Der niederländische Ölmulti Shell lebt vom Verkauf fossiler Brennstoffe. Die zunehmende Verbreitung von Fahrzeugen mit Elektroantrieb gefährdet allerdings dieses Geschäftsmodell. Denn Diesel und Benzin für den Verkehrssektor generieren einen nicht unerheblichen Teil der weltweiten Nachfrage nach Öl. Der Shell-Konzern scheint nun aber davon auszugehen, dass die Entwicklung hin zu emissionsfreien Autos nicht mehr aufzuhalten ist. Stattdessen hat sich das Unternehmen nun entschlossen, selbst Teil der Elektrowende im Straßenverkehr zu werden. Wie John Abbott, bei Shell zuständig für Raffinerie und Vertrieb, ankündigte, sollen die Tankstellen des Unternehmens mit Elektroladestationen ausgerüstet werden. Anfangen wird der Konzern mit einem Teil des Filialnetzes in Großbritannien und den Niederlanden. Später ist auch eine entsprechende Aufrüstung in anderen europäischen Ländern denkbar.


Shell
Foto: Shell

Großbritannien und die Niederlande sind Vorreiter in der Elektromobilität

Die Tankstellenbetreiber sollen dabei zum einen durch den Verkauf des Stroms Geld verdienen. Zum anderen dauert das Aufladen der Batterie aber auch noch deutlich länger als das Volltanken eines Autos mit Verbrennungsmotor. Im Idealfall profitiert davon dann auch noch der gastronomische Bereich der Tankstellenanlage. Das für die Elektrooffensive von Shell Großbritannien und die Niederlande – und nicht etwa Deutschland – ausgewählt wurde, hat gute Gründe. In beiden Ländern lag die Zahl der Erstzulassungen in den letzten Jahren deutlich über dem europäischen Durchschnitt. In Großbritannien wurden im letzten Jahr beispielsweise 35.907 neue Elektrofahrzeuge angemeldet. Innerhalb der deutschen Grenzen halten sich die Kunden hingegen, trotz der staatlichen Kaufprämie, noch eher zurück.

Deutschland hinkt beim Ausbau der Infrastruktur hinterher

Dies ist Experten zufolge auf drei Problemfelder zurückzuführen: Die hohen Anschaffungskosten, die geringe Reichweite und das lückenhafte Netz an Ladestationen. Zumindest letzteres scheint sich aber langsam zu ändern. Denn neben Shell haben zuletzt auch die deutschen Autobauer die Initiative ergriffen und angekündigt, tausende Ladesäulen entlang der europäischen Autobahnen errichten zu wollen. Bisher allerdings hinkt Deutschland auch in diesem Bereich noch hinterher. So kündigte Verkehrsminister Alexander Dobrindt im Sommer 2015 an, insgesamt 400 Schnellladestationen entlang der Autobahnen bauen zu wollen. Bisher wurde davon allerdings erst rund ein Viertel realisiert. Shell vermutet den Bedarf ohnehin woanders: Der Konzern geht davon aus, dass insbesondere bei städtischen Tankstellen eine Nachfrage nach den Ladestationen bestehen wird.


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