E-Sport: Die Formel 1 kürt künftig auch einen virtuellen Champion

Kritiker bemängeln bereits seit längerem, dass in der Formel 1 nicht der beste Fahrer, sondern in der Regel das beste Auto gewinnt. Ein gutes Beispiel dafür ist der ehemalige Weltmeister Fernando Alonso, der aktuell in einem nicht konkurrenzfähigen Auto von McLaren einen bescheidenen 15. Platz im Gesamtklassement belegt. Dabei hatte das Team sogar versucht, Entwicklungszyklen zu beschleunigen, indem bei Testfahrten ein 3D-Drucker an der Strecke zum Einsatz kommt. Zukünftig wird es nun auch einen Formel-1-Champion geben, der gar nicht erst in ein Auto gestiegen ist. Denn die weltweit populärste Rennserie hat einen Ableger im E-Sports-Bereich gegründet. Im November werden die besten Computerpiloten parallel zum eigentlichen Grand Prix in Abu Dhabi ihren Titelträger ausfahren. Dieser darf sich dann offiziell „Weltmeister der Formel-1-eSports-Serie“ nennen.

By Artes Max [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Liberty Media möchte verstärkt junge Fans gewinnen

Die Rennserie versucht damit vor allem, ihr etwas angestaubtes Image zu bekämpfen. Denn der jahrelange Promoter Bernie Ecclestone hatte fast ausschließlich auf das lineare Fernsehen gesetzt – und etwa die neuen Möglichkeiten in den sozialen Medien so weit wie möglich ignoriert. Bei vielen jungen Leuten hat die Formel 1 daher an Zugkraft verloren. Der vor allem in Asien enorm populäre E-Sport soll nun helfen, verstärkt auch wieder jüngere Fans zu gewinnen. Möglich wurde dieser Strategiewechsel, weil die Rennserie durch den US-Konzern Liberty Media aufgekauft wurde. Gespielt wird in der virtuellen Meisterschaft das neue Computerspiel „Formula 1“. Üben kann mit der Software übrigens jeder: Das Spiel wird ab Freitag im Handel erhältlich sein.

E-Sports ist genauso beliebt wie Radsport und Volleyball

Die Formel 1 ist nicht die erste große Marke aus der Sportwelt, die auch im E-Sport aktiv wird. So hat die US-Profibasketballliga NBA vor kurzem bekannt gegeben, dass zahlreiche Teams auch eigene E-Sports-Ableger erhalten werden. Diese sollen dann in einer Liga gegeneinander antreten. Einige deutsche Fußballclubs – etwa der VFL Wolfsburg und Schalke 04 – haben zudem bereits eigene E-Sport-Abteilungen aufgebaut. Befeuert werden solche Engagements durch eine neue Umfrage von Infront Deutschland und Sport1 Media: Demnach interessieren sich 23 Prozent der 14 bis 49-Jährigen in Deutschland für E-Sport – und damit genauso viele wie für Radsport und Volleyball. Tischtennis hingegen kam – trotz Timo Boll – lediglich auf einen Wert von 19 Prozent.