Deutschland bemüht sich um eine Energiewende und stellt in diesem Zusammenhang große Summen an Subventionen bereit. Und dennoch werden wir unsere Ziele bezüglich der Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2020 wohl um einiges verfehlen. Schuld daran ist eine wenig konsistente Politik und ein fehlgeleitetes Subventionssystem, zumindest wenn man einigen Stimmen glauben will.


Windenergie Windräder
Foto: Wind power, Håkan Dahlström, Flickr, CC BY-SA 2.0

Erfolge der Energiewende

Die Energiewende sei ineffizient, zu teuer und zudem komplett fehlgeleitet. Diesen Vorwurf nutzte die FDP im Bundeswahlkampf und sprang damit den Gegnern von Windkraft zur Seite, die sich vor allem in ländlichen Gegenden formieren. Sie wolle das „Dauersubventionssystem“ verlassen und einen anderen Ausbaupfad für erneuerbare Energien suchen, so die Partei. Experten dagegen warnen davor, die laufenden Bemühungen um die Energiewende stark zu verändern, da dies nur in mehr Kosten und einer Verzögerung resultieren würde. Und außerdem kann man nicht ganz von der Hand weisen, das manche Maßnahmen durchaus Früchte tragen: Der Sektor für erneuerbare Energien zählt inzwischen 300.000 Beschäftigte, und mehr Windkrafttechnologie als Deutschland exportiert nur China. Zudem gelang es, den Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostrommix auf etwa ein Drittel zu bringen: Dabei produzieren 1,6 Millionen Photovoltaikanlagen 5,9 Prozent und Windanlagen etwa 11,9 Prozent des Stroms. Bis 2025 soll der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix auf einen Wert zwischen 40 und 45 Prozent steigen.

Die Verbraucher tragen die Folgen

Allerdings kristallisiert sich auch immer mehr heraus, dass das aktuelle Vorgehen im Sektor erneuerbare Energien den Strom für den Endverbraucher teurer macht. Die EEG-Umlage stieg für Privatverbraucher seit 2011 von 3,53 Cent pro Kilowattstunde auf 6,88 Cent im Jahr 2017. Auch bis 2019 wird sie weiter steigen. Die bisherigen Erfolge der Energiewende seien durch teure Subventionen erkauft worden, so Experten, die eine Änderung der Subventionsstrategien fordern.


Aber nicht nur die Subventionen erhöhen die Strompreise. Die Netzentgelte stiegen von 2009 bis 2017 von 5,8 Cent pro Kilowattstunde auf 7,31 Cent. Durch Investitionen in stabilere Netze ist für die kommenden Jahre eine weitere Steigerung zu erwarten. Außerdem müssen die Netzbetreiber Entschädigungszahlungen an die Ökostromerzeuger zahlen, wenn sie trotz vorrangiger Abnahmepflicht für erneuerbare Energien eben doch nicht alles abnehmen. Grund hierfür ist oft eine schwache Infrastruktur oder konventioneller Strom, der die Leitungen „verstopft“. Die Kosten dafür betrugen im vergangenen Jahr mehr als 643 Millionen Euro.

Die Kosten für Haushaltsstrom liegen deshalb laut Angaben der Unternehmensberatung McKinsey im Mittel bei 30,8 Cent je Kilowattstunde – das europäische Mittel sind 20,5 Cent – also fast ein Drittel weniger.

Bringt das alles überhaupt was?

Noch schwerer als die hohen Kosten wiegen die Stimmen, die bezweifeln, dass der momentane Kurs in Sachen Energiewende zum Klimaschutz beiträgt. Bestätigt sehen sich diese Stimmen durch die Tatsache, dass Deutschland die Ziele für die Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2020, wie sie 2007 beschlossen wurden, wahrscheinlich um einiges verfehlen wird – und das trotz der hohen Subventionen im Sektor für erneuerbare Energien. Zwischen 2000 und 2015 flossen etwa 150 Milliarden Euro in den Zubau der erneuerbaren Energien. Bis 2050 könnten so etwa 2 Billionen Euro zusammenkommen – vorausgesetzt der aktuelle Kurs wird beibehalten und die Emissionen um 70-85 Prozent gedrückt, so wie es vorgesehen ist.

An den Alternativen scheiden sich die Geister

Bei der Frage, wie Ökostrom günstiger erzeugt werden und gleichzeitig eine besser CO2-Bilanz erzeugen kann, besteht unter Experten überraschend viel Uneinigkeit. Während einige fordern, sich vermehrt auf Offshore-Anlagen zu konzentrieren, fordern andere, die Förderungsbedingungen nach dem EEG so zu lockern, dass mehr Windanlagen an Land gebaut werden können. Außerdem müssten die Windanlagen dort gebaut werden, wo sich ihr Betrieb wirklich lohnt. Windschwache Gebiete sollten über entsprechende Leitungen versorgt werden.

Ein anderer, durchaus sinnvoller Ansatz wäre der vermehrte Ausbau von Speichersystemen – sowohl im großen Stil für das Stromnetz als auch in kleinen Privathaushalten.

Ob diese Ansätze die Gegner von erneuerbaren Energien überzeugen werden, scheint jedoch zweifelhaft. Diese sehen die Energiewende aufgrund des steigenden Strombedarfs etwa durch Rechenzentren oder Elektroautos bereits jetzt als gescheitert an.

"

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

1 Kommentar

  1. Prof. William van Keulen

    10. Januar 2018 at 15:08

    Die Energiewende 2020 kann gelingen wenn neue gute Ideen zur Stromerzeugung durch Nutzung der Regenerativen und deren Energiespeicherung von kompetenten und erfahrenen Technikern und Visionaeren realisiert werden. Ideen die nicht zum Stand der Technik gehoeren und abweichen vom „das haben wir immer so gemacht“ werden nicht gefoerdert und warten bis das Ausland reagiert.
    Solange z.B. das FZ-Juelich oder die Fraunhofer-Gesllschaft den Fortschritt nur an haeufig erblindete Experten und Fachidioten glauben, wird der Klimaschutz und weitere Geerationen laenger als notwendig leiden muessen.
    Wir wuerden gerne brauchbare Ideen aus eigenen Reihen und von freien Erfindern unterstuetzen, Viel grosse Erfindungen wurden von Garagentueftlern realisiert Sie brauchen unsere Unterstuetzung damit auch aermere Laender umweltfreundlichen Strom verwenden koennen.
    Fuer jeden Vorschlag fuer und von Gleichgesinnten bin ichdankbar.
    Prof.William van Keulen, Visionaer und Umweltschuetzer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.