Forscher halten den Prozess des Alterns durch die Veränderung epigener Marker auf

Wir alle werden älter. Das ist eine recht alte Erkenntnis. Aber nicht viel jünger sind diverse Versuche, diesen Prozess aufzuhalten. Während diesbezüglich früher eher unwissenschaftliche Methoden zum Einsatz kamen, beschäftigt sich heute die Wissenschaft mit dem Altern. Forschern des Salk Institute for Biological Studies im kalifornischen La Jolla gelang es, dank teilweise reprogrammierten Zellen die Lebensspanne von Mäusen um etwa ein Drittel zu verlängern.

Lebensverlängerung bei Versuchsmäusen

Die Forscher verlängerten die Lebensspanne der Mäuse um etwa 6 Wochen. Dabei zeigten die Mäuse weniger Alterserscheinungen. Das Team um Aljandro Ocampo betonte, dass dies das erste Mal sei, dass die Lebenszeit eines Lebewesens durch nur teilweise reprogrammierte Zellen verlängert wurde. Die Wissenschaftler veränderten epigenetische Marker in den Zellen der Mäuse und nutzten dabei die Yamanaka-Faktoren, die für gewöhnlich aus normalen Körperzellen pluripotente Stammzellen machen.

Die Versuchstiere waren spezielle Labormäuse, deren Lebensspanne durch eine Mutation verkürzt wurde und deren Alterungsprozesse bei vielen Organen und Geweben früher einsetzen.

Deutlich sichtbare Erfolge

Die Yamanaka-Faktoren sind Transkriptionsfaktoren, die durch Zugabe eines Antibiotikums über das Trinkwasser aktiviert wurden und ausgereifte Zellen wieder zurück in Stammzellen verwandeln können. Um jedoch pluripotente Stammzellen herzustellen, hätten die Forscher die Mäuse über mehrere Wochen hinweg behandeln müssen. Stattdessen manipulierten sie mit Hilfe der Yamanaka-Faktoren epigenetische Marker in den Zellen der Mäuse, also Verbindungen, die Gene an- und ausschalten können. Es wird vermutet, dass epigenetische Marker auch Einfluss auf Gene haben, die für das Altern verantwortlich sind.

Das Team behandelte die Mäuse über eine Zeitspanne von zwei bis vier Tagen mit den Yamanaka-Faktoren und erreichte bei den behandelten Tieren eine Lebensdauer von mehr als 24 Wochen, die älteste Maus wurde 29 Wochen alt. Die Kontrollgruppe, die nicht behandelt wurde, verstarb innerhalb von 17 Wochen.

Tumorbildung konnte verhindert werden

Die Stammzellenbehandlung gegen Alterserscheinung rief bisher bei Mäusen immer wieder Fehlbildungen und Tumore hervor. Das liegt daran, dass pluripotente Stammzellen sich durch eine hohe Teilungsrate und ein schnelles Wachstum auszeichnen und in diesen Eigenschaften Krebszellen nicht unähnlich sind.

Den Forschern gelang es jedoch, diese Tumorentwicklung zu vermeiden. Dies erreichten sie durch eine Anpassung der Zugabe des Antibiotikums, das für die Aktivierung der Yamanaka-Faktoren zuständig ist. Das Team verwendete über zwei Tage hinweg Doxycyclin und gönnte den Tieren dann fünf Tage Pause. Durch diese Methode entwickelten die Versuchstiere weder Fehlbildungen noch Tumore. Stattdessen sah das Gewebe der Tiere besser aus als das der Kontrollgruppe.

Die genauen Mechanismen hinter dieser Verlängerung der Lebensspanne sind noch unbekannt. Die Forscher wollen nun erst einmal herausfinden, welche epigenetischen Marker genau durch die Yamanaka-Faktoren verändert wurden.

via Salk Institute