Gentechnik-Baukasten: Die CRISPR-Genschere für zu Hause ist nicht unproblematisch

Einen klassischen Chemiebaukasten kennt wahrscheinlich jeder noch aus der eigenen Kindheit. Mithilfe von einfachen Experimenten sollen Kinder spielerisch etwas über die Grundlagen der Chemie lernen. Dieser Ansatz lässt sich natürlich auch auf viele andere Bereiche übertragen. In den USA sind beispielsweise inzwischen entsprechende Gentechnik-Baukästen im Handel erhältlich: Mithilfe der CRISPR-Genschere werden harmlose Darmbakterien so verändert, dass sie gegen ein bestimmtes Antibiotika resistent werden. Der ganze Vorgang ist so einfach konzipiert, dass jeder Laie ihn durchführen kann – und im besten Fall etwas über die Grundlagen der Gentechnik lernt. Allerdings unterliegt die gentechnische Behandlung von Bakterien in Deutschland staatlichen Vorschriften. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat sich daher einen solchen Baukasten bestellt und eine unliebsame Entdeckung gemacht.

Mit einem solchen Baukasten kann jeder einfache Veränderungen an Bakterien vornehmen. Foto: The Odin

Bayerische Prüfer entdeckten Darmbakterien der Risikostufe 2

Denn die eigentlich vorgesehenen harmlosen Darmbakterien waren dort nicht zu finden. Stattdessen entdeckten die Tester zwei andere Bakterienstämme, die keineswegs ungefährlich waren, sondern der Risikogruppe 2 entstammten. Diese ist laut Biostoffverordnung wie folgt definiert: „Biostoffe, die eine Krankheit beim Menschen hervorrufen können und eine Gefahr für Beschäftigte darstellen könnten.“ Zwar gibt es darüber noch zwei weitere Risikogruppen, doch solche Bakterien haben in einem frei verkäuflichen Baukasten nichts zu suchen. Denn insbesondere bei einer ohnehin angeschlagenen Gesundheit oder einer geschwächten Immunabwehr können diese Darmbakterien zu einem ernsten Problem werden.

In Deutschland muss zwingend in einem Labor gearbeitet werden

Besonders pikant dabei: Die bayerischen Prüfer haben diese Entdeckung gleich in zwei – einzeln bestellten – Gentechnik-Baukästen gemacht. Ein Einzelfall scheinen die falschen Bakterienstämme also nicht zu sein. Das Urteil des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit fiel daher auch deutlich aus: „So wie dieser Kit hier verkauft wird, geht das gar nicht“, erklärte der zuständige Mitarbeiter Dr. Ulrich Busch gegenüber dem bayerischen Rundfunk. Doch auch saubere Gentechnik-Baukästen dürften hierzulande eigentlich gar nicht zum Einsatz kommen: Das Gentechnik-Gesetz erlaubt solche Versuche nur in einem dafür ausgerüsteten Labor. Im Falle der harmlosen Darmbakterien würden dafür beispielsweise die Chemie-Räume einiger Schulen ausreichen. Der heimische Küchentisch aber eben nicht.