E-Bike zum Nachrüsten: Der neue Pendix-Antrieb im Test

Elektrofahrräder liegen voll im Trend. Die Tage der klobigen, schwerfälligen Bikes mit E-Motor sind allerdings gezählt. Die Elektrofahrräder von heute können auch sportlich und zielen dabei nicht nur auf ältere Interessenten ab. Wer sein geliebtes Fahrrad jedoch nicht gegen ein neues E-Bike eintauschen möchte, der kann dieses auch mit der Hilfe moderner Nachrüstsetzt elektrifizieren. Wir haben uns dafür den neuen nachrüstbaren Pendix-Antrieb für euch angeschaut und eine Woche lang getestet. Pendix verspricht mit dem Nachrüst-Antrieb jedes Fahrrad in ein vollwertiges E-Bike umrüsten zu können. So viel vorweg, wir sind von dem Antrieb „Made in Germany“ begeistert.Daten zum Pendix-Antrieb im Überblick

Besonderheit beim Pendix-Antrieb

Einbau-Anleitung für Händler

Die Hersteller des Pendix haben sich sehr viel Mühe gegeben und das Design so einfach aber auch schick wie möglich gestaltet. So soll die Installation auch kein Hexenwerk sein, dennoch ist diese nur autorisierten Händlern gestattet. Das ist Voraussetzung, um einen entsprechenden rechtlichen und versicherungstechnischen Schutz gewährleisten zu können. Wer den Pendix-Antrieb nachrüsten möchte, der kann über die Herstellerwebsite einen Händler in der Nähe heraussuchen und einen Termin vereinbaren.

Das Nachrüst-Kit wird dann direkt zum Händler geschickt und vor Ort auch fachmännisch installiert. Im Kit enthalten ist der bürstenlose Tretlagermotor, der in das Tretlager eingeschraubt wird. Drehzahlsensor und Magnet werden an der Kettenstrebe und am Hinterrad angebaut. Die Tretlagereinheit des Motors wird von links in das Tretlager eingeschoben und mit der Hülse von rechts befestigt. Darauf wird dann der Motor befestigt und mit dem Messtretlager verschraubt. Nun fehlt an der Motorkurbel nur noch das Pedal. Auf der rechten Seite fehlen noch die Kurbel mit den Kettenblättern und dem anderen Pedal. Jetzt geht es an den Akkuhalter. Dafür nutzt Pendix die Fixpunkte für die Trinkflaschenhalterung. Auch die Verbindung mit dem Motorkabel ist dadurch recht einfach. Den Akku an sich setzt man dann ebenfalls einfach per Drehbewegung ein. Nun den Akku anschalten und los gehts. Der Einbau dauert etwa eine Stunde.

Pendix-Antrieb Einbau

Einbaukosten, Gesamtkosten und Versicherung

Das Pendix eDrive Nachrüstset kostet 1.490,00 Euro. Dazu kommen noch zwischen 60-120 Euro Montagekosten. Die Gebühr für die Installation variiert von Händler zu Händler. Ein Direktverkauf des Pendix-Nachrüstsets ist nicht möglich. Das hat versicherungstechnische Gründe, die wir im Folgenden kurz erläutern wollen. Anbieter von Nachrüst-Sets hatten bisher ein großes Problem mit Haftungsfragen. Der Umbau war recht schwierig, was nicht der Technik an sich, sondern den rechtlichen Bestimmungen geschuldet war. Pendix liefert dazu jedoch eine gute Lösung und macht das Nachrüst-Set auch für Händler interessanter. Zur Problematik: Das Produkthaftungsgesetz macht den Händler nach dem Einbau, also der Umrüstung des normalen Bikes zum E-Bike, auch gleichzeitig zu dessen Hersteller. In der Folge kann der Händler für alle Schäden haftbar gemacht werden. Die Verantwortung beschränke sich danach nicht nur auf den Einbau des Pendix-Antriebs, sondern auf das ganze Fahrrad. Ersatzansprüche des „neuen“ E-Bikes können dann bei Schäden direkt an den Händler gerichtet werden.

Bildergalerie

Pendix hat mit einer speziellen Betriebs-Haftpflicht hierfür eine passende Lösung parat. Der Händler kann sich mit Abschluss der Versicherung, der freiwillig ist, entsprechend schützen. Personen- und/oder Sachschäden, die mit einem Fahrrad mit Pendix-Motor entstehen, werden dann von der Versicherung übernommen. Bisher gibt es 211 Händler in Deutschland, die den Pendix-Antrieb fachmännsich installieren.

Pendix Test

Fahrverhalten/ Dosierte Unterstützung

Wir konnten den Pendix-Antrieb eine Woche lang testen. So gut das Wetter mitspielte, nutzen wir die Chance für eine Ausfahrt. Es ging dabei durch die Stadt aber auch über Land. Anspruchsvolle Geländefahrten konnten wir nicht absolvieren. Das soll jedoch im Frühjahr mit einer sportlicheren Testplattform nachgeholt werden. Gewöhnlich setzen wir aber auf die Muskelkraft. Umso komfortabler ist es ein Bike mit Elektromotor zu fahren. Das Pendix unterstützt im Eco-Modus unterschwellig mit. Dabei lernt die Elektronik zu Beginn über Sensoren, wie sehr man in die Pedale tritt. Die Unterstützung wird auf das Fahrverhalten angepasst. Das sorgt für ein sehr natürliches Fahren. Der Elektromotor gibt dabei nicht stetig die volle Leistung aus, sondern passt sich dem Krafteinsatz des Fahrers an. Man bekommt daher das Gefühl, ohne Unterstützung zu fahren. Nur geht das Treten an sich viel einfacher.

Das Fahren ist also sehr angenehm und bei Steigungen oder starkem Gegenwind entfaltet der Pendix-Antrieb seine volle Wirkung. Im Sportmodus beschleunigt man recht schnell auf die 22-25 km/h. Bis hierin unterstützt der Motor mit, viel schneller geht es dann auch nicht, weil das Treten dann schonwieder schwerfälliger wird. Die Maximalgeschwindigkeit, die unterstütz wird, reicht jedoch um ein gutes Durchschnittstempo halten zu können. Längere Strecken, die stets bergauf gehen, können mit dem Pendix-Antrieb spielend und ohne große Anstrengungen gemeistert werden. Es ist schon etwas komisch, wenn man ganz locker an Fahrradfahrern vorbeifährt, die sich den Berg förmlich hochkämpfen und die Seele aus dem Leib strampeln.

Entspannt zur Arbeit cruisen

Ein großer Vorteil der E-Bikes ist eben das entspannte Fahren. Und genau das ist auch der Grund, warum immer mehr Menschen einen Elektromotor am Rad schätzen. „Mit Bewegung in den Tag starten aber nicht vollends erschöpft und verschwitzt an der Arbeit ankommen“, lautet die Devise. Mit Antrieben, wie dem Pendix, ist das möglich. Allgemein hat man sich recht schnell an die zusätzliche Tret-Unterstützung gewöhnt. Im Leerlauf wird mithin nicht beschleunigt. Das unterscheidet Mittelmotorantriebe wie dem Pendix von Antrieben, die beispielsweise das Hinterrad über Rollen beschleunigen. Ist der bürstenlose Motor nicht zugeschaltet, fährt sich das Fahrrad wie ein gewöhnliches Bike. Das ist ebenfalls eine Besonderheit des Pendix-Antriebs. Lediglich das Zusatzgewicht von knapp sechs Kilogramm macht sich unter Umständen noch bemerkbar.



Fahrbericht im Video

Die Unterstützungsstufen werden beim Pendix direkt am Akku vorgenommen. Das erfolgt einfach mittels Drehrad, das sich am oberen Ende befindet. So kann während der Fahrt bequem an- und aus-, aber auch umgeschaltet werden. Am Drehrad kann zwischen Eco-, Smart- und Sport-Modus gewählt werden.

Reichweite im Sport-, und Eco-Modus

Was im Smart-, aber auch Sportmodus auffällt ist die Kraft, die der Pendix-Antrieb entfaltet. Die 50 Nm Drehmoment spürt man definitiv und im direkten Vergleich mit Radfahrern ohne Motor, merkt man die Beschleunigung noch mehr. Der Pendix-Antrieb bereitet eine Menge Fahrspaß und eignet sich nahezu für jeden Anwender, da dieser recht einfach und universell angebracht werden kann. Zudem sind die unterschiedlichen Einstellstufen durchaus praktisch. Im Eco-Modus wird behutsam aber dafür sehr ausdauernd unterstützt. In unserem Test waren im reinen Sportmodus gute 40 Kilometer drin. Empfohlen werden kann der Smart-Modus. Hier dürften bis zu 70 Kilometer gefahren werden können. Der Modus genügt zudem um ebenfalls schnell und ausgeruht an das Ziel zu kommen.

Distanzen von 30 Kilometer und mehr schrecken mit einem gewöhnlichen Bike schon ab. Mit dem Pendix-Antrieb an Bord sieht man das jedoch durchaus gelassener und freut sich über jede Fahrt mit dem Fahrrad. Im Rahmen unseres Tests wurden wir auch von Passanten an Bahnhöfen und in der Stadt angesprochen. Das Design des leuchtenden Akkus sticht auf jeden Fall heraus, während der in der Kurbel verbaute Motor in schwarz gehalten, nicht allzu klobig wirkt. Bei den Gesprächen kristallisierte sich immer wieder heraus, dass potentielle Käufer sehr gern ein E-Bike besitzen würden, um damit an die Arbeit fahren zu können. Wir trafen allerdings auch Menschen, die aufgrund von Atemwegs-Erkrankungen, wie Asthma und COPD nur noch eingeschränkt Fahrrad fahren konnten. Mit der elektrischen Unterstützung können auch diese Menschen wieder weitere Strecken bedenkenlos mit dem Fahrrad zurücklegen.

Der Akku zeigt in den Farben „Grün“, „Gelb“, „Orange“ und „Rot“ den jeweiligen Ladestand an. Ist der Akku leer, dann muss er drei Stunden ans Netz. Danach kann es wieder frisch weiter gehen. Gelungen ist das Akku-Design, das wie eine Thermoflasche wirkt. Der Akku lässt sich einfach an-, und wieder abschrauben. Mittels magnetischem Stand wird der Akku geladen. Wie das Ganze aussieht, seht ihr im folgenden Videoclip.



Pendix Akku im Video

Nachts ein echter Eyecatcher

Da der Akku stets leuchtet, wenn der Pendix-Antrieb angeschaltet ist, zieht man vor allem abends die Blicke Neugieriger auf sich. Das macht durchaus Spaß und auch im Straßenverkehr sorgt der leuchtende Akku für mehr Sichtbarkeit im Dunklen. Ein kleines Manko hat die einfache Handhabung des Pendix-Akkus dennoch. So ist dieser nur wenig vor Langfingern geschützt. Zwar befindet sich an der Unterseite des Akkus ein ausfahrbarer Stahlbügel, mit dem der Akku gesichert werden kann, wirklich abschreckend dürfte dieser aber nicht für Diebe sein. Es empfiehlt sich also den Akku stets mitzunehmen, wenn das Bike in der Stadt oder vor der Haustür abgestellt und angeschlossen wird. Den Akku dann im Rucksack verstaut, geht ganz gut. In der Hand gehalten können auch kürzere Strecken gemeistert werden. Durch das Mitnehmen des Akkus besteht aber auch die Gefahr, diesen -einmal abgestellt- zu vergessen. Ein Verlust ist mehr als ärgerlich und kann auch teuer werden. Der Akku ist mit die teuerste  Komponente in dem Kit.

Dem Hersteller zufolge übersteht der Akku übrigens 500 Ladezyklen. Damit kommt ihr ein gutes Stück hin. Pendix wirbt schließlich auch auf der Website mit dem Slogan „Ein Antrieb für dein ganzes Leben“.

Fazit

Wer ein E-Bike fahren möchte, der muss nicht unbedingt ein neues Fahrrad mit Elektroantrieb kaufen. Es gibt mittlerweile einige Anbieter entsprechender Nachrüstsets. Die knapp 1600 Euro für den Pendix-Antrieb, der größtenteils in Zwickau gefertigt wird, ist durchaus kein Schnäppchen. Dafür erhält man jedoch Qualität aus Deutschland. Alles in allem hat der Pendix-Antrieb jedoch überzeugt. Der Elektromotor arbeitet wunderbar und dosiert und auch der sportliche Antritt ist eine super Erfahrung, die Spaß macht. Für sportliche Fahrer ist bei 25 km/h Schluss. Wer schneller fahren möchte, der muss dann wieder ohne Unterstützung auskommen. Das Zusatzgewicht von etwas mehr als sechs Kilogramm, dürfte bei einem leichten Alurad durchaus noch vertretbar sein und das Treppenschleppen nicht sonderlich verkomplizieren. Die Anschaffungskoten für den Pendix-Antrieb sind jedoch schon ziemlich saftig. In dieser Preisklasse könnte man auch schon ein neues E-Bike kaufen und das alte Bike für kürzere Strecken als Ersatz nehmen. Ob E-Bikes für 1500 Euro jedoch vergleichbare Akku- und Motorleistungen aufrufen ist allerdings auch fraglich.

Eignung

Aufgrund der Positionierung am Tretlager ermöglicht der Antrieb eine kalkulierbare Mehrbelastung des Rahmens, so dass dieser sich für die Montage an einer Vielzahl von Radtypen eignet.