Aus diversen Science-Fiction-Filmen ist das Konzept des Designer-Babys bereits bekannt. Dabei wird das Erbgut eines Embryos verändert, sodass es für die Eltern die Möglichkeit gibt, Faktoren wie die Augen- oder Haarfarbe, das Geschlecht, ja sogar die Intelligenz ihres Sprösslings zu beeinflussen. Wissenschaftlich ist dies zumindest in Maßen nicht unrealistisch. Doch bisher standen diverse ethische Bedenken derartigen Programmen im Weg. Chinesische Wissenschaftler haben sich nun scheinbar über diese Bedenken hinweggesetzt und in das Erbgut von Embryonen eingegriffen.


2-cell Embryo
Foto: 2-cell, Bruno Vellutini, Flickr, CC BY-SA 2.0

Zweifel an der Methode

Im Fachmagazin “Protein & Cell” erschien ein Beitrag einer chinesischen Forschergruppe von der Sun-Yat-sen-Universität in Guangdong, in der die Wissenschaftler beschrieben, wie sie das Erbgut von frisch befruchteten menschlichen Embryonen veränderten. Jedoch ist noch nicht klar, ob mit der Studie alles mit rechten Dingen zuging – eine Überlegung, die bei wissenschaftlichen Studien aus dem chinesischen Raum nicht gänzlich unangebracht ist. Die Zeitschriften “Science” und “Nature” hatten den Artikel abgelehnt.

Nature äußerte sich in der Online-Ausgabe zu den Experimenten der Wissenschafter. Scheinbar benutzte das chinesische Team bereits von Anfang an fehlerhafte Embryos. Insgesamt wurden 86 Embryos verwendet, die offenbar von zwei Spermien fehlerhaft befruchtet wurden und daher nach der frühen Wachstumsphase abstarben. Das Team hatte die Methode “CRISPR/Cas9”, mit der die Forscher die Blutkrankheit Beta-Thalassämie heilen wollten, vorher an Mäuseembryos und erwachsenen menschlichen Zellen erprobt. Nach zwei Tagen wurden 54 der 86 Embryos getestet. Es zeigte sich, dass nur 28 überhaupt gewachsen waren und nur ein Bruchteil das neue Erbgut übernommen hatte. Jedoch zeigte sich gleichzeitig eine hohe Anzahl an nicht geplanten Mutationen. Letztlich waren die Schäden an den Embryonen deutlich höher als sich anfangs bei den Tier- und Laborversuchen angedeutet hatte. Der Leiter der Studie, Junjiu Huang, kommentierte dies mit einem trockenen “Wir sind wohl noch nicht soweit”.


Mehrere Embryostudien in China – trotz ethischer Bedenken

Dennoch entschieden sich die Wissenschaftler, ihre Studie zu veröffentlichen. „*Die Welt soll unserer Ergebnisse sehen.Es ist besser, als darüber zu sprechen, ohne die Daten zu haben“, so Huang.

Allein in China arbeiten derzeit Gerüchten zufolge vier Forschergruppen menschlichen Embryonen. Dies führte zu erneuten Diskussionen über die ethischen Folgen in der Wissenschafts-Community. “Wir müssen unsere Forschungen stoppen und eine breite Diskussion darüber führen, in welche Richtung wir steuern wollen, so beispielsweise Edward Lanphier, der selber an erwachsenen Zellen forscht, in ”Nature“.

In Deutschland ist die Situation sehr klar. Das Embryonenschutzgesetz (ESchG) verbietet Veränderungen, wie sie die chinesischen Forscher vorgenommen haben, explizit, und belegt sie sogar mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe (§5 ESchG). Unabhängig davon wird auf wissenschaftlicher Ebene auch in Deutschland die Diskussion um die ethische Problematik von Erbguteingriffen diskutiert.

Der chinesischen Forschergruppe ging es nicht darum, ein “Designer-Baby” zu ermöglichen, bei dem die Eltern die Haarfarbe wählen können, sondern darum, eine Krankheit zu heilen. Dennoch bewegen sie sich was die ethischen Implikationen angeht auf sehr dünnem Eis, ja, sie haben sogar einen Tabubruch begangen. In diesem Bereich besteht noch viel Diskussionsbedarf.

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