Wer öfter seine Elektrogeräte wechselt, der verkauft die Altgeräte meistens eher, als dass er sie wegschmeißt. Aber irgendwann landet jeder Fernseher, Laptop oder Desktop-Computer auf dem Müll. Jedes Jahr entstehen Forschern der Universität der Vereinten Nationen (UNU) zufolge weltweit etwa 44,7 Millionen Tonnen Elektroschritt. Das entspricht etwa neun großen Pyramiden von Gizeh. Recycelt wird nur wenig. Der größte Anteil des Elektroschrotts wird entweder verbrannt oder landet auf Müllkippen. Langfristig gesehen kann das zum Problem werden.


Smartphones machen nur einen kleinen Teil aus

Zwischen 2014 und 2016 ist die Menge an Elektromüll, die jedes Jahr entsteht, um 8 Prozent gewachsen. So ein großes Wachstum verzeichnete keine andere Müllart. Er nun aber die Übeltäter bei denjenigen suchen will, die jedes Jahr das Smartphone wechseln, der wird überrascht sein: Smartphones, Computer und Tablets machen lediglich vier Millionen Tonnen des jährlichen Elektromülls aus. Den Löwenanteil übernehmen Klein- und Großgeräte wie etwa Waschmaschinen, Kaffeemaschinen oder Kühlschränke.


Dennoch gehören Kleingeräte ohne Zweifel zu den Geräten, die besonders gerne weggeworfen werden. Ein Smartphone erreicht in Deutschland eine durchschnittliche Lebensdauer von 19 Monaten – das stellt sogar die US-Amerikaner in den Schatten. Auch Ladegeräte für die Kleinelektronik machen etwas aus – und zwar den Forschern zufolge etwa eine Million Tonnen pro Jahr. Ein Faktor, der auch dadurch unterstützt wird, dass es auch weiterhin an einheitlichen Standards fehlt – Apples Lightning-Anschluss lässt grüßen.

Deutschland produziert fast 2 Millionen Tonnen Elektromüll

Rein rechnerisch entfallen auf jeden Erdbewohner 6,1 kg Elektroschrott pro Jahr. Das entspricht natürlich nicht der realen Verteilung. So fallen in Norwegen 28,5 kg pro Einwohner an, Afrikaner entsorgen dagegen im Schnitt 2 kg Elektronik pro Jahr. Was absolute Zahlen anbelangt, so fällt Deutschland in Europa die Spitzenposition zu: 1,9 Millionen Tonnen entsorgen wir pro Jahr, das entspricht 22,8 kg pro Einwohner. Dafür ist Europa auch Spitzenreiter beim Recycling von Elektroprodukten: Wir kommen auf mehr als ein Drittel des anfallenden Mülls. Die Forscher sind der Meinung, dass das mangelhafte Recycling in dieser Müllkategorie eines der größten Probleme ist.

Eine Trendwende ist nicht in Sicht

Weltweit werden nur etwa 20 Prozent des anfallenden Elektroschrotts ordentlich gesammelt und recycelt. Die verbleibenden 80 Prozent enden auf einer Müllkippe oder werden verbrannt. Weltweit gibt es kaum verbindliche gesetzliche Vorschriften, was das Recyceln von Elektromüll angeht.

Dabei steckt in den Schrottbergen bares Geld. Die Forscher schätzen, dass die globalen Elektroschrott-Berge Rohstoffe im Wert von mindestens 55 Milliarden US-Dollar enthalten. Die Produkte enthalten teilweise große Mengen Gold und seltene Materialien.

Eine Änderung beim Umgang mit Elektromüll ist allerdings vorerst nicht zu erwarten. Bis 2021, so spekulieren die Forscher, wird die jährlich anfallende Menge Elektroschrott um weitere 17 Prozent anwachsen, womit die Schwelle von 50 Millionen Tonnen pro Jahr überschritten wird. Wie so oft wird wahrscheinlich wirklicher Handlungsbedarf erst gesehen werden, wenn es bereits zu spät ist.

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1 Kommentar

  1. Olaf Barheine

    16. Dezember 2017 at 16:36

    Und ich möchte unseren Elektroschrott auch nicht in Afrika entsorgt sehen, wo Kinder und Jugendliche über dem offenen Feuer die Metalle herausschmelzen und sich durch die giftigen Dämpfe ihre Gesundheit ruinieren.

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