Noch vor wenigen Jahrzehnten kam eine Infektion mit HIV einem Todesurteil gleich. Mit der antiretroviralen Therapie ist es gelungen, den Ausbruch von Aids bei HIV-Infizierten langfristig zu verringern und die Infektion so von einer Krankheit mit tödlichem Ausgang innerhalb einiger Jahre in eine chronische Krankheit mit normaler Lebenserwartung zu verwandeln. Dennoch ist die HIV-Therapie nicht perfekt. Es gibt reistente HI-Viren, manche Medikamente haben Nebenwirkungen, und manchmal schlägt die Therapie nur schlecht an. Noch immer sterben jährlich 1,5 Millionen Menschen an der Folgeerkrankung AIDS. Die Vorstellung, HIV zu heilen, geistert weiter in den Köpfen vieler Wissenschaftler herum. Mehrere kleine Studien in den USA legen nun nahe, dass eine innovative neue Therapie eine Heilung wieder wahrscheinlicher machen könnte.


HIV-infizierte T-Zelle
Foto: HIV-ingected H9 T cell, NIAID, Flickr, CC BY-SA 2.0

Vielversprechende Ergebnisse im Kampf gegen den HI-Virus

Die neue Therapie basiert auf genetisch modifizierte weiße Blutkörperchen, die damit gegenüber HIV resistent werden. Diese werden dann im Rahmen der Behandlung in den Blutkreislauf des Patienten injiziert. In zwei kleineren Pilotstudien in den USA wurde nachgewiesen, dass Patienten die Behandlung tolerieren und langfristige Kontrolle über das Virus erlangen können. Die amerikanische Behörde Food and Drug Administration (FDA) hat nun eine Erweiterung der zweiten Studie sowie eine weitere, aggressivere Studie genehmigt, um nachzuweisen, dass die Therapie wirksam ist.

Statt die Reproduktionsmechanismen des Virus anzugreifen, werden bei der neuen Therapie die weißen Blutkörperchen des Patienten mit den genetisch modifizierten T-Zellen ersetzt. Diese sind genetisch so modifiziert, dass ein bestimmtes Oberflächenmolekül namens CCR5 verändert wird, das der HI-Virus nutzt, um in die Zelle zu gelangen. Die Idee dahinter ist, eine Mutation künstlich herbei zu führen, die einen Anteil der Bevölkerung immun gegen HIV macht. Wird der CCR5-Rezeptor deaktiviert, so hat das keine bisher erkennbaren Folgen für die Gesundheit der Patienten. Der CCR5 als Heilmethode für HIV wurde im übrigen durch den berühmten “Berliner Patienten” Timothy Ray Brown bekannt, der durch eine Stammzelltransplantation von einem Spender, der besagte Mutation aufweist, komplett von HIV geheilt wurde. Er gilt bislang als einziger Mensch, bei dem die Heilung gelang.


Noch ein langer Weg zur Heilung

Wie immer bedeuten die Ergebnisse nicht, dass in Kürze ein unproblematisches Heilmittel zur Verfügung steht. Bisher wurden zwei Studien durchgeführt. An der ersten nahmen 12 Probanden teil, sie diente einzig und allein dazu, nachzuweisen, dass die Behandlungsmethode sicher ist. Bereits in dieser Studie wurden langfristige Widerstandskräfte gegen den Virus festgestellt. In einer zweiten Studie wurden dann 70 Personen behandelt. Bisher schlägt die Behandlung gut an und wird von den Körpern der Patienten toleriert. Die Ergebnisse sind so vielversprechend, dass die FDA nun grünes Licht für weitere Studien gegeben hat.

Weltweit arbeiten Wissenschaftler daran, die HIV-Epidemie in den Griff zu bekommen. Die beschriebene Methode könnte in Zukunft einen wichtigen Beitrag dazu leisten.

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