Texas gilt seit einiger Zeit nicht mehr nur als Reich der Ölpumpen, sondern verfügt auch über große Windparks, die zehn Prozent des gesamten Strombedarfs abdecken. Da Windstrom zu bestimmten Zeiten in Überfluss vorhanden ist, beginnen die ersten Versorger nun den Strom zu verschenken.


Solarenergie in Deutschland nimmt weiter zu
Solarenergie in Deutschland nimmt weiter zu

Nachts wird der Strom verschenkt

Erneuerbare Energien sind begrüßenswert und zu Zeiten des Klimawandels auch von Nöten. Nach wie vor ist es jedoch eine Mammutaufgabe bei der Einspeisung von Wind- und Solarenergie in das Stromnetz entsprechende Schwankungen auszugleichen. Windturbinen produzieren bei starkem Wind viel Strom, Solarzellen arbeiten in der Mittagssonne am effizientesten. Zu den Spitzenertragszeiten wird teilweise sogar zu viel Strom produziert, so dass die Anlagen gedrosselt oder gar zurückgefahren werden müssen. Besonders bemerkbar macht sich der Stromüberschuss in den späteren Abendstunden, nämlich dann wenn die meisten Menschen schlafen und kaum Energie benötigen. In Texas wird der Strom daher in Zukunft zwischen 21 Uhr und 6 Uhr verschenkt. Die Stromanbieter wollen dadurch eine engere Kundenbindung aufbauen und zudem auch die durch ein Stromüberangebot entstehenden Betriebskosten durch überlastete Netze senken. Die Kunden sollen daher dazu animiert werden beispielsweise ab 21 Uhr die Wäsche zu waschen oder auch mal den Geschirrspüler nachts laufen zu lassen. Der dafür benötigte Strom ist kostenlos. Das klingt zunächst lukrativ und könnte durchaus genutzt werden, etwas problematisch dürfte jedoch die Geräuschkullisse sein, zumindest wenn in einem Wohnblock ab 21 Uhr sämtliche Waschmaschinen angeworfen werden.

Kommt die Stromflatrate?

Das Konzept des Gratisstroms aus Texas zeigt jedoch in welche Richtung der weltweite Energie-Trend gehen könnte. Ökonom und Beststellerautor Jeremy Rifkin ist davon überzeugt, dass das Texas-Modell erst der Anfang ist. Es könnte schon bald eine Zeit geben in der Strom und Wärme völlig kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. Ein wenig sei das Ganze mit dem Telefonieren vergleichbar. So gab es früher auch einen günstigeren Abendtarif, bevor dieser durch die einheitliche Telefon-Flatrate ersetzt wurde. Vielleicht ist der nächste Schritt nicht komplett kostenloser Strom, allerdings eine Stromflatrate zu recht günstigen Preisen. Diese wiederum würde im Hinblick auf die unterschiedliche Auslastung allerdings keine Abhilfe schaffen.


Neben vielversprechenden Konzepten, wie sie in Texas bereits erprobt werden, ist es nach wie vor wichtig neue und größere Speichermöglichkeiten für überschüssigen Ökostrom zu finden und in die Realität umzusetzen.

Verbraucherverhalten müsste sich massiv verändern

Ob es weltweit gelingt den Verbrauch von Energie an die Produktion anzupassen, bleibt abzuwarten. Wir beobachten zunächst das Modell aus Texas weiter. In Italien zahlen einige Stromanbieter übrigens eine Prämie an alle Kunden, die zu Zeiten in denen der Verbrauch ziemlich hoch ist, besonders sparsam sind. In Deutschland ist der Strom nachts immerhin auch schon günstiger. Strom zum Nulltarif ist hierzulande jedoch noch ein wenig utopisch. So fallen schließlich auch noch Netzgebühren, Ökostromumlagen und weitere Kosten an, die stets auf der monatlichen Abrechnung auftauchen.

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