Das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland ist auf politischer Ebene stark abgekühlt. In der Forschung arbeiten Wissenschaftler aus den beiden Ländern aber noch problemlos zusammen. Dies ist insbesondere für die neue Röntgenlaseranlage European XFEL von Bedeutung. Denn die Kosten von insgesamt 1,2 Milliarden Euro werden zu 58 Prozent von Deutschland und zu 27 Prozent von Russland übernommen. Den Rest tragen einige andere EU-Staaten und die Schweiz. Nun hat das sogenannte „First Lasing“ stattgefunden. Die unterhalb Hamburgs gelegene Anlage hat also erstmals die gewünschten ultrakurzen Lichtblitze erzeugt. Die ersten wissenschaftlichen Versuche können somit im Herbst beginnen. Alle Funktionen des Röntgenlaser werden allerdings erst im Jahr 2018 zur Verfügung stehen.


Chemische Prozesse können so detailliert wie nie zuvor beobachtet werden

Wofür ist der Röntgenlaser aber gut? Im Prinzip handelt es sich um die beste Kamera der Welt. Mithilfe von 27.000 Röntgenlaserblitzen pro Sekunde kann beispielsweise beobachtet werden, was während einer chemischen Reaktion an der Oberfläche eines Katalysators passiert. Im Idealfall können Wissenschaftler aufgrund dieser Erkenntnisse dann bessere, wirksamere oder billigere Reaktionsbeschleuniger entwickeln. Aber auch in der Pharmaforschung und in der Medizin gibt es spannende Anwendungsmöglichkeiten. Die Forschungswelt hofft sogar, mit dem Röntgenlaser die Umwandlung von Sonnenenergie und Kohlendioxid in Energie genauer verstehen zu können. Seit Januar können sich Forscher aus aller Welt mit ihren Projekten für die Nutzung des Röntgenlasers bewerben. Eine Expertenkommission wählt dann die spannendsten Themen aus.

Das aktuell teuerste deutsche Forschungsprojekt

Die Anlage ist komplett in unterirdischen Tunneln angelegt und beginnt auf dem Gelände des Deutschen Elektronensynchrotons (DESY) in Hamburg. Die eigentlichen Versuchsobjekte befinden sich dann allerdings in einer riesigen Experimentierhalle im benachbarten Schenefeld. Unterwegs werden die von einem Laser abgefeuerten Elektronenpakete zunächst massive beschleunigt und dann von Undulatoren auf einen Zick-Zack-Kurs gebracht. Bei den Richtungsänderungen werden jedes Mal Photonen ausgesendet, die anschließend mithilfe von Spiegeln in die insgesamt fünf Experimentierkabinen geleitet werden. Der Röntgenlaser XFEL ist nicht nur das aktuell teuerste deutsche Forschungsprojekt überhaupt, sondern auch die leistungsfähigste Anlage der Welt. Zum Vergleich: Die Frequenz der Röntgenblitze ist 200 mal höher und die Helligkeit etwa doppelt so hoch wie beim zweitbesten Röntgenlaser in den Vereinigten Staaten.


Via: New Atlas

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