Denn spezialisierte Konzerne sammeln eine Vielzahl an Daten und kombinieren und analysieren diese. So kommen auf den Äckern Sensoren zum Einsatz, die Traktoren werden ebenfalls damit ausgestattet, Drohnen und Satelliten steuern weitere Daten bei und all dies lässt sich dann beispielsweise mit der Wettervorhersage verbinden, um letztlich den idealen Zeitpunkt für die Ernte zu berechnen. Der grundsätzliche Ansatz lässt sich aber quasi auf die komplette Bandbreite des Ackerbaus übertragen. So geben digitalisierte Bodenkarten Aufschluss darüber, an welcher Stelle wie viel Saatgut verwendet werden muss, um den gewünschten Ertrag zu erzielen. Ein Befall mit Schädlingen kann zudem bereits erkannt werden, bevor erste Symptome auftreten. In der Regel werden dann weniger Pestizide benötigt, um die Ernte zu retten.


Die Abhängigkeit von einem Konzern kann zum Problem werden

Zu den großen Akteuren in der Digitalisierung der Landwirtschaft gehört der US-Konzern Monsanto, der dafür eigens die Firma Climate Corporation übernommen hat. Über Monsanto könnte das Thema zudem zukünftig auch verstärkt in Deutschland an Relevanz gewinnen. Denn der US-Konzern wird aktuell von Bayer aufgekauft. Die Konzentration der Daten bei solchen Großkonzernen ist aber nicht unproblematisch. Denn die Bauern begeben sich damit in eine Abhängigkeit. Die App von Climate Corporation kostet beispielsweise in der Basisversion mehrere hundert Dollar im Jahr. Wer diese nicht bezahlt, erhält keinen Zugriff auf die gesammelten Daten. Außerdem wird befürchtet, dass die gewonnenen Erkenntnisse auch zur Preisgestaltung genutzt werden könnten. Dass also Pestizide immer dann besonders teuer sind, wenn sie von vielen Bauern benötigt werden.

Langsames Internet hemmt die Entwicklung in Deutschland

Wissenschaftler in Deutschland fordern daher den Aufbau einer staatlich geförderten Datensammlung, um Wissensmonopole zu vermeiden. Ein wissenschaftliches Gutachten des EU-Parlaments verweist hingegen vor allem auf die möglichen Vorteile der Digitalisierung in der Landwirtschaft: So kann der Dieselverbrauch um zehn Prozent gesenkt werden, die Nitratbelastung um fünfzig Prozent und die Nutzung von Herbiziden sogar um achtzig Prozent. Bisher gibt es in Deutschland oft aber noch ein ganz profanes Hindernis für Big Data auf dem Acker: In vielen ländlichen Gebieten ist die Internetversorgung schlicht zu schlecht.

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