Französische Hochgeschwindigkeitszüge könnten schon bald fahrerlos sein, wenn es nach dem französischen Bahnunternehmen SNCF geht. Das Unternehmen möchte spätestens im Jahr 2019 autonome Hochgeschwindigkeitszüge testen – vier Jahre später soll dann das französische Äquivalent zum deutschen ICE – der TGV – ohne Fahrer unterwegs sein. Sollte das Projekt erfolgreich sein, wird die SNCF das erste Bahnunternehmen weltweit sein, das autonome Hochgeschwindigkeitszüge im Linienverkehr einsetzt.


Sensoren erlauben autonomes Fahren

Um Autonomität zu erreichen, sollen die TGVs mit zahlreichen Sensoren ausgestattet sind, die den Zügen erlauben, ihre Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h beizubehalten. Das System soll Hindernisse frühzeitig erkennen und entsprechend reagieren können. Anfangs ist wie bei vielen anderen autonomen Systemen geplant, die Züge von einem menschlichen Zugführer begleiten zu lassen. Später soll es dann zumindest möglich sein, die Züge per Fernzugriff zu steuern.


Laut der SNCF ist der Gedanke hinter den autonomen Zügen nicht, Personalkosten einzusparen. Es werde auch weiterhin eine Notwendigkeit für menschliches Personal in den Zügen geben. „On high-speed, we are aiming for automation in the sense of automatic steering as in aircraft. In aircraft, you always have a driver, fortunately, but you have an automatic steering system“, so Matthieu Chabanel von der SNCF.

Autonome TGVs sollen den Zugverkehr verbessern

Wie genau diese Aussage mit dem Plan des autonomen Zuges zusammenpasst, wird sich zeigen müssen. Schließlich würde kaum jemand argumentieren, dass Flugzeuge „autonom“ fliegen, und es gibt bereits heute eine hohe Automatisierungsrate im Zugverkehr. Möglicherweise würden die vollautonomen Züge auf langsameren Strecken eingesetzt, während auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken weiter menschliche Zugführer mit an Bord wären.

Mit den autonomen Zügen will die SNCF sowohl die Geschwindigkeit als auch die Frequenz von TGV-Reisen erhöhen, speziell im Gebiet rund um die französische Hauptstadt Paris. Das Unternehmen geht davon aus, dass die autonomen TGVs die Anzahl von Fahrten zwischen Lyon und Paris um 24 Prozent erhöhen könnten.

Die SNCF hat ein 10-köpfiges Team ins Leben gerufen, das sich der Thematik annimmt. Dabei sollen Kooperationen mit Forschungsinstituten und anderen Bahnunternehmen wie Alstom eingegangen werden. Die ersten Prototypen würden Waren transportieren, erste Testfahrten mit Passagieren sind für 2023 vorgesehen.

via The Verge

"

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

1 Kommentar

  1. Matthias Paschke

    18. Juni 2017 at 09:00

    Flugzeuge könnten in der Tat völlig autonom fliegen. Die meisten Vorgänge durch den Piloten bestehen aus Eingaben Wegpunkten, und das Flugzeug fliegt völlig autonom dorthin. Bis 15 m über den Boden besteht Autonomität. Im Endeffekt kann selbst der Landevorgang völlig autonom stattfinden.

    Das SNCF-System hat einen Vorteil gegenüber anderen Verkehrssystemen, die es geradezu prädestiniert für die Autonomisierung: Eine separate Streckenführung, die keine Gleise mit fremden Verkehrsmitteln teilen muss. Keine Schranken, die den Verkehr irgendwie blockieren könnten.

    Autonomisierung im Schienenverkehr existiert heute schon in Frankreich. In Nantes, mit der dortigen U-Bahn, fährt man heute schon vollständig autonom. Die Bahnsteige sind völlig von den Gleisen durch ein Glassystem mit automatischen Türen getrennt. Die Züge sind so getimd, dass sie zentimetergenau an den Türen halten.

    Ein Beispiel für einen Autonomisierungsansatz lässt sich in Japan am Beispiel des dortigen Shinkansen-Systems beobachten. Das System arbeitet – obwohl immer Zugführer mitfahren – mit Sekundengenauigkeit und zentimetergenau. Weiterhin sorgen Sensoren entlang der Gleise für ein EXTREM erfolreiches Erdbebenhandling. Die Anzahl der Todesopfer während des Betriebes – seit fast 60 Jahren – des Shinkansen beträgt genau NULL. Nicht einmal die als so sicher geltenden Fahrstühle haben solch eine Statistik vorzuweisen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.