Steigende Meeresspiegel dürften für die Schweiz eher keine Bedrohung darstellen. Dennoch wird der Klimawandel dort als enorme Bedrohung wahrgenommen. Der Grund dafür ist simpel: Die zahlreichen Gletscher des Landes drohen zu schmelzen. Bis zum Jahr 2030 will die Alpenrepublik ihre Klimaemissionen daher um fünfzig Prozent senken. Zum Vergleich: Die Europäische Union strebt lediglich eine Reduktion um vierzig Prozent an. Allerdings sind die Pro-Kopf-Emissionen in der Schweiz schon heute vergleichsweise niedrig. Sie liegen bei fünf Tonnen CO2 pro Jahr – während es in Deutschland rund neun Tonnen sind. Oder anders ausgedrückt: Das Einsparpotential innerhalb der eigenen Grenzen ist begrenzt. Bestes Beispiel: Der Strommix basiert hauptsächlich auf Atom- und Wasserkraft und ist daher schon heute emissionsfrei.


Erderwärmung
Foto: Global Warming. The Earth became the newest Waterworld., Andrea Della Adriano, Flickr, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode

Klimazertifikate können bereits heute problemlos erworben werden

Die Schweizer Regierung hat daher nun einen Gesetzesvorschlag vorgelegt, der vorsieht, einen Teil der Klimaschutzmaßnahmen ins Ausland zu verlagern. Möglich ist dies durch den Kauf von entsprechenden Zertifikaten. Mit dem Geld werden dann Projekte finanziert, die an anderen Orten helfen, CO2 einzusparen und so die eigenen Emissionen auszugleichen. Viele Flug- und Busunternehmen bieten ihren Kunden optional ebenfalls eine solche Möglichkeit an. Die Schweiz ist zudem auch nicht das erste Land mit entsprechenden Plänen: Schweden will auf diese Weise bis zum Jahr 2045 rein rechnerisch sogar komplett CO2-neutral werden. Einen Haken hat die Sache allerdings: Wirklich günstig dürfte die Auslagerung des Klimaschutzes nicht werden.

Die Nachfrage könnte zukünftig die Preise deutlich anziehen lassen

Dies hängt mit dem Weltklimavertrag von Paris zusammen. Darin haben sich alle Staaten zu stärkeren Anstrengungen in Sachen Klimaschutz verpflichtet. Gerade bei Schwellen- und Entwicklungsländern liegt es aber auf der Hand, dass diese günstige Maßnahmen selbst umsetzen werden und nur teure Projekte über die Zertifikate finanzieren lassen. Außerdem gilt: Die Nachfrage treibt den Preis. Neben Privatpersonen und Ländern wie Schweden und der Schweiz gibt es zukünftig nämlich noch einen weiteren wichtigen Spieler auf dem Markt für Klimazertifikate: Die Luftfahrtindustrie. Diese wächst so schnell, dass die Klimaemissionen weiter zulegen, obwohl die Flugzeuge immer sparsamer werden. Zukünftig sollen diese Zuwächse aber über den Kauf von Zertifikaten ausgeglichen werden. Im Fall der Schweiz hat der WWF berechnet, dass in den Jahren 2021 bis 2030 wohl rund 3,2 Millionen Euro für den Klimaschutz im Ausland fällig würden.


Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.