Experten von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA verfolgten kürzlich gebannt die Flugbahn einer russischen Sojus-Rakete. An Bord befanden sich zwei Satelliten der europäischen GPS-Alternative Galileo. Bei dem letzten Start von Galileo-Satelliten kam es zu einer schweren Panne.


ESA Satellite System
Foto: ESA SAtellite Tracking Station Redu, Belgium, fdecomite, Flickr, CC BY-SA 2.0

Aufbau von Galileo schreitet voran

Bei den Satelliten an Bord der russischen Rakete handelt es sich um die Satelliten Nr. 7 und Nr. 8 des Galileo-Projekts. Die Sojus-Rakete startete von Europas Weltraumbahnhof Kourou in Französisch Guyana. Vier Stunden lang dauerte der Flug, dann setzte die Fregat-Oberstufe die Satelliten in einer Höhe von etwa 22.500 km ab, so berichtet die Betreibergesellschaft der Rakete, Arianespace aus Evry bei Paris. Die beiden Satelliten sollen sich nun von selbst auf ihre Umlaufbahn in einer Höhe von 22.322 km absenken.

Panne vor sieben Monaten

Bei dem letzten Versuch, Satelliten für Galileo in ihre Umlaufbahn zu bringen, kam es vor 7 Monaten zu einer Panne: Durch eine eingefrorene Hydrazin-Leitung in der Oberstufe der Sous-Trägerrakete wurde die Nutzlast auf einer zu tiefen Umlaufbahn abgesetzt. Es handelte sich um einen schweren Rückschlag für das Multimilliarden-Programm Galileo. Zwar konnte die Umlaufbahn der beiden Satelliten inzwischen korrigiert werden, aber es gilt weiterhin als unklar, ob sie für das Galileo-System nutzbar sein werden.


Galileo soll Europa von den USA unabhängig machen

Kurz nach der Panne im letzten Jahr wurde die Vorbereitung für den nächsten Start vorgenommen. Dieser sollte Ende 2014 stattfinden und die Satelliten Nr. 7 und Nr. 8 in ihre Umlaufbahn bringen. Durch die Untersuchungen der Panne verzögerte sich der Start jedoch bis jetzt. Die beiden Satelliten, die nun ins All geschossen wurde, werden eine Testphase durchlaufen und dann Mitte des Jahres ihren Betrieb aufnehmen. Der im Sommer aus seinem Amt ausscheidende Esa-Chef Jean-Jacques Dordain erklärte, dass bereits mehrere neue Satelliten-Paare für den Start bereitstünden.

Das Galileo-Projekt verfolgt ehrgeizige Ziele. Bisher muss sich auch Europa bei der terrestrischen Navigation auf Daten des US-Projekts GPS verlassen. Galileo soll Navigations- und Ortsdaten bereitstellen, um so eine Unabhängigkeit von der Großmacht USA zu schaffen. Dies wird nicht nur im militärischen Bereich, sondern auch für banale Dinge wie Navigation im zivilen Straßenverkehr genutzt werden können. Die EU ist nicht die einzige Macht, die sich diesbezüglich von den USA lösen will. Russland betreibt mit Glonass bereits ein eigenes System, und auch Indien und China arbeiten an eigenen Lösungen.

Eigene Infrastruktur für zivile und militärische Nutzung

Satellitennavigation ist aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Die zivile Luftfahrt nutzt entsprechende Systeme, aber auch jedes Navigationssystem im Auto greift (noch) auf GPS-Daten zurück. Und selbst Smartphones nutzen inzwischen GPS-Technologien.

Doch neben der zivilen Nutzung sind Navigationsdaten selbstverständlich auch im militärischen Bereich wichtig. Egal, ob es sich um militärische Luftfahrt, Lenkflugkörper oder “simple” Bodeneinheiten handelt: Ohne Satellitennavigation läuft gar nichts. Im Konfliktfall ist damit zu rechnen, dass die Betreiberländer ihre Systeme abschalten oder den Zugang einschränken. Ein eigenes, europäisches System ergibt daher auf jeden Fall Sinn.

Im täglichen, zivilen Gebrauch lassen sich derartige Einschränkungen bereits beobachten. GPS-Daten für die zivile Nutzung sind sehr viel ungenauer als im militärischen Bereich. Zivile Kartendienste verbessern die Navigation daher durch terrestrische Sendeeinheiten oder Kreuzpeilungen.

Das Galileo-System soll im Jahr 2020 einsatzbereit sein. Derzeit befinden sich acht Satelliten in ihrer Umlaufbahn. Nach der Fertigstellung des Systems sollen 30 Satelliten die Erde umkreisen und die Empfängereinheiten auf dem Boden mit Daten versorgen.

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