Messstationen des Deutschen Wetterdienstes haben in den letzten Tagen beunruhigende Werte hervorgebracht: Demnach war beispielsweise im sächsischen Görlitz der Wert des radioaktiven Isotops Ruthenium-106 deutlich erhöht. Die wichtigste Information dazu zuerst: Eine Gesundheitsgefährdung besteht nicht. Gemessen wurden Werte von 5 Millibecquerel pro Kubikmeter Luft. Alleine die natürliche Umgebungstrahlung liegt bereits deutlich höher. Selbst wenn man das Ruthenium-106 in Sachsen konstant eine Woche lang einatmet, entspricht dies lediglich der Belastung von einer Stunde Umgebungsstrahlung. Dennoch haben sich Wissenschaftler natürlich sofort auf die Suche nach der Ursache der Strahlung gemacht. Eine konkrete Ursache konnten sie bisher zwar noch nicht benennen, zumindest wurden aber Ort und Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens lokalisiert.


Mithilfe solcher Messstationen wird die Luft in Deutschland überwacht. Foto: BfS

Ruthenium-106 wird zur Energieversorgung von Satelliten genutzt

Demnach liegt der Ursprung der erhöhten Strahlung in Russland im südlichen Ural. Ein Unfall in einem der dort gelegenen Atomkraftwerke schließt das Bundesamt für Strahlenschutz allerdings aus. Denn dann wäre nicht nur der Wert für Ruthenium-106 erhöht, sondern auch der zahlreicher anderer radioaktiver Stoffe. Demnach muss die ausgetretene Strahlung eine andere Ursache haben. Ruthenium-106 kommt beispielsweise in der Krebstherapie und bei der Stromversorgung von Satelliten zum Einsatz. Bisher kann aber nur spekuliert werden, was die tatsächliche Quelle der Strahlung ist. Sicher scheint in jedem Fall zu sein, dass das radioaktive Material in der letzten Septemberwoche freigesetzt wurde – und nun in Westeuropa angekommen ist.

Atomare Strahlung macht an Ländergrenzen keinen Halt

Auch wenn in diesem Fall keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung besteht, ist dies doch eine Erinnerung daran, dass atomare Unglücke niemals lokal begrenzt bleiben. Vielmehr breitet sich die atomare Belastung teilweise über mehrere Kontinente aus. Auch wenn der Atomausstieg in Deutschland realisiert wurde, bleibt also hierzulande eine gewisse Gefahr bestehen – etwa durch den belgischen Atommeiler Tihange 2. Dieser liegt in der Nähe von Aachen und gerät immer wieder durch Risse im Reaktordruckbehälter in die Schlagzeilen. Die Atomkatastrophe von Fukushima in Japan hat zudem gezeigt, dass selbst Experten nur schwer einschätzen können, wo sich die radioaktiven Substanzen ablagern: Erst kürzlich wurde festgestellt, dass das Brackwasser unterhalb der Strände überraschend stark belastet ist.


Via: Bundesamt für Strahlenschutz

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.