Forscher entwickeln smarte Bandagen zur Früherkennung von Druckgeschwüren

Dekubitus ist ein Druckgeschwür, welches im Volksmund besser bekannt ist als das „sich wund Liegen“. Oftmals sind Menschen betroffen, die aufgrund von Bewegungseinschränkungen an das Krankenbett gefesselt sind. Das Druckgeschwür entsteht aufgrund von Übersäuerungen innerhalb des Gewebes und macht sich zunächst durch eine Rötung der Haut bemerkbar, da die Gefäße durchlässiger für das Blut sind. Tritt die Rötung auf, ist bereits der 1. Grad der Erkrankung, die „Gefäßkompression“, erreicht. Forscher der University of California, Berkeley haben nun eine smarte Bandage entwickelt, die Druckgeschwüre vorzeitig erkennt, noch bevor es zur Hautrötung kommt. Mit Hilfe der neuen Technologie, sollen Patienten in Zukunft vor Dekubitus geschützt werden.

Smarte Bandagen als Früherkennungssystem für Druckgeschwüre

Druckgeschwüre erkennen noch bevor es zur Hautrötung kommt

Die Wissenschaftler machen sich bei der neuen Erkennungsmethode smarte Technologie basierend auf dem Prinzip der Spektroskopie zu Nutze. Mit Hilfe dieses elektronischen Verfahrens, können bereits kleinste Veränderungen in den Gefäßen unter der Haut festgestellt werden. Noch bevor ein sich anbahnendes Druckgeschwür bei den Patienten in der Form einer Hautrötung ankündigt, schlägt die Technologie Alarm. Vereinfacht dargestellt funktioniert das System folgendermaßen. Gesunde Zellen mit einer intakten Zellmembran, bieten einen Widerstand gegen Stromimpulse. Wird die Membran jedoch schwächer oder durchlässig, prallt der Strom nicht mehr ab, sondern fließt hindurch.

Bei einem aktiven Stromfluss, der messbare Änderungen herbeiführt, gibt es eine Information über die neuen Bandagen, die auf die Haut aufgetragen werden und hauchdünne Elektroden beherbergen. Das System ist in der Lage Veränderungen durch konstante Druckeinwirkungen, bedingt durch ausdauerndes Liegen und Bewegungseinschränkungen, so früh zu erkennen, dass die Schädigungen noch rückgängig gemacht werden können. Ab einem bestimmten Stadium, meist wenn sich bereits Blutergüsse gebildet haben, können die Gefäßverletzungen nicht mehr geheilt werden. Im Verlauf des „Wundliegens“ können sich Ödeme bilden. Mit der Zunahme der Gefäßdurchlässigkeit sterben die Zellen ab. Im Stadium vierten Grades spricht man dann vom Zelluntergang. Dieser geht mit dem Verlust aller Hautschichten und der Zerstörung von weiterem Gewebe wie Muskeln, Sehnen, Gelenkkapseln bis auf den Knochen einher.

Mit Hilfe von Magneten wird der Effekt verstärkt. Eine Karte zeigt, wo Gefahrenquellen lauern.

Forscher erhalten besseren Einblick in Wundentstehung

Mit Hilfe der neuen Technologie können die Forscher nicht nur ein weiteres Früherkennungsmittel von Druckgeschwüren liefern, sondern erfahren allgemein auch mehr über die Bildung von „unsichtbaren Wunden“ im menschlichen Körper. Die smarten Bandagen ergänzen dabei auch Konzepte beweglicher Betten, welche die Patienten regelmäßig bewegen und somit ebenfalls Druckgeschwüre vorbeugen. Die Erkenntnisse der neuen Studie mit den zukunftsträchtigen Bandagen, haben die Forscher im Fachblatt „Nature Communications“ niedergeschrieben.

Michel Maharbiz von UC Berkeley erklärt die Funktionsweise der neuen Smart-Bandagen in einem Video.