G20 Krawalle: Hamburgs Polizei setzt auf automatisierte Gesichtserkennung bei der Videoauswertung

Bei den Krawallen in Hamburg während des G20 Gipfels im Juli ist nicht nur ein enormer Sachschaden entstanden. Viele Bürger waren auch schockiert, weil die Polizei zwischenzeitlich fast vollkommen die Kontrolle zu verloren haben schien. Zumindest im Nachhinein versuchen die Ordnungshüter nun aber das Heft des Handelns wieder zu übernehmen. So wurde die Sonderkommission „Schwarzer Block“ gegründet, die seitdem mit Hochdruck daran arbeitet, den vielen Straftaten konkreten Einzelpersonen zuzuordnen. Gelingt dies, drohen den Tätern empfindliche Strafen: Die Hamburger Gerichte haben in allen bisher verhandelten Fällen Haftstrafen gegen die Randalierer erlassen. Begründet wurde dies auch mit der sogenannten Generalprävention: Mögliche Nachahmer sollen durch harte Strafen abgeschreckt werden.

Die Hamburger Polizei setzt auf die automatisierte Gesichtserkennung in Videoaufnahmen.

Die Gesichtserkennung wird mit Geodaten kombiniert und soll neue Ermittlungsansätze ermöglichen

Allerdings richten sich die meisten Ermittlungsverfahren der Polizei aktuell noch gegen unbekannt, weil bisher kein konkreter Tatverdächtiger ermittelt werden konnte. Die Polizei verfügt aber über reichhaltiges Videomaterial. Bei dessen Auswertung sollen nun nicht nur menschliche Beamte zum Einsatz kommen, sondern es wird auch auf moderne Technik gesetzt. So soll eine Software zur automatisierten Gesichtserkennung eingesetzt werden. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse werden dann mit den vorhandenen Geodaten kombiniert, um beispielsweise Bewegungsprofile zu erstellen. Aufgrund dieser Vorgehensweise erhofft sich die Polizei eigenen Angaben zufolge zahlreiche neue Ermittlungsansätze. Insgesamt verfügen die Beamten über 7.000 Videoaufnahmen von privaten Personen und 25.000 Aufnahmen von Polizisten im Dienst. Hinzu kommt das Material von Überwachungskameras.

Datenschützer stehen dem Projekt sehr kritisch gegenüber

Es könnte also tatsächlich sein, dass der Einsatz von intelligenten Algorithmen dazu beiträgt, die Auswertung des riesigen Videobestands zu beschleunigen. Unbedenklich ist der Einsatz allerdings nicht. Datenschützer haben bei ähnlichen Projekten in der Vergangenheit bereits Alarm geschlagen und gehen sogar davon aus, dass der Einsatz von Gesichtserkennungssoftware in solchen Fällen nicht mit geltendem EU-Recht vereinbar ist. Jan Hieber, Leiter der extra eingerichteten Sonderkommission, ist sich allerdings sicher eine Lösung gefunden zu haben, die mit den Datenschutzbestimmungen in Einklang zu bringen ist. Details dazu wollte er aber noch nicht nennen. Bereits jetzt haben die zahlreichen Videoaufnahmen aber einen positiven Effekt: Die meisten Verdächtigen haben recht schnell gestanden, wenn sie mit entsprechenden Bildern konfrontiert wurden.

Via: Netzpolitik