Forscher stellen fest: In Deutschland herrscht »Bequemlichkeitsverblödung«

Konsumrausch, Wachstumswahn und Globalisierungsschock: Der Politikwissenschaftler Thomas Kliche und der Psychotherapeut Joachim Maaz stellen der deutschen Bevölkerung kein gutes Zeugnis aus. Der französische Wirtschaftswissenschaftler Jacques Attali sieht gar einen europäischen Krieg am Horizont aufziehen, doch die Menschen beschäftigen sich lieber mit Dschungelcamp und Co.

Greift die Verblödung um sich?

Demokratie funktioniert nur mit informierten, aktiven Menschen

Aus Magdeburg ertönt Thomas Kliches kritische Stimme, der Experte für Politikpsychologie nimmt gar das Wort »Bequemlichkeitsverblödung« in den Mund. Den stürmischen Zeiten in Politik und Wirtschaft stehen ganze Menschenmassen gegenüber, die sich mit fragwürdigen Sendungen im TV berieseln lassen und sich nicht einmal mehr mit den simpelsten gesellschaftlichen Fragen beschäftigten. Die Mitteldeutsche Zeitung zitiert Kliche mit den Worten: »Die Forschung spricht schon von einer Spät- oder Untergangsphase der Demokratie«, also handelt es sich bei seiner Theorie bereits um eine verbreitete wissenschaftliche Erkenntnis. Demokratie funktioniert nämlich nur mit informierten, aktiven Menschen, die sich für ihr Umfeld interessieren, und dem Staat sozusagen auf die Finger schauen.

Befinden wir uns in einer Phase der pluralistischen Ignoranz?

Joachim Maaz äußert sich in der Zeitschrift »Zeit« sogar mit den Worten: »Wir sind allesamt gestört.« Für viele stehe das Motto »immer besser, immer höher, immer weiter« ganz oben an, ohne Rücksicht auf die Folgen des Konsumwahns. Vielleicht handelt es sich bei dieser Einstellung um eine Flucht aus einer bedrohlich anmutenden Wirklichkeit, in dem die EU um ihr Überleben kämpft, der Terrorismus boomt und der Klimawandel voranschreitet. Zwar fällt in den Berichten der Forscher nicht das Wort »pluralistische Ignoranz«, doch könnte dieses Phänomen, auch »Zuschauer-Effekt« genannt, Schuld an der psychologischen Lähmungssituation sein: Der Effekt tritt nämlich dann auf, wenn Menschen sich in einer schwer einzuschätzenden Situation befinden. Sie versuchen sich dann, an dem jeweils anderen zu orientieren, der jedoch auch nur beobachtet und keine ernstzunehmende Betroffenheit zeigt. Damit bleiben aktive Handlungen aus, weil niemand der Erste an der Front sein möchte, der sich eventuell der Lächerlichkeit preisgibt oder ganz allein ein Risiko auf sich nimmt.

Jacques Attali sieht einen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland kommen

Jacques Attali glaubt sogar, dass durchaus ein Krieg zwischen Frankreich und Deutschland heraufziehen könnte. »Ich bin überzeugt: Wenn wir weitermachen wie jetzt, wird es vor Ende des Jahrhunderts einen neuen französisch-deutschen Krieg geben«, meinte er in einem Fernsehinterview. Ob es wirklich so schlimm kommen wird, ist fraglich, doch als ungemütlich lässt sich die Situation allemal beschreiben, in der sich der Schengenraum allmählich aufzulösen beginnt und die Flüchtlingskrise die Fronten verhärtet.

Quelle: focus.de