Lungenkrebs lässt sich noch vergleichsweise gut behandeln, wenn er bereits im Frühstadium erkannt wird. Das Problem allerdings: Die Krankheit entwickelt sich zumeist unerkannt. Wenn die ersten Symptome auftreten, ist es oft schon zu spät, um den Krebs noch vollständig zu besiegen. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts in Bad Nauheim arbeiten daher im Moment an einem Schnelltest zur Früherkennung. Dieser basiert auf der Analyse der Atemluft und soll ein wenig funktionieren wie die Alkoholkontrolle auf der Autobahn. Der neue Ansatz ist dazu gedacht, bestimmte Risikogruppen – etwa ältere Menschen und Raucher – regelmäßig und kostengünstig auf Lungenkrebs zu testen. Bei einem positiven Befund setzt dann auch weiterhin die klassische Diagnostik ein.


Foto: Small cell lung cancer, ecancer medicalscience,

Die Atemtests liegen bei 98 Prozent der Diagnosen richtig

Der Test analysiert Spuren der RNA in der Atemluft. Durch eine Krebserkrankung verändern sich auch bestimmte Erbgut-Moleküle im Lungengewebe. Ein Teil davon gelangt in unseren Atem und kann dort als Nachweis für eine Erkrankung dienen. Dies legen zumindest erste Tests des neuen Diagnoseverfahrens nahe. So wurde bereits die Atemluft von 138 Menschen genauer untersucht – und die Zahl der korrekten Analysen lag bei 98 Prozent. Die Forscher wollen ihre Nachweismethode daher nun großflächig testen: Als nächstes ist eine Versuchsreihe mit 2.000 Patienten aus fünf verschiedenen Lungenzentren geplant. Dabei soll vor allem untersucht werden, wie früh der Test Alarm schlägt – ob er also wirklich bereits Lungenkrebs im Frühstadium erkennen kann.

Lungenkrebs ist die vierthäufigste Todesursache in Deutschland

Geht bei der großen Testserie nichts schief, ist dies ein wichtiger Schritt hin zur Marktreife der neuen Entwicklung. Für die Zukunft haben die beteiligten Wissenschaftler zudem bereits weitere Pläne. So sollen einzelne Marker identifiziert werden, um mithilfe des Atemtests auch die verschiedenen Lungenkrebstypen bestimmen zu können. Außerdem wird auch bereits an entsprechenden Bluttests gearbeitet. Ein schneller und zuverlässiger Test auf Lungenkrebs im Frühstadium könnte zahlreiche Leben retten. Alleine im Jahr 2015 starben 45.224 Menschen an der tückischen Krankheit. Es handelt sich damit um die vierthäufigste Todesursache in Deutschland. Besonders bei Frauen hat sich die Problematik in den letzten Jahren zudem verschlimmert: 2006 starben noch 30,6 Frauen aus 100.000 Einwohnern an Lungenkrebs. Im Jahr 2015 war dieser Wert schon auf 37,7 gestiegen.


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